IGEL - Inklusion Ganz Einfach Leben

Sascha Lang - Inklusator
Since 04/2021 308 Episoden

Identität zuerst – oder definieren wir uns über die Behinderung?

Sonntag trifft IGEL – der Sonntagstalk mit Jennifer Sonntag und Sascha Lang

15.02.2026 57 min Sascha Lang & Jennifer Sonntag

Zusammenfassung & Show Notes

Identität zuerst – oder definieren wir uns über die Behinderung?
                
Sonntag trifft IGEL – der Sonntagstalk mit Jennifer Sonntag und Sascha Lang
 
 
In dieser Ausgabe von Sonntag trifft IGEL reden Jennifer Sonntag und ich über eine Frage, die viele von uns schon gehört (oder gedacht) haben: Identität zuerst – oder definieren wir uns über die Behinderung?
Wir steigen direkt ein in den Unterschied zwischen Identifikation und Definition: Was bedeutet es eigentlich, die eigene Behinderung anzunehmen – ohne „die Behinderung zu sein“? Und ab wann wird aus Akzeptanz eine Rolle, ein Job, Aktivismus oder sogar eine Schublade, in die andere uns stecken wollen?
Ich erzähle, wie lange ich gebraucht habe, bis ich meine Blindheit wirklich akzeptiert hatte – und warum erst danach der Punkt kam, an dem Engagement für andere überhaupt möglich wurde. Jennifer teilt ihren Weg vom „bloß nichts mit Behinderung“ bis hin zu Empowerment, Vorbildern und eigener Stimme.
Wir sprechen über das alte Reha-Mantra „du musst zehnmal besser sein“, über Anpassungsdruck, Authentizität und darüber, wie schnell aus berechtigter Forderung entweder konstruktive Stärke oder destruktives „Dagegensein“ werden kann.
Und wir stellen uns die unbequeme Frage: Wo verläuft die Grenze zwischen „für Rechte einstehen“ und „sich hinter der Behinderung verstecken“?
Am Ende bleibt klar: Es gibt nicht die eine richtige Antwort – aber es gibt gute Gründe, darüber offen zu reden.
Schreibt uns: Wie erlebt ihr das? Identifikation, Definition, Aktivismus, Rückzug – was trifft bei euch zu?
Hier ist der Link zu Jennifers Archivseite, auf der 20 Jahre ihrer Arbeit dokumentiert sind. Darin steckt viel Identifikation mit und Definition über die Behinderung. Auf jeden Fall findet sich der Prozess meiner ihrer Erblindung, von dem sie in unserer aktuellen Folge sprach,  auch in vielen ihrer frühen Buchkapitel, TV-Sendungen, sozialpädagogischen und künstlerischen Projekte wieder:
 
Hier geht es zu Jennifer Sonntag:
 
 
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Transkript

Www.kontakt.de www.kontakt.de Igel – Inklusion, ganz einfach leben. Der Podcast für gelebte Inklusion. Mit eurem Inklusator, Sascha Lang. 15. Februar 2026, es ist Sonntag, es ist der dritte Sonntag im Monat und das heißt Sonntag trifft Igel. Herzlich willkommen in dieser Ausgabe, schön, dass ihr mit dabei seid. Was heißt das Sonntag trifft Igel? Ihr wisst es bereits, Jennifer Sonntag ist meine Gästin, Moderatorin, Buchautorin, Bloggerin und sie und ich, wir sprechen heute über ein ganz besonderes Thema. Definierung und eventuell auch Identifizierung mit sich und seiner Behinderung. Ein spannendes Thema. Ich wünsche gute Unterhaltung. Mein Name ist Sascha Lang. Schön, dass ihr mit dabei seid. Das ist IGEL Inklusion ganz in den Verleben. Dein Podcast für gelebte Inklusion. Immer wieder Sonntags kommt die Jennifer zu mir. Es ist der dritte Sonntag im Februar, das heißt Sonntag trifft Igel. Auf dem Kalender steht der 15. Februar nach Valentinstag. Gibt es was Schöneres, um dann mit Jennifer Sonntag den Sonntag trifft Igel zu machen? Nein, liebe Jennifer, herzlich willkommen. Hello. Ah, danke für diese wunderschöne Begrüßung, Sascha. Ich habe mir jetzt noch so Klavierbegleitung vorgestellt. Du spielst ja auch Klavier. Wäre das nicht mal ein Intro, so eine Sascha-Einkel-spielte Klavierbegleitung? Gab es mal ganz, ich glaube, in einer der ersten Ausgaben im Dezember 2022 oder 2021, glaube ich, gab es. Ja, ich spiele Klavier und habe übrigens am Dienstag dieses Monats mein neues Klavier gekriegt. Als wir umgezogen sind, habe ich mein altes Klavier, 120 Jahre alt, verkaufen müssen, weil es einfach zu groß und zu klobig war. Das hätte hier nirgendwo reingepasst. Und das Problem bei dem Klavier war, dass es zwei Kammer-Töne tiefer gestimmt war als die normalen Sachen. Das heißt, ich konnte, also normales Klavier, das heißt, ich konnte nie so auf Gehör mitspielen. Ich muss immer zwei Töne umtransponieren und das hat mein älter werdendes musikalisches Gehirn nicht mehr so mitgemacht. Und jetzt habe ich mir zwar leider nur ein E-Piano, aber eins von der guten Sorte, ein Casio mit richtig vielen Klavierstimmen drin. Und das hat einen mega geilen Klang. Und ich werde definitiv daran arbeiten, auch ein bisschen im Musikproduktionsbereich mich einzuarbeiten. Und dann kommt vielleicht auch demnächst mal was, weil ich kann dieses E-Piano auch an den Computer anschließen. Das heißt, ich kriege einen besseren Sound, als wenn man das so mit dem Mikrofon aufhebt. Also deine Idee ist angekommen und sie wird dann irgendwann umgesetzt. Ich sehe gerade so eine filmische Szene, wie so einen Haufen Klavierschlepper das neue Klavier in die neue Wohnung tragen, aber wahrscheinlich wohnst du gar nicht ganz oben und ein E-Piano ist ja auch einigermaßen bewältigbar, was so das Gewicht betrifft. Also 80 Kilo schwer, 1,48 breit und 96 Zentimeter hoch und das wurde zusammengebaut. Das heißt, wahrscheinlich bestand das aus drei Teilen und das waren nur zwei. Also das andere Klavier, was ich damals geliefert bekommen habe, effektiv, das waren vier Leute, die das mit Gurten, aber auch Erdgeschoss war es damals. Hier war es erster Stock, das heißt, es gab einen Aufzug. Die Jungs haben sich zwar abgeschleppt, weil 80 Kilo schleppen ist ja nicht leicht. Ich weiß das von meinem Gewicht hier, ich schleppe die jeden Tag rum. Du bist so schwer wie ein Klavier. Du bist so schwer wie mein Klavier, genau. Ich darf nichts zunehmen. Aber 80 Kilo ist ja doch für ein E-Piano auch ganz schön schwer. Also ich habe es mir viel leichter. Ich sitze ja immer vorm Keyboard meines Freundes, wenn wir aufzeichnen, habe ich ja schon oft erzählt. Und ich dachte, naja, das ist vielleicht so ungefähr das Gewicht. Aber Keyboard ist nochmal was anderes als ein E-Piano. Ja, es gibt Unterschiede. Das hier, das ist das Casio. Das ist ein ziemlich gutes Klavier. Mein Assistent Noah spielt schon seit 10 Jahren auf seinem Gerät. Also er hat seitens schon 10 Jahre, also es ist immer noch ein gutes Gerät. Die Software ist ein bisschen aktualisiert worden, die Sounds, die Lautsprecher und so weiter. Aber es ist ein Piano, wo du wirklich noch die Hämmer spürst, du spürst die Tasten, die Tasten sind schwer. Das ist ja bei vielen E-Pianos oder bei vielen Keyboards, da sind die Tasten ja sehr leicht. Und hier sind die wirklich noch so den Klavieranschlag und du hörst, wenn du auf Kopfhörer hörst, hörst du den Hammerschlag, der zwar irgendwie nicht direkt sichtbar ist, aber es fühlt sich wirklich wie ein schönes Gefühl anzuspielen. Die Sounds sind gewöhnungsbedürflich. E-Piano ist immer E-Piano. Also gibt es gegen einen Schimmel oder gegen einen Flügel, ist da kein Kraut gewachsen, auch wenn die sehr nah drankommen mit dem Sound. Aber man merkt immer noch den Unterschied. Ich merke das immer noch. Ja, du bist ja auch musikalisch eingestimmt, aber jetzt musst du wenigstens nicht diese zwei Töne weiter rüberdenken, was du bei den anderen musstest. Jetzt kann ich Songs nachspielen und wenn ich vor diesem Klavier sitze, also jetzt sozusagen hinter mir, um das zu beschreiben, also ich sitze jetzt dem Klavier zugewandt, mit dem Rücken zugewandt und über dem Klavier hängt ein wunderschönes Strandbild. Das heißt, wenn ich mich ans Klavier setze, fehlt immer das Meeresrauschen und ich spiele sozusagen direkt am Strand. Ich bin zwar hier nur in Bad Siegelbeck dreiviertel Stunde vom Strand entfernt, aber einfach nur, damit die Leute sich das vorstellen können. Und wenn ich dann mal Zoom oder Teams mache, was wir viel auf der Arbeit machen, kann ich jetzt auch endlich mal meine Kamera anmachen. Man sieht dann nicht viel früher im Hintergrund mein Bett, sondern man sieht dann das Piano und das Strandbild. Also das hat schon seine Vorteile, diese neue Wohnung. Was für ein Ambiente. Ja, das ist auch so ein Thema, was wir neulich bei Medienschaffenden mit Behinderung hatten. Also wie kann man sich eigentlich per Video inszenieren? Also es geht ja nicht mal nur um Inszenierung, sondern bei einem Meeting, wie sieht mein Hintergrund aus? Aber auch wenn ich für Social Media Videos mache oder auch für offiziellere Medienproduktionen, die habe ich das als blinde Person unter Kontrolle. Also das ist auch mal ein Podcast-Thema. Du hast jetzt einen sehr schönen Hintergrund, aber das ist nicht unser heutiges Podcast-Thema. Nein, du hast was dir überlegt. Lass uns mal einsteigen. Was ist das Thema? Ich habe es leider in meinem jugendlichen Plünderwahn vergessen. Plünderwahn? Hast du etwa für deine neue Wohnung? Ich habe gestern Kisten geschleppt und wir sind jetzt fertig mit Umzug, aber jetzt ist natürlich bei Stefanie die Wohnung, da war ein Raum, haben die Möbelpacker super gemacht, alles reingeproppt, nichts rechts, nichts links, sondern alles nur reingeproppt und nicht darauf geachtet, was auf den Kisten steht, also Küche in die Küche und Schlafzimmer in Schlafzimmer, sondern einfach alles da rein. Und das war gestern ein Akt, um dieses Zimmer mal irgendwie halbwegs in Ordnung zu bringen. Aber wir haben es mit vereinten Kräften hingekriegt, mit Kistenschleppen und so weiter. Und ich habe da noch ein schönes Expeditregal aufgebaut. Meine Lieblingsbeschäftigung übrigens schön groß an Ikea. Ich werde nicht bezahlt dafür, aber ich liebe diese Regale aufbauen, weil die so cool sind. Und du kannst es so richtig. Ich kann das ja schon im Schlaf teilweise. Aber das war auch nicht unser Thema. Was ist unser Thema, liebe Jim? Das ist aber ein gutes Thema. Wenn du eingerichtet bist, machen wir da mal eine Folge drüber, weil das auch sehr spannend ist. Also blindes Einrichten, was sind da irgendwie sinnvolle Hilfsmittel, Tools, wie sieht die Wohnung eines blinden Menschen aus? Und das kann man vielleicht nach einem Umzug auch noch viel besser, weil man es noch so hautnah in den Fingerspitzen hat, kann man es vielleicht noch viel besser beschreiben. Aber das heutige Thema, lieber Sascha, das heißt, definieren wir uns zu stark über unsere Behinderung? Und da wollte ich so gerne mal mit dir drüber reden, weil die Frage ist, Ist es eigentlich schlimm, wenn man sich über seine Behinderung definiert? Wo kommt es her? Also man hat das ja noch so ein bisschen im Nacken, so diese Unterstellung, du definierst dich irgendwie zu sehr über deine Behinderung. Warum ist es vielleicht aber auch wichtig, sich zu identifizieren und in welchen Bereichen machen wir das? Also das würde ich so ein bisschen gerne mal durchgehen, also beruflich, vielleicht auch privat oder in Beziehungen. Wo machen wir das? Also was hältst du so grundsätzlich von dem Thema? Also das Thema finde ich cool. Ich hatte die ja, glaube ich, jetzt erinnere ich mich auch wieder. In einer Nachricht geschrieben, dass ich vor drei, vier Jahren mit einer Frau, mit der ich kurzzeitig liiert war, das erklärt habe, dass sie mir das unterstellt hatte. Aber du hast jetzt zwei Begriffe genannt in einem Satz, die für mich unterschiedlich zu beurteilen sind. Du hast definieren und identifizieren genannt. Für mich sind das zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich habe das auch so ein bisschen mit Absicht gemacht, weil ich glaube, nichts passiert hier per Zufall, weil ich glaube. Das eine muss ja zuerst passieren und damit würde ich vielleicht auch anfangen mit der Identifikation und natürlich wäre dann der nächste Schritt, definiere ich mich dann auch als behindert, aber irgendwie hängt es zusammen. Am Anfang steht ja diese Identifikation und ich glaube, das ist manchmal schon ein Angriffspunkt von Menschen ohne Behinderung, die das nicht so wollen, dass man sich zu stark identifiziert. Also schon dieses zu stark Identifizieren, das kennen wir ja auch aus der Frauenbewegung. Also irgendwie ist es anstrengend, wenn jemand zu sehr mit diesem Thema auch politisch unterwegs ist und vielleicht sich das zu sehr angeeignet hat. Und aber ohne diese Aneignung, also ohne dieses damit auch vielleicht Gesicht zeigen, kann man auch politisch sehr wenig bewegen. Deswegen habe ich mich irgendwann damit angefreundet, weil wir, das hatten wir auch schon oft, Menschen brauchen, die dazu Gesicht zeigen. Und ich habe das gelernt ganz stark auch durch die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben, durch diese InklusionsbotschafterInnen, die sich damals einmischen durften, wovon ich auch eine sein durfte. Und vorher war ich noch sehr in diesem alten Realsystem verhaftet, wo oft Menschen ohne Behinderung uns zeigen, wo es lang geht, wie wir sein sollen. Und da hat mir oft diese Identifikation mit der eigenen Behinderung gefehlt, weil man uns so oktroyiert hat, was gut und richtig ist, wie wir sein sollen. Also Identifikation heißt für mich zuerst mal, wenn ich mich mit meiner Behinderung identifiziert habe, das heißt für mich auch gleichgesetzt mit Akzeptanz. Also, Mich mit meiner Behinderung zu identifizieren, heißt für mich nicht folglich, dass ich direkt aktivistisch und, wie sagt man das, fanatisch und extremistische Züge annehme zu meiner Behinderung, sondern zuerst heißt, mich mit meiner Behinderung zu identifizieren, meine Behinderung anzunehmen, zu akzeptieren, dass mein Körper diese Behinderung hat, aber ich nicht die Behinderung bin. Das ist für mich zuerst mal der wesentliche Bestandteil und da habe ich gebraucht bis ca. 25 Jahre, also ich bin mit drei Jahren erblindet und ich habe das wirklich erst so bewusst mit 25 Jahren festgestellt, ach du hast das jetzt mal akzeptiert, du kannst nichts mehr sehen und das wird sich auch nicht mehr ändern. Autofahren kannst du in diesem Leben wahrscheinlich auch nicht, da hat man vor 25 Jahren auch gar nicht darüber diskutiert, dass selbstfahrende Autos gäbe. Das heißt, ich habe dann angenommen, es ist so und dann konnte ich auch erst ab dann ganz zugegebenermaßen mich auch für andere Menschen einsetzen oder den Weg ebnen und zu sagen, ich engagiere mich für andere Menschen mit Behinderung. Das konnte ich vorher nicht, weil die mir in dem Moment, das klingt jetzt brutal, aber nicht egal waren, aber ihre Behinderung war mir egal, die Menschen nicht, sondern die Behinderung oder ihre Problematiken waren mir egal, weil ich nicht auf alle Problematiken gestoßen bin, die andere vielleicht gestoßen sind und ich das auch gar nicht so mitbekommen habe, weil ich mich in diesen Szenensphären gar nicht so bewegt habe. Ich war in der Regelschule, ich hatte zwar mit Blinden und Sehbehindern zu tun, aber alles das, was bei mir dann in der Schulzeit nicht funktionierte, habe ich dann selber organisiert und ich hatte sehr früh ein Netzwerk von sehenden Freunden um mich herum. Das heißt, ich habe diese Barrierelosigkeit, die es sicherlich in den 80er, 90ern schon gab, habe ich nicht so wahrgenommen und so mitbekommen. Aber als ich mich dann mit meiner Behinderung identifiziert, schrägstrich akzeptiert hatte, war ich auf dem Punkt, wo ich gesagt habe, okay, jetzt, jetzt okay. Es hat dann aber noch sieben, acht Jahre gedauert, bis ich mich dann wirklich auch für die Belange von Menschen mit Behinderung engagiert habe. Aber da war ich schon mal auf einem ganz anderen Trip mit 25, als ich das bis verstanden hatte. Ja, das ist so jetzt. Ja, also wo du das so beschreibst, sehe ich auch bei mir da einen echt interessanten Prozess. Also ich wollte das am Anfang auch gar nicht. Also ich habe mich für viele andere Menschen sehr engagiert. Ich habe mich... Ich wurde ursprünglicher entschieden für den Schwerpunkt Drogenarbeit, Sozialarbeit, Streetwork. Ich wollte also auch mit dem Thema Behinderung wenig zu tun haben, vielleicht weil ich meine eigene auch abgelehnt hatte. Ich war damals sehbehindert, war auf einer Sehbehindertenschule, war dann zwischendurch auch auf einem Regelgymnasium, nochmal zurück zur Sehbehindertenschule, dann nochmal auf ein Regelgymnasium und dort mein Abi gemacht und dann wollte ich unbedingt Streetwork. Also ich hatte viele wilde Freunde, ich habe viel Elend gesehen. Kinder- und Jugendprostitutionen, sterbende Menschen an Heroin und ich habe da so ganz doll vielleicht auch mein Helferkomplex hingerichtet, weiß ich nicht, aber bloß nichts mit Behinderung und dann bin ich während des Studiums aber zunehmend erblindet. Also die Augen haben sich immer mehr verschlechtert und ich habe gemerkt, das wird nichts. Also du siehst ja deine eigenen Klienten dann nicht, du siehst die Junkies auf der Straße nicht, denen du ja da helfen willst und du brauchst dafür auch deine Augen. Also für diesen Beruf hätte man die Augen gebraucht. Sicherlich kann man da heute auch so andere Ansätze fahren mit Assistenz und so. Ging vielleicht auch Streetwork. Damals hatte ich da keine Vorstellungen, keine Vorbilder und bin dann auf Rehapädagogik umgeswitcht, aber noch mit einem großen Schmerz. Also ich weiß noch beim Studium, immer wenn wir über Behinderung gesprochen haben, ich bin teilweise aus Vorlesungen raus, weil ich gemerkt habe, das hat mehr mit mir zu tun, als ich eigentlich zu dem Zeitpunkt ertragen wollte. Also gerade, wo es um Blindheit ging und diese ganzen Dinge, was man an behinderten Menschen, mit behinderten Menschen macht. Und ich dachte, ich bin kein behinderter Mensch. Das Wort blind konnte ich schon gar nicht ertragen, weil es bevorstand. Und ich bin dann aber immer mehr da reingerutscht. Auch während des Erblindungsprozesses habe ich ja dann angefangen, auch in einer berufsbildenden Einrichtung zu arbeiten für blinde und sehbehinderte Menschen. Und das habe ich dann zunehmend angenommen, aber auch... Ich hätte damals schon gern die ESL gekannt und diese Empowerment-Bewegung, weil das natürlich alles sehr Reha-System gesteuert war. Peer-Arbeit war da nicht so ein Begriff, den man so gern gesehen hat. Also Betroffene helfen Betroffenen, weil da liegt ja eine ganz eigene Kraft drin. Und trotzdem habe ich mir das so erarbeitet, also Menschen mit Behinderung so an die Hand zu nehmen, als eine, die das auch gerade durchmacht. Und auch viel vor nichtbehinderten Menschen zu sprechen in Seminaren und Workshops, weil ich die sensorische Welt betreut habe, so eine Art Konzeptdialog im Dunkeln, aber auch Kurse gestrickt habe für blinde und sehbehinderte Menschen, die wieder in den Arbeitsprozess umgeschult wurden, denen man da auch Mut und Kraft weitergeben konnte für den Bewerbungsprozess. Und das war alles sehr authentisch, weil ich das ja selber auch gerade durchgemacht habe. Und das war wirklich der Begriff, so Identifikation, an dem habe ich so Stück für Stück genagt und bin daran auch Stück für Stück gewachsen, mit allem Hadern, was dazu gehört. Also mit allen Phasen, die auch mit dieser... Verarbeitung einhergehen. Da hatten wir schon mal drüber gesprochen, dass die Verarbeitung vielleicht bei einer Späterblindung ein bisschen anders ist als bei einer Früherblindung. Zu welcher Erkenntnis waren wir denn da gekommen, Sascha? Eigentlich zu der, dass du auch diesen Prozess durchgemacht hast. Ich glaube, jeder macht diesen Prozess durch. Ich glaube, dass es für, also Späterblindet ist ja bei mir so ein sinnbarer Begriff. Mit drei Jahren bin ich ja auf dem linken Auge blind geworden und mit 12, 13 habe ich dann Restlicht verloren, obschon ich schon blind galt und auch nichts mehr identifizieren konnte, außerdem noch Farben. Ich glaube, dass dieser Prozess bei jedem ist. Ich weiß natürlich nicht, ich habe keine Erfahrung mit Geborenen, also mit Menschen, die mit Behinderung geboren sind. Vielleicht gibt es da aus der Community ein bisschen Feedback. Wie ist das mit deren Identifikation? Ich komme aber nochmal auf den Griff zurück, der für mich aber wichtig ist, dass wir den nochmal erwähnen. Wenn wir jetzt mal uns weglösen von dem Prozess, dass wir eine Behinderung haben und uns einfach mal auf uns als Mensch fokussieren, als Lebewesen, dann finde ich das sowieso Identifizierung mit mir selber, also mit mir eins sein, dass ich so bin, wie ich bin, egal mit Behinderung, ohne Behinderung, mit roten Haaren, mit grünen Haaren, mit dickem Bauch, dünnem Bauch, langen Beinen, kurzen Beinen, also mit mir selber mich identifizieren, ist ja, glaube ich, ein wichtiger Aspekt, den viele Menschen gar nicht geschafft haben bis jetzt und wo ja auch ganz viele, aus meiner Sicht, Frustration entsteht, sich selber zu akzeptieren und sozusagen also sich selber mit sich selber zu identifizieren. Ich finde, das ist ein wesentlicher Bestandteil und ich löse ihn gerne von der Behinderung los, weil danach kommt dann die Tatsache, wenn wir das dann loslassen, wir uns zuerst als Mensch akzeptieren sollten und dürfen mit unseren Stärken und Schwächen. Und dann ist, glaube ich, die Identifizierung mit der Behinderung ein leichtes, Nicht einfach, aber ein leichteres. Aber das ist ein Prozess, den, glaube ich, von den 8 Milliarden Menschen ganz wenige, also vielleicht eine Milliarde Menschen bis jetzt geschafft haben. Habe ich so das Gefühl, wenn ich draußen Menschen mitkriege, wie frustriert sie oder wie ärgerlich sie über sich selber sind. Ja, und ich glaube, so als jüngerer Mensch hadert man ja sowieso mit allem Möglichen. Also mit dem Körper und mit, was halten andere von mir und was denken die über mich und muss ich Erwartungen entsprechen? Also das ist sicherlich auch typabhängig, aber bei mir war das ganz stark so. Also auch als junge Frau, Körperbild und hier zu viel und da zu wenig und bin ich jetzt dünn genug oder fehlt hier irgendwas, muss ich da irgendwas. Also ich bin froh, dass ich diese Auseinandersetzung mit dem Alter irgendwie auch ein bisschen verloren habe. Also so Selbstfindungsprozesse finden ja, wie du auch schon sagst, unabhängig von Behinderung statt. Dann kommt aber noch so eine gravierende Behinderung dazu und dann auch immer so dieses Hin- und Hergerissensein. Also einerseits haben mir Vorbilder gefehlt, die ich cool fand. Also hatten wir ja auch mal eine Folge dazu. Die Erste der Ersten, ne? Genau, weil mich das so umtreibt, dieses Thema. Wahrscheinlich hätte es mir auch geholfen, mich besser identifizieren zu können mit der Behinderung. wenn da Menschen gewesen wären, Frauen, aber vielleicht auch Männer und alles dazwischen und außerhalb. Wenn ich so gesehen hätte, mein Gott, das ist ja auch ein spannendes, buntes, faszinierendes Leben und nicht immer so in dieser Klemme zwischen, was die Nichtbehinderte sagen. Andererseits habe ich ja aber auch so sehr diese behinderten Menschen abgelehnt, wollte nichts damit zu tun haben, konnte ich vielleicht auch keine Vorbilder finden. Das war ja die Zwickmühle, in der man so war. Und man sollte sich ja auch so den Sehenden der nichtbehinderten Welt so überanpassen. Ich glaube, da sind wir heute einen Schritt weiter, dass man wirklich authentisch ist. Also zu Identifikation gehört, glaube ich, auch Authentizität, dass man sich nicht so überanpasst und versucht, wie ein Mensch ohne Behinderung zu sein, damit man was wert ist, damit man nicht auffällt, sondern dass man genau seine Stärken und Schwächen auch lebt und ehrlich sein kann. Sagen kann, das kann ich eben nicht so gut, aber das kann ich gut. Ich muss jetzt nicht irgendwie übertrieben kompensieren und über meine Grenzen an der Stelle gehen, wo jemand anderes es einfach besser kann, weil er sehen kann. Sich so verstellen und verkleiden, das spielt in meinem Leben eine große Rolle, weil man immer so der sehenden Welt gerecht werden musste, wo man aber. Wo man wahrscheinlich nie gewinnen kann. Musste man das? Und wer hat das definiert, dass das musste? Also ja, wir müssen ja auch oder wir werden ja auch durch die Medien oder durch die Politik oder die Medien, vor allem für diese Bilder, wo du vorhin gesagt hast, zu DIN, zu Dirk und so weiter, das ist ja alles geprägt. Das ist ja alles nicht, das ist ja alles nicht aus, wenn wir geboren sind, haben wir diese Vorurteile nicht. Raoul hatte mal vor zwei, drei Jahren berichtet, wie er einem kleinen, dreijährigen Jungen bei einer Ausstellung begegnet ist. Und wie neutral und unbefleckt dieser kleine Junge auf ihn zugegangen ist und ihn mit Fragen durchbohrt hat und ihn überhaupt angeschaut hat, so ohne, boah, du bist ja ein Komischer oder so. Und wenn, dann war das noch mit drei Jahren völlig okay. Also wir werden ja in diese Richtung geprägt, erzogen, versaut vielleicht auch sogar von den Medien, von den Schulen. Das ist ja alles nachher gemacht, weil wir werden ja nicht so geboren. Also wenn man das nochmal so ein bisschen auf die Kinder zurückspielt, wir werden nachher so geprägt, habe ich das Gefühl. Deswegen brauche ich immer so oft diese Erfahrungen und das Reha-System, weil das hat so ganz übertrieben, glaube ich, das Reha-System gemacht. Dieser Satz zehnmal besser, den habe ich oft gebracht. Ihr müsst zehnmal besser sein, um in der Gesellschaft was wert zu sein. Das heißt aber nicht, ihr dürft authentisch sein mit eurer Behinderung. Sehr viel wertvoller ist eigentlich, wenn dir andere Menschen mit Behinderung zeigen, was sind Potenziale, wie kann ich die leben, wie kann ich mich in die Gesellschaft einbringen, so wie ich bin. Und das sagt aber nicht der Satz, ihr müsst zehnmal besser sein, weil das heißt, so imitiert die Sehenden oder imitiert die Nichtbehinderten über eure Kräfte hinaus, Weil man wird das nicht schaffen, ein guter Sehender zu sein oder ein besserer Sehender. Das ist irgendwie ein bisschen die falsche Ausrichtung. Und ich glaube, so eine Identifikation ist da vielleicht auch gar nicht gewünscht gewesen, weil man hätte dann vielleicht gesagt, identifiziere dich mal nicht so sehr mit deiner Behinderung, sondern sei mal lieber so normal wie möglich. Und das war, glaube ich, so ein bisschen die Ausrichtung damals, um bürgerlich brauchbar zu sein. Das ist ein Begriff aus der alten Pädagogik. Und viel sinnvoller ist es eigentlich, dass jeder so ist, wie er ist und so, wie er ist, seine Potenziale einbringen kann. Weil die können dann richtig aufblühen. Das ist ja auch das, was ich immer so sehe bei Ellens Folgen und bei der Zukunftsplanung. Wirklich zu schauen, wo sind denn die Glimmer bei jemandem. Ich habe neulich gelernt, das Gegenteil von einem Trigger ist ein Glimmer. Also wo sind so die Funkelmomente bei Menschen und die Potenziale? Da ist, glaube ich, ich weiß gar nicht, ob das in so Regelschulen, so wie du es erlebt hast, ob man das da auch so gepredigt hat oder ob man da mehr den Menschen mit Behinderung auch so gelassen hat. Ob das wirklich ein spezielles Sonderschulphänomen war, dieser Satz? Also mir wurde in der Regelschule nie gesagt, ich müsste besser sein wie die anderen. Also ich muss einfach lernen, ich muss einfach gut sein. Aber es wurde jetzt nie gesagt, du, als Blinder musst besser sein wie dein Nachbar, der sehen kann. Das habe ich selber schon gemerkt, als Noten verteilt wurde. Also das heißt, ich hatte das jetzt sicher gefühlt. Mir ist aber noch eine Frage, wo ziehst du die Grenze zwischen Identifizierung mit seiner Behinderung und sich hinter seiner Behinderung verstecken? Weißt du, wo ich hinten drauf hinaus will? Ja, ja, ja. Weil es gibt ja auch Menschen, die so alles mit ihrer Behinderung entschuldigen. Und das fällt mir zunehmend schwer, auch Unfreundlichkeit. Es gibt ja auch einige Menschen, die extrem zu Nichtbehinderten unfreundlich rabiat sind, weil sie hinter jedem Satz eine Diskriminierung entdecken wollen oder was auch immer. Und das halte ich für, da bin ich wirklich sehr, da denke ich mir einfach so, da machen wir uns ja wirklich auch nicht nur Freunde, sondern auch vieles kaputt. Also wo würdest du die Grenze ziehen zwischen Identifikation und Verstecken oder Rechtfertigen? Also du weißt, was ich meine. Ja, und da habe ich auch ein echtes Störgefühl, weil es gibt ja auch Menschen, die noch nicht mal eine Behinderung haben, aber das irgendwie schick finden. Dauernd Probleme zu haben, weil sie gerne Probleme hätten. Und so eine Charaktereigenschaften hat man natürlich in allen Bevölkerungsschichten und natürlich auch bei Menschen, die dann tatsächlich eine Behinderung haben. Und das kann Gründe haben. Es kann natürlich eine tiefe Verletzung nicht gesehen werden, alles Mögliche dahinter stecken. Aber das macht Menschen mit Behinderung so generell nicht leichter, weil das das Vorurteil ist, was dann ja viele Nichtbehinderte haben, der anstrengende Behinderte. Und dann wird vielleicht noch irgendwie simuliert und es ist gar nicht so schlimm. Und bei manchen ist es dann schlimm und die sind aber vielleicht nicht so laut und die kommen dann nicht zu ihrem Recht, weil andere lauter sind und alles schlimmer machen und sich, wie du das auch sagst, hinter ihrer Behinderung verstecken und unheimlich einfordern. Ich habe früher immer mit dem Wort der fordernde Behinderte so ein Problem gehabt. Das würde ich heute auch nicht mehr so sagen, weil wir müssen leider wirklich auch fordernd sein und manchmal zehnmal mehr, um zu allem zu kommen. Also manchmal muss man eben besonders drüber sein, um wenigstens einen Krümel vom Kuchen abzubekommen. Aber es liegt nicht so in meiner Natur, dieser unbequeme, fordernde, behinderte Mensch zu sein. Aber es hat mir auch unheimlich geschadet, immer die Liebe und Bittstellerische brave zu sein. Also irgendwo dazwischen liegt dann die Wahrheit. Und wo liegt da die Grenze zwischen, also man kann die, glaube ich, sehr klar erkennen. Naja, ich glaube, auch da wiederum, wenn ich so deine Ausführungen zuhöre, auch da wiederum kann man vielleicht teilweise auch wiederum die Behinderung beiseite legen. Ich merke auch bei Menschen, die nicht behindert sind oder sagen wir mal so, beeinträchtigt, weil es gibt ja auch da Menschen, die sozial beeinträchtigt sind, sage ich mal einfach. Es gibt viele Menschen, die in die Opferrolle rutschen. Ich glaube, das ist insgesamt vom Menschen eine Problematik. Und dann versteckt er sich hinter seiner Opferrolle. Er ist vom Staat gebeutelt. Er kriegt diese Unterstützung nicht. Er hat das nicht und er hat das nicht. Aber was mir auch gerade in Deutschland auffällt, ist, dass dann, wenn es dann aber so weit drauf kommt, und das hatte ich ja schon mit Ottmar in verschiedenen Ausgaben angesprochen, wenn es darauf ankommt, dass wir für unsere Rechte aufstehen, ob im Rollstuhl oder dient oder wie auch immer, dass wir einfach aufstehen für unsere Rechte, dann fehlt mir aber das Engagement und dann fehlt mir wirklich die Identifikation mit sich selber, mit der Behinderung und das Lautwerden. Also wenn dann ein Behindertenbeirat im Dezember auf eine Demo einlädt und da sind dann nur 200 Leute in Berlin, wenn ich von 15% der Behinderung ausgehe, davon sind 80% nicht sichtbar Behinderungen, also von 4 Millionen Einwohnern in Berlin, 15% sind für mich, wenn ich richtig kalkuliert habe, 600.000 Leute, nur 200 Leute in Berlin da sind und wir reden jetzt von ganz Deutschland, dann finde ich das schon ein bisschen komisch. Dann finde ich das irgendwie schade, aber dann aufregen. Wir regen uns extrem auf in der Gesellschaft, aber engagieren uns für meine Verhältnisse viel zu wenig, um etwas zu ändern, um laut zu sein. Wenn ich jetzt wieder diesen Entwurf da sehe vom Bundesgleichstellungsgesetz, ja jetzt hat ja jeder so seinen Senf dazugegeben, an sich müsste, wenn jetzt der Bundestag darüber diskutiert, müsste vor diesem Bundestag eine Riesendemo stattfinden von Menschen mit Behinderung und nicht nur Menschen mit Behinderung, da sind ja viele in diesem BGG mit vereint. Wir müssen da auf die Straße gehen, weil das, was da geliefert wird, ist einfach beschissen. Und wenn dann da steht, wir müssen die privaten Unternehmen vor zu hohen Belastungen schützen. Liebe Freunde, das sind 15 Prozent deiner Kundschaft, die du verlierst, wenn du deinen Hintern als Privatunternehmen nicht bewegst, um barrierefrei zu werden. Und wenn du auf 15 Prozent in der heutigen Zeit von Kundschaft verzichten kannst, dann geht es dir saugut. Und dann bitte halt den Mund und klage nicht und jammre nicht über irgendwelche Institutionen und Probleme. Also wie gesagt, wir müssen aber uns wehren. Also es reicht jetzt nicht, dass dann die Ferda Attermann oder die Corinna Rüffer irgendwas sagt, sondern da muss jetzt eine konsultierte Spitze, ich weiß nicht, wann das in den Bundestag geht, aber bevor das jetzt durchgeht, muss da noch rabiat gewechselt werden. Das ist ja lachhaft, was die Bundesregierung, die haben ja nichts verstanden, was die in Genf gesagt bekommen haben, die übersetzen die ganzen europäischen Direktiven nicht vernünftig, gar nichts. Absolut. Ja, und ich glaube, der Punkt ist, es gibt ein konstruktives und ein destruktives Lautwerden. Also eben habe ich noch gesagt, es ist manchmal echt unangenehm, wenn jemand so seine Behinderung vorschiebt und laut ist, im Gegensatz zu jemandem, der vielleicht wirklich in Not ist, auch eine Behinderung hat, aber sehr leise ist. Und dann kann man manchmal nicht unterscheiden, wer ist denn hier wirklich in Not. Aber was du jetzt meinst, das ist ja ein konstruktives Lautwerden, ein behindertenpolitisches Lautwerden. Und da ist auch so der Punkt, wo ich auch den Begriff, man definiert sich auch ein Stück als Aktivist mit der Behinderung. Also man hat sich identifiziert, natürlich, man nimmt es an. Ich habe die Behinderung, ich zeige mich auch damit, ich bin nicht mehr zerrissen. Das ist natürlich wichtig, damit man das auch auf eine gesunde Art und Weise machen kann. Und dieses Definieren, es kommt für mich manchmal bei Aktivismus noch ein bisschen mehr dazu, weil man weiß, man macht hier was Strukturelles, es geht um ein ganzes System und vielleicht gehört da auch ein bisschen mehr dazu, weil nicht jeder Mensch mit Behinderung geht ja auf die Straße. Manche wollen einfach nur leben, wollen ihre Hobbys machen, sind ein Technik-Dude und frönen da ihr behindertes Dasein und sind irgendwie in der Gesellschaft angekommen. Und nicht jeder, was auch vollkommen okay ist, muss Beiträge bei Kobi nicht schreiben oder bei Die Neue Norm oder muss einen Eagle-Podcast machen. Also wo ist da der Switch passiert, dass manche von uns sich da so berufen fühlen? Und ist jeder, der sich da berufen fühlt. Ist er ein wirklich engagierter Mensch oder ist bei manchen da auch irgendwie zu übertrieben eine Wunde nicht geschlossen, wo man so denkt, Mensch, kümmere dich erstmal um dich selbst, teile erstmal mit deiner Behinderung und mach dann Politik. Weil bei manchen mache ich mir auch Sorgen, dass die ihr ganzes Leben quasi opfern für Aktivismus. Ist ja auch in anderen Bereichen so, Tierschutz, sonst was. Wo man denkt, die Leute, die sind kurz vor der Selbstaufgabe, die haben ihr Leben nicht gelebt, die haben sich voll dem Thema verschrieben. Welches Thema wäre es gewesen, wenn es nicht Tierschutz gewesen wäre oder wenn es nicht Inklusion gewesen wäre? Andere haben einfach nur ihre Familie, fahren in Urlaub und angeln oder irgend sowas. Ich glaube, dass wir den Spagat zum Extremismus, nenne ich das jetzt mal so, das klingt jetzt brutal im Behindertenbereich, aber es gibt auch unter unseren Leuten manche, die sehr extremistisch sind und manche, die auch, natürlich ist es richtig, dass wir inzwischen, Barrierefreiheit ist nicht nice to have. Es ist einfach Pflicht und wir können das fordern. Wir müssen das auch fordern. Das ist absolut, absolut unumgänglich. Inklusion müssen wir auch fordern, aber wir müssen immer noch den Blick behalten, wie ist es umsetzbar und wie kann man es gemeinsam mit einer Gesellschaft kreieren, in der wir eigentlich leben. Also nicht nur wir fordern unseres, sondern wir müssen ja auch gucken, wenn wir Inklusion fordern, was hat das für Auswirkungen auf eventuell andere Menschen. Und mir geht das manchmal bei Menschen, also bei Minoritäten, wir sind jetzt eine Minorität mit 15 Prozent anscheinend. Ich glaube zwar immer noch nicht daran, weil ich glaube, dass 100 Prozent der Menschen besondere Bedürfnisse haben, weil jeder hat irgendwo eine Beeinträchtigung. Irgendwo liegt immer eine. Und wenn es auch nur eine Sonne, eine Brille ist oder wenn es auch nur jemand ist, der noch nicht... Also ich glaube, dass wir Menschen in der heutigen Zeit alle... Ich kann mich immer noch an die Worte unserer früheren Familienministerin erinnern, Marie-Josee Jacobs. Das war 2009, einer meiner ersten Interviews im Rahmen der 200 Geburtstag von Louis Brey. Da habe ich sie interviewt. Das war zum ersten Mal, dass ich dann eine Familienministerin in Luxemburg interviewt habe. Und sie hat ganz klar gesagt, jeder Mensch hat ein Gebrächen, heißt es auf nordluxemburgisch. Also jeder Mensch hat irgendwo irgendwas, was ihn beeinträchtigt, in irgendeiner Form. Und ich glaube, einfach um das mal zu skizzieren, das heißt, ich weiß jetzt wohl nicht mehr, wo ich fortgegangen bin. Halt mir nochmal auf die Sprünge. Mit dem Faden verloren hier. Der Faden ist weg. Auf jeden Fall diese Extremismus. Genau, da wollte ich hin. Mir fällt auf, dass in allen diesen marginalen Gruppierungen manchmal wirklich auch einige davon so extrem sind, dass sie nach Toleranz schreien, aber keine Toleranz liefern. Und das muss aufhören. Wenn wir wirklich eine offene Gesellschaft werden wollen, dann müssen wir für unsere Rechte einstehen, ja, aber wir müssen auch andere Lebensformen oder Nichtbehinderte tolerieren und akzeptieren und nicht nur denken, dass alles nach unserer Pfeife sein muss. Natürlich muss alles barrierefrei sein, natürlich ist es genial, wenn ich mir nicht Gedanken machen muss über eine Wohnung, die ich kaufe, aber wir sind nicht da, wir müssen auf diesen Weg und wir können uns definitiv aufregen darüber, dass die Politik das nicht umsetzt, dass wir ein BGG kriegen, was wahrscheinlich definitiv nicht unseren Wünschen entspricht oder dem entspricht, was die Gesetzgebung oder die Händenbinder der Konvention hat, aber wir können 2028 oder 2029 können wir da definitiv entweder politisch was machen, Aber wir haben gesehen, wir hatten vier Farben drin. Also vier Farben sind bis jetzt verbraucht. Die fünfte wollen wir nicht. Also die, ich weiß gar nicht, was für eine Farbe hat die AfD überhaupt? So lang schnell, was ist das? Blau. Blau, echt? Meine Lieblingsfarbe, das kann man nicht wahr sein. Sascha, ich würde meine Lieblingsfarbe ändern. Nein, du lässt dich natürlich. Aber verstehst du, wir hatten die Grünen, wir hatten die SPD, wir hatten die FDP in einer Regierung. Da ist vier Jahre oder drei Jahre lang nichts passiert in der Behindertenpolitik. Nichts, nada. Dieser BGG liegt schon so lange da, die haben ihn nicht angefasst, die haben nichts gemacht, einen riesen Koalitionsvertrag gemacht. So, dann kam die CDU, CSU mit dazu. Jetzt haben wir das da liegen. Also wir haben jetzt vier Parteien durchgenudelt, die behindertenpolitisch einfach katastrophal sind. So, die Blauen wollen wir nicht. Puh, das wird natürlich schwierig, aber wir müssen dann definitiv auf die Straße gehen und die jetzige Politik dazu bewegen, einfach besser zu werden. Definieren wir uns dann darüber. Mir wurde damals gesagt, weil ich so viel mit dem Thema Behinderung zu tun habe durch meine Podcasts, ich mache ja vier Podcasts zum Thema Inklusion, jetzt arbeite ich auch noch beim Familienministerium im Bereich Inklusion. Ja, ich bewege mich sehr viel in dieser Welt, fühle mich aber nicht, das ist mein Beruf. Also ich sehe das, wenn ich Maurer bin, definiere ich mich dann als Maurer und habe nur mit Maurern zu tun oder Maurerinnen? Wie ist die Frau? Die frauliche Version von Maurer. Eine Maurerin. Gut. Verstehst du, aber jetzt arbeite ich da drin und dann hat die Person, die ich ganz am Anfang angesprochen habe, zu mir gesagt, ja, du bist ja dann nur noch in deiner Behindertenwelt. Naja, das ist ja schon, wenn du es nicht machst, wer dann? Also ich bin irgendwann dahin gekommen, dass mich das Leben da auch hingeschubst hat, weil ich wahrscheinlich die Aufgabe auch gut ausfüllen kann. Also diese vielen, vielen Jahre in dem Beruf, wo ich vor Menschen sprechen konnte und täglich, also das waren 16 Jahre, wo ich in den Seminaren über Blindheit und Sehbehinderung gesprochen habe, Sehbehinderung vorgestellt habe, mit Simulationsbrillen und mit den Gästegruppen ganz verschiedene Übungen gemacht habe, in Dunkelräumen ganz verschiedene Übungen, immer gebettet auch in Workshops und Seminare, damit das nicht so ein geisterbaren Erlebnis wird. Und hu, wir sind jetzt im Dunkeln, sondern wirklich aktiv aufgeklärt, was bedeutet das, was können Menschen mit Behinderungen, wie lebt man den Alltag, die durften immer Fragen stellen. Und an manchen Tagen habe ich schon gedacht, das macht was mit mir, weil ich da jeden Tag drüber spreche. Also gerade, wie ich am Anfang gesagt habe, innerhalb dieses eigenen Erblendungsprozesses, manchmal war das hilfreich, weil ich das durch die Arbeit natürlich auch täglich reflektiert habe und sozusagen den Prozess auch mitgenommen habe. Aber manchmal habe ich auch gedacht, wäre ich jetzt Maurerin oder so. Da könnte ich nach der Arbeit, könnte ich das ablegen. Aber so war ich ja irgendwie berufsbehindert. Und wenn ich dann abends irgendwo mit Leuten in einer Bar saß und nach dem dritten Klas weinen, und da kamen immer noch Leute zu mir und haben dieselben Fragen gestellt. Ey du, wer hat denn deinen Look zusammengestellt? Macht das dein Freund? Oder wie ist denn das? Wie siehst du als Blinde? Was siehst du noch? Ich denke, die ganzen Fragen habe ich heute schon den ganzen Tag auf Arbeit beantwortet. Dann habe ich auch noch angefangen, Bücher zu schreiben, in denen ich diese Fragen gebündelt gesammelt habe, was auch wertvoll und wichtig war. Zum Glück hatte ich die Energie damals, das zu dokumentieren, weil das vielen späterblindeten Menschen auch geholfen hat, sich besser zurechtzufinden in dieser Blindheit. Dann habe ich Fernsehen gemacht, natürlich auch als blinde TV-Moderatorin, die auch als solche Gesicht gezeigt hat, vielleicht mal für einen über den Tellerrand denken, auch weil es das noch nicht gab in Deutschland, dass blinde Menschen TV machen, aber eben blinde Menschen. Und du konntest es auch nicht verbergen. Die Zuschauenden haben sich oft gefragt, was ist denn mit der Moderatorin? Wir haben dann überlegt, zeigen wir den Langstock? Setze ich eine dunkle Brille auf? Also man wollte es ja auch nicht verbergen. Man wollte die Geschichte ja miterzählen. Aber so ganz normal war es ja eben doch auch noch nicht. Also ist es ja immer noch nicht. Wir haben noch nicht so viele blinde Menschen im Fernsehen, in der Fernsehlandschaft. Aber alles, was ich gemacht habe, hat irgendwie mit der Behinderung zu tun gehabt. Und es ist so die Frage, in meinen Hobbys sind die geprägt auch durch Blindheit. Also vieles, was ich in meinen Hobbys gelebt habe, vielleicht nicht. Also, wäre mal interessant, würdest du Klavier spielen, wenn du nicht blind wärst? Vielleicht auch. Weiß es nicht. Das ist ja das, was ich mir manchmal gefragt habe. Was ich mich auch manchmal gefragt habe, würde ich überhaupt Radio machen? Vielleicht würde ich jetzt da sitzen, wo ich an sich gerne sitzen würde. Und Radio, vielleicht hätte ich überhaupt einen Podcast gemacht. Hätte ich überhaupt Management gemacht. Aber im Endeffekt ist es mir auch, also ich stelle mir die Frage schon, was wäre, wenn. Auf der anderen Seite sage ich mir einfach, also ich bin davon überzeugt, Vielleicht geht das ein bisschen ins Spirituelle. Jetzt kriegen vielleicht die einen einen Schüttelfrost und die anderen sagen, der spinnt und die anderen sagen, ach cool. Ich bin ja der Überzeugung, dass wir hier auf dieses Planetchen Erde kommen. Also wir kommen ja ganz, da gibt es ja einen Plan, habe ich das Gefühl. Da gibt es einen Plan, da wirst du runtergeschickt von der Schöpfung und ich lande hier. Du landest da, wo du gelandet bist. Also ich bin ja in Luxemburg gelandet. Wo bist du geboren? Ich bin in Halle geboren. Okay, du bist in Halle geboren. Du bist dann in Halle gelandet. Also wir sind ja wahrscheinlich, und es gibt Menschen, die in Afrika geboren werden, Menschen, die in Tansania geboren werden, Menschen, die in Südamerika geboren werden. Also ich bin der Überzeugung, dass da ein Plan dahinter steckt von der Schöpfung, dass wir als Seele irgendwo runterkommen, in den Körper schlüpfen und dann unsere Aufgabe bekommen von oben, die wir im Laufe des Lebens kennenlernen und diese Aufgabe dann erledigen. Das heißt, es gibt sicherlich einen Grund, warum ich blind geworden bin, warum du blind geworden bist, warum Raul im Rollstuhl sitzt. Es gibt für mich, das ist kein Schicksal. Für mich ist das wahrscheinlich wirklich prädestiniert, weil wir natürlich auch die Charaktere mitbekommen haben und einige haben eine Behinderung, haben die Charaktere nicht, aber dafür haben die was anderes und die sind auch auf dem Weg, das zu finden. Ich bin der Überzeugung, dass jeder Mensch irgendwo was schlummern hat, was er einsetzen kann, um in seinem Leben glücklich und zufrieden zu werden. Wir wären nicht alle reich, das geht gar nicht. Wir wären nicht alle Millionäre und haben eine Finca in Mallorca. Das ist auch gar nicht unser Plan. Das ist auch gar nicht das, was richtig wäre. Aber ich glaube, dass wenn wir unsere Potenziale wirklich alle ausleben würden und erkennen würden vor allemal, also wenn wir sie mal erkennen würden, dann können wir sie ja auch irgendwo identifiziert haben und dann definieren. Und dann mit einsetzen. Ich habe meine Fähigkeiten, die ich mal davon aus einfach entdeckt und deshalb mache ich Radio, mache Podcast und setze mich für Inklusion ein, weil ich die Leute auch belatschern kann und auch ein breites Wissen versuche. Ich kann mich natürlich nicht in einen Rollstuhlfahrer reinsetzen, ich kann mich natürlich nicht in einen Menschen reinsetzen, der gehörlos ist, aber ich kann nachvollziehen oder nachprüfen und überlegen und in Gespräche gehen und dann wissen, was ich versuchen kann für diese Menschen in meinem Job, in der Arbeit zu verbessern. Vor zwei Jahren habe ich eine Konferenz organisiert mit allen Gehörlosenverbänden, der Blinde organisiert im Ministerium eine Konferenz mit allen Gehörlosenverbänden, weil es mir wichtig war zu hören. Wir haben 2019 in Luxemburg die Gebärdensprache als Sprache ratifiziert. Also die Gebärdensprache ist in Luxemburg eine offizielle Sprache, die deutsche Gebärdensprache. und ab dem Moment hatte ich das Gefühl, klar, kommt da noch Corona dazu, aber ab dem Moment hatte ich das Gefühl, dass die Gehörlosen weniger präsent waren als vorher und ich wollte verstehen, warum. Das war so, und ich glaube, dass wir dahin kommen müssen und ja, ich... Naja, also wenn es nicht wir machen, wer dann? Das ist ja so der Punkt, das ist ja das, was mittlerweile auch... Nicht mehr gewünscht ist, also von Menschen mit Behinderung, die schon immer empowert waren, nichts über uns ohne uns, also für die war das schon immer klar. Für mich war das leider eben nicht schon immer klar, weil ich noch so erzogen wurde, dass uns das abgesprochen wurde, also dass wir unsere eigene Stimme haben, dass wir die ergreifen, dass wir unsere Potenziale nutzen, die eben oft auch ein bisschen anders sind, weil wir für unsere Belange einstehen können. Denn wir brauchen zwar auch Allies und Menschen ohne Behinderung, die dabei helfen, Themen groß zu machen. Aber manchmal hat man das nicht so gern gesehen, dass behinderte Menschen für sich selber sprechen. So wie man das auch nicht so gern gesehen hat, dass Frauen für sich selber sprechen, dass die ihre eigene Stimme haben, dass die ihre eigenen Rechte einfordern. Das hat man lieber gehabt, dass Männer das machen. Und so hat man das auch lieber gemacht, dass Menschen ohne Behinderung das schon klären. Und deswegen ist es ganz, ganz wichtig, dass es mittlerweile auch angekommen ist und wir uns da gegenseitig stärken, dass wir unser Ding machen und dass da vielleicht auch unbequeme Leute dabei sind. Das war ja so das am wenigsten gern Gesehene, der unbequeme, ärgerliche Krüppel. Da sind wir wieder bei der Frage, die wir schon mal hatten, ab wann ist jemand laut konstruktiv, wann ist jemand laut destruktiv. Das entscheiden ja meistens auch nicht behinderte Menschen. Die wollen oft vielleicht auch so den bequemen Behinderten, der Optimismus ausstrahlt, der inspirierend ist, der irgendwie das eigene Leben ein bisschen schöner macht. Weil so, ja, als ob, wenn es der Behinderte kann, dann kann ich es auch schaffen. Aber behinderte Menschen oder gerade Aktivisten, die wollen ja oft was ganz anderes. Die wollen einfach Behinderten politisch was voranbringen und nicht den Nichtbehinderten permanent inspirieren. Ich glaube, dass beides geht. Ja, glaube ich auch. Also ich glaube, dass die Aktivisten auch, die, die wirklich aktivistisch und unterwegs sind, die meistern ja auch ihr Leben. Also die sind ja Inspiration zugleich. Ich glaube, dass du, du hast damals in der ersten Episode gesagt, du suchst jetzt Vorbilder. Ich glaube, dass du heute auch Vorbild bist. Und ich auch sicherlich. Und Raul und auch ganz andere. Emi und hier McDavid, wie heißt er jetzt? Janis. Janis auch. Wir sind sicherlich mittlerweile auch nicht nur bei behinderten Menschen, aber auch bei nicht behinderten Menschen Vorbildern, weil das ganz normal ist. Und diese lauten Menschen, diese Rüpel, ja nicht sie mal, die gibt es überall. Die gibt es in jeder Szene. In der LGBTQ-Szene gibt es Rüpel und es gibt laute Menschen, die konstruktiv laut sind, auch in der Szene. Es gibt in der Black-Matter-Szene gibt es Rüpel und Menschen, die konstruktiv laut sind. In der Frauenbewegung gibt es Rüpel. Ich glaube, da gibt es in jeder und in der gesamten Gesellschaft. Old MacDonald hat eine Farm, oder wie heißt der Donald da oben, der irgendwo in Amerika sitzt. Verstehst du? Also wir haben ja Beweise genug für Rüpel, die nicht behindert, Pseudo nicht behindert, ich weiß gar nicht, ob der auch eine unsichtbare Behinderung hat, also Autismus oder ADHS, ich weiß nicht, was der Mann hat, aber ohne das jetzt negativ zu machen. Aber wir haben ganz viele laute Menschen und die einen sind Rüpel, die werden natürlich gehört, weil sie einfach präsent und laut und boom, bam, so, die werden viel zu viel gehört und die anderen sind konstruktiv laut, die werden auch gehört und die Leisen hört man natürlich weniger. Aber ich glaube, dass das auch wiederum, jetzt werde ich vielleicht wiederum geschlagen, aber ich hole das auch wiederum von der Behinderung weg. Also ich glaube, das liegt am Menschen, wie laut und wie rüblich ich es bin. Ich bin der Hinsicht. Also ich wurde früher, ich war auch 2009, bin ich ja dann so in die Szene reingetaucht. Und dann habe ich auch angefangen, aktivistisch tätig zu sein. Ich war Pressesprecher der ersten Selbstvertreterorganisation in Luxemburg, war bei Demos dabei und habe da auch Reden geschmissen und bla bla bla. Und im Ministerium kann meine heutige Bürokollegin sagen, oh, damals warst du aber ziemlich rabiat. Heute bist du mehr gediegen. Du bringst deine Sachen auf den Punkt, aber du bist heute etwas entspannter oder weniger rüpelhaft, weniger laut, aber trotzdem präsent. Und ja, man kann sich da auch entwickeln. Also ich war definitiv 2010 bis 2013 rund um die Ratifizierung der UN-Bindertrechtskonvention. Luxemburg war ich laut und fordernd. Das lag aber auch an meinen Mitstreitern. Wir waren da auch alle sehr laut und fordernd. Und wir mussten auch laut und fordernd sein, weil es gab damals ziemlich wenig. Und dann hat sich da aber auch seit 2012 in der Behindertenpolitik in Luxemburg massiv was verändert. Das lag natürlich auch wiederum an den Ministern, die das Amt dann übernommen haben. Das liegt ja immer an Personen, das sieht man in Deutschland ja auch. Wenn du keine vernünftigen Politiker hast, wirst du auch keine vernünftigen Behindertenpolitik machen. Ja und interessant, also ich glaube bei mir war das eher umgekehrt. Ich war glaube ich sehr angepasst, obwohl ich immer in diesem Behindertenbereich tätig war, aber eben sehr angepasst, um gefallen zu wollen, um die gute Behinderte zu sein. Und da war in mir aber immer diese Rebellion, die gemerkt hat, das kann aber nicht in Ordnung sein, weil wir unsere eigene Stimme brauchen. Ich habe viele Fachleute über uns reden hören und war ja selber auch Fachfrau. Also das hat sich immer ein bisschen gebissen. Ich habe ja diesen Schwerpunkt auch studiert. Also mir war doch ganz klar, dass wir auch zu unseren Themen sprechen können. Aber immer diesen Impuls zu unterdrücken, das war auf eine Weise anstrengend. Und das war auch der Grund, warum ich letztendlich auch diese Reibung und am Ende dieses Mobbing erfahren habe, weil das für die andere Seite nicht zu ertragen war, dass da eine Frau schon weiß, was sie gelernt hat, wer sie ist, wovon sie spricht. Das ist in bestimmten Strukturen nicht erwünscht. Das möchte man eher klein halten und klein machen. Und ich war keine bissige Person. Ich war immer noch die, die viele Schleifen um alles drum herum gemacht hat. Sehr vermittelnd, sehr so das, was Frauen eigentlich gut können. Auch so sehr diplomatisch. Und das kann aber auch bestimmte Menschen provozieren, weil eine Person mit Behinderung hat immer eine bestimmte Qualifikation auch. Nämlich diese Behinderung. Und derjenige ohne Behinderung hat die nicht. Das habe ich aber nie raushängen lassen. Das hat aber schon gereicht, um trotzdem irgendwie Dorn im Auge zu sein. Und das habe ich lange nicht verstanden. Ich habe das nicht verstanden. Und ich glaube, diese Unterstellung, jemand definiert sich zu sehr über seine Behinderung. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass Menschen das als Konkurrenz empfinden können oder als Provokation oder vielleicht auch im Kosmos, wo man selber nicht reinkommt, weil man jemanden da in seiner Stärke oder Leidenschaft erlebt hat. Aber es kann natürlich auch eine Kritik an Menschen sein, die sich tatsächlich über die Behinderung so stark definieren, dass da für nichts anderes Raum bleibt. Also so ein Mensch wollte ich auch nie sein. Und man schätzt auch behinderte Menschen sehr, die auch noch andere Hobbys haben. Das erlebe ich auch im Freundeskreis. Also wenn jemand Autor ist, dann möchte man auch, dass der nicht nur über Behinderung schreibt. Irgendwie schätzt man das immer sehr. Oder wenn jemand Journalist ist oder Journalistin, dass die nicht nur über Inklusion schreibt. Es scheint ein Problem zu sein, wenn das so nur, ich weiß gar nicht, wie ist das bei Rassismus, Sexismus, müssen sich die Leute auch diesen Vorwurf anhören, du definierst dich zu sehr über das Thema Rassismus oder kann ja auch sein, dass man dann merkt, oh, ab da wird es vielleicht ungesund, jemand beißt sich da zu sehr fest. Werden ja auch nicht alle People of Color zum Thema Rassismus arbeiten. Das sind ja immer auch nur bestimmte Menschen, die sich dafür stark machen. Deshalb finde ich es sehr schön, dass wir haben ja jetzt eine gehörlose Bundestagsabgeordnete, dass die ihre erste Rede überhaupt gar nicht über das Thema Behinderung gemacht hat, sondern ich weiß nicht mehr genau, was das Thema war. Aber ihre erste Rede, die sie gehalten hat, also sie ist nicht im Bundestag nur, um über Gehörlosigkeit und Behinderung zu sprechen. Das finde ich mega, weil das ist genau das, was es ausmacht. Wir sind zwar Menschen mit Behinderung in der Politik, aber wir müssen nicht ausschließlich oder überhaupt gar keine Behindertenpolitik machen. Da gibt es ja auch, wir haben zwar Schäuble ein bisschen verurteilt, aber dem war ja Behinderung Schnuppe. Der saß zwar im Rollstuhl, aber dem war die Behinderung scheißegal, auf gut Deutsch. Der hatte natürlich auch das Glück, dass er drumherum alles gekriegt hat, was er gebraucht hat. Das muss man natürlich auch sagen. Er hatte die Möglichkeiten, die finanziellen Möglichkeiten. Aber man muss auch akzeptieren, dass ihm die Behinderung Schnuppe war. Also in seiner ganzen Politik war die Schnuppe und auch in seinem Alltag. Und das darf man auch akzeptieren. Also ich finde, wir dürfen auch uns nicht über die Behinderung definieren. Wir dürfen andere Sachen haben. Wir dürfen andere Hobbys haben. Ich würde natürlich gerne an dieser Stelle, wir sind jetzt fast am Ende unserer Ausgabe heute angekommen, nochmal unseren Aufruf starten. Call to Action, sagt man das heute modern, deutsch. Wie ist es für euch? Welche Reihenfolge gibt es? Identifikation? Definition? Definiert ihr euch über eure Behinderung? Versteckt ihr euch vielleicht auch hinter der Behinderung? Können wir auch anonym setzen? Erzählt uns mal ein bisschen eure Erfahrungen. Was kommt so von der Außenwelt auf euch zu? Fragen die Menschen euch, bist du jetzt die Behinderung? Fragezeichen. Lass uns mal daran teilhaben, wie ihr das findet und fühlt ihr euch auch vielleicht in einer behinderten Welt gefangen? Das finde ich nämlich auch ein interessantes Thema. Also habe ich das Gefühl, ich komme aus dieser Bubble gar nicht mehr raus. Kann ja auch passieren. Schickt uns das alles und wenn wir schöne, wundervolle, nette, coole Kommentare zusammenkriegen, dann werden wir natürlich davon wieder eine Feedback-Runde machen. Wollen wir das so machen, Jenny? Bist du mit? Ja, interessiert mich sehr. Also warum ist das auch so negativ konnotiert? Jemand definiert sich über seine Behinderung. Ist das nicht auch eine Stärke, eine große Kraft? Also kann das nicht auch was bewegen? Kriegt man das nicht auch in eine andere Richtung gedreht? Schreibt uns gern, wie ihr das empfindet. Ich finde das wahnsinnig spannend. Sonntag trifft Igel at Inclusata.com ist eure heißer Draht zu uns. Dann kriegen wir beide die Nachricht direkt. Ihr könnt aber auch uns getrennt anschreiben. Alles gut. Jenny stellt das sowieso zusammen. Sie macht das in einer großartigen Form. Das kann ich nicht so gut. Im März treffen wir uns wieder und zwar am 15. März 2026. Dann bin ich ein Jahr älter schon wieder. Ist das schon so schnell? Und wir feiern dann drei Jahre Sonntag trifft Igel übrigens. Wir haben nämlich im März 2023 oder 22? 23. 23 haben wir angefangen. Bei der 102. oder 103. Episode haben wir mit dem Sonntag trifft Igel angefangen. Also sind wir dann drei Jahre sozusagen auf Igel-Basis liiert, liebe Jenny. Ach, heiraten. Die Stacheln haben sich getroffen. Ja, ach ja. Ich stelle mir gerade vor, wie wir da so als Egelpärchen nebeneinander stehen. Ja, so eingehakt. Genau. Sehr geil. Und wir haben es immer noch nicht persönlich getroffen, aber das haben wir für dieses Jahr vorgenommen. Für nächstes Jahr. Wir sitzen schon gedanklich im Liegestuhl mit Gin Tonic. Mit diesem Gedanken, liebe Zuhörer, wünschen wir euch eine wundervolle Zeit. Genießt den Monat ohne uns, also ohne Jenny und mich zusammen, aber mit mir noch in verschiedenen Episoden. Bis dahin alles Gute, liebe Jenny und vielen Dank fürs Zuhören. Euch auch alles Liebe, dir auch Sascha und viel Spaß beim Klavier spielen. Ciao, ciao. Danke, ciao, ciao. Und alle wichtigen Links, wenn wir irgendwelche haben, die wir jetzt noch nicht genau wissen, aber wenn wir die Folge öffentlich machen, dann sind vielleicht die ein oder anderen Links dabei. Die findet ihr natürlich in den Shownotes. Ciao, ciao, bye, bye. Den Inklusator Sascha Lang bedeutet Inklusion. Inklusion ist ein Gesellschaftsprojekt. Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch ganz natürlich dazugehört. Egal wie du aussiehst, welche Sprache du sprichst oder ob du eine Behinderung hast. Inklusion heißt teilhaben. Wir möchten dich mit unserem Podcast dazu motivieren, bereits jetzt an der Gesellschaft teilzunehmen. Denn nur so können Barrieren abgebaut werden. Barrieren, die nicht nur im Alltag bestehen, sondern auch in den Köpfen. Lasst uns diese gemeinsam abbauen. IGL. Inklusion. Ganz einfach leben. Wird dir präsentiert von Inklusator. Infos zum Inklusator und weitere Folgen findest du unter www.igelmedia.com. Du möchtest uns kontaktieren? Dann schreibe uns eine Mail an moin.igelmedia.com.