Reise von Tübingen nach Berlin. Überall wird Inklusion mit Füßen getreten.
Der Monatsrückblick auf den Monat Mai mit Ottmar Miles-paul von den kobinet Nachrichten
01.06.2026 73 min Sascha Lang & Ottmar Miles-Paul
Zusammenfassung & Show Notes
Der Mai 2026 hatte es in sich – und genau darüber sprechen Sascha Lang und Ottmar Miles-Paul in dieser intensiven Monatsrückblick-Ausgabe des IGEL Podcasts. Zwischen bundesweiten Protestaktionen, hitzigen politischen Debatten und medialen Aufregern zeigt sich einmal mehr, wie umkämpft das Thema Inklusion weiterhin ist.
Im Fokus stehen die erfolgreichen Protesttage rund um den 5. Mai, bei denen Tausende Menschen für echte Teilhabe und gegen Kürzungen der Eingliederungshilfe auf die Straße gegangen sind. Die Diskussionen um das Behindertengleichstellungsgesetz und die Forderung nach mehr Barrierefreiheit sorgen dabei ebenso für Gesprächsstoff wie die aktuellen Entwicklungen im Bundestag.
Ein weiteres großes Thema ist die Debatte rund um Boris Palmer und eine nicht barrierefreie Sportlerehrung in Tübingen. Sascha und Ottmar sprechen offen über gesellschaftliche Haltungen, Verantwortung von Politik und Verwaltung sowie die Frage, warum Barrierefreiheit 2026 immer noch diskutiert werden muss.
Auch die Auswirkungen medialer Berichterstattung – unter anderem durch Jan Böhmermann – werden beleuchtet. Dazu kommen kritische Einschätzungen zu aktuellen Gerichtsurteilen, politischen Entscheidungen und der Rolle von Aktivismus innerhalb der Behindertenbewegung.
Diese Episode ist emotional, direkt, politisch und gleichzeitig motivierend. Sie zeigt, wie wichtig Zusammenhalt, Sichtbarkeit und konsequente Interessenvertretung bleiben. Ein Monatsrückblick voller Klartext, Einordnung und wichtiger Stimmen aus der Inklusionsbewegung.
Jetzt reinhören in Episode 330 des IGEL Podcasts – Inklusion ganz einfach leben.
Alle News auf:
Links zum IGEL Podcast
Podcast „IGEL – Inklusion Ganz Einfach Leben“
Webseite: www.inklusator.com
Socialmedia:
Facebook: https://www.facebook.com/igelpodcast
Feedback: office@inklusator.com
Transkript
Moderator, Sascha Lang.
Igel-Inklusion, ganz einfach leben. Episode 330, 1.6.2026, offizieller Sommeranfang. Juhu!
Und, ja, ein Monatsrückblick auf den Monat Mai. Wo, was für ein Monat.
Mit Protesten, mit einer Debatte im Bundestag, die einem graue Haare verschafft hat.
Mit einem Boris Palmer, der ein Fettnäpfchen nach dem anderen betreten hat.
Mit einer Episode des Royals von Jan Böhmermann, die eine interessante Geschichte
ins Rollen gebracht hat.
Mit so vielen verrückten Sachen.
Mit einem Bundesverwaltungsgerichtsurteil, was uns die Haare vom Kopf fallen lässt, vor Schrecken.
Da gibt es so vieles diesen Monat. Es ist wieder Wahnsinn, was wir alles haben.
Ob wir das alles überhaupt in diese Episode reingepackt kriegen,
weiß ich nicht. Zu Gast wird jetzt gleich sein, mein Kollege Ottmar Malz-Paul,
mit dem Monatsrückblick von den Kobinett-Nachrichten. Ich wünsche gute Unterhalte.
Igel-Inklusion, ganz einfach leben. Der 1.6.2026 und im Vorspann habe ich gesagt,
lieber Ottmar Malz-Paul, es ist Sommeranfang.
Ja, ja, es ist Sommeranfang und wir haben schon fünf Monate in diesem Jahr geschafft. Wahnsinn.
Geschafft, das kann man wohl sagen. Also der Mai, ich habe ja wirklich gedacht,
okay, der Mai, Protesttage und dann war es das.
Dann kam ja noch die Debatte, dann kam ZDF Royale, dann kam Boris Palmer,
dann kam noch ein Urteil vom Bundesverwaltungsgericht.
Da war ja eine Menge drin, ne?
Das Fass war richtig voll. Ich könnte es noch fortsetzen, aber ich belasse es erstmal dabei,
weil ich bin schon wieder mal sehr gespannt, was du fragst von den über 235
Nachrichten, die ich zumindest mal gezählt habe, die wir im Mai in den Probinit-Nachrichten
hatten und was sonst noch so alles passiert ist.
Ich bin bereit. Genau, ich werde ein bisschen zusammenfügen,
weil, wie wir schon gesagt haben, es gibt so ganz, ganz vieles und es gibt ganz viele Einzelheiten.
Also sollte ich was vergessen haben, immer auf www.kobinet-nachrichten.org könnt
ihr alle Artikel nachlesen, über die wir sprechen oder die wir hier streifen.
Wir machen immer nur ein kleines Resümee aus dem, was da alles an Informationen kommt.
Ich würde mal ganz am Anfang des Monats anfangen, nämlich bei den Protesttagen.
Wir hatten schon mal ganz kurz im Rahmen der Bundestagswahl Bundestagsdebatte
darüber gesprochen, dass die Protesttage ein voller Erfolg dieses Jahr waren.
Ich rede von Petitionen über 100.000 Unterschriften.
Ich rede von fast 3.000, 4.000 Leute in Berlin, auch wenn die Moderation,
wie ich gehört habe, von Herrn Peters nicht gerade die beste ist und er Sachen
durcheinander schmeißt und von der Senatorin aus Berlin korrigiert werden muss.
Das ist natürlich ziemlich peinlich für eine Protestdemo, auch wenn man das,
wenn die Menschen da, wenn er das nicht verstanden hat als Demo, sondern eher als Party.
Das ist mal am Rande, das ist so das Feedback von den Hörern,
die ich aus Berlin gekriegt habe.
Ansonsten war es aber wirklich so deutschlandweit massiv auf die Straßen gehen.
In München haben sie getanzt und aber auch protestiert.
Wie war dein Fazit als einer der Väter dieser Proteste?
Ja, Väter, ja deshalb, weil wir 1992 war es, den ersten Protesttag sozusagen initiiert haben.
Uwe Frever und ich hier aus Kassel raus, europaweit.
Und ich bin ja immer eher so ein kritischer Geist und reflektiere immer,
was hat es gebracht, waren wir genug und all das. ich muss sagen,
dieses Jahr einfach Hut ab.
Also Hut ab für diese Bewegung, Hut ab für das, was man zu diesem Protesttag hinbekommen hat.
Ja, und ich finde auch Hut ab vor dem politischen Fokus, weil ich beklage ja immer wieder so,
ja, da wird dann so Barrierefreiheit gefordert, dann kommt es ins Gelaber,
Barrieren in den Köpfen abbauen und nichts Konkretes und
Dieses Mal waren wir politisch punktgenau, weil das ist ja eigentlich das,
was mir immer so am Herzen liegt, dass wir politisch auch in unserer Lobbyarbeit,
dass wir strategisch klüger waren und dieses Mal passte das richtig zusammen.
Du hast es vorher schon erwähnt, da war eine Petition am Laufen gegen Kürzungen
der Eingliederungshilfe.
Die hat über 100.000 erreicht.
Da ist eine Petition am Laufen über Barrierefreiheit, dass auch die privaten
Unternehmen verpflichtet werden.
Die hat schon über 150.000 Unterschriften. Und jetzt kommt sozusagen der Protesttag.
Ich habe es mal geguckt, die Tagesschau hatte gemeldet, 6.000 in Berlin.
Da erinnere ich mal einfach dran, wir hatten auch schon Aktionen in Berlin,
naja, wo man so frustriert nach Hause ging und dachte, wo sind die ganzen Leute?
Aber 6.000 aus unserem Bereich, wo es für viele einfach auch schwieriger ist,
dabei zu sein in Berlin, ob es jetzt 5 oder 7 oder wie auch immer war,
ist egal, das war kraftvoll.
Natürlich haben wir bei unseren Aktionen auch immer was, was man punktgenauer
machen kann, aber ich finde, es passte wie die Faust aufs Auge,
weil es war dann auch noch die Bundestagsdebatte am 7.
Mai zum Behindertengleichstellungsgesetz. Wir hatten am 6.
Mai, hat das Kabinett das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verabschiedet.
Also es war diesmal super gut. Verbindung, Straße, politische Lobby.
Ich meine, was den Inhalt der Gesetze und was dabei am Ende rauskommt angeht,
da ist es natürlich düster.
Aber ich finde, ganz viele haben hier richtig was gemacht. Wir haben auch Verbündete gefunden.
Und vielleicht noch eins, ich habe ja immer so beklagt, ja, jeder Bündnis,
bubbelt so in seiner Bubble rum und da sind alles die Inklusionsaktivisten und
jeder ist nur mit seinen Selfies beschäftigt, salopp gesprochen.
Also das kritisiere ich ja manchmal.
Und hier, finde ich, sind wirklich aktive Leute zusammengekommen,
die das fokussiert haben. Also ich finde, es geht, Sascha.
Sehr schön, die Aktivisten. Bleiben wir bei diesen bösen Aktivisten,
die über die Stränge schlagen, wenn der Boris Palmer aus Tübingen sein Mundwerk
in Gebrauch nimmt, wenn der Boris Palmer über Inklusion redet,
selber nicht betroffen ist,
wenn der Boris Palmer eine Sportlererung vornehmen will und die Sportlerin sitzt
im Rollstuhl und er will aber keine Rampe bauen für 1200 Euro,
keine 40 Plätze wegradieren,
weil die Ehrung kann ja auch unten stattfinden oder woanders stattfinden,
aber bitte keine Rampe und bitte keine Location finden, die barrierefrei ist. Wir übertreiben alle.
Zitat Boris Palmer. Ich habe mich auch ein bisschen mit ihm auseinandergesetzt
in Facebook. Da ist er ja ganz aktiv. Das ist auch ganz schön.
Er hat jetzt eine Lösung gefunden, muss man ja dazu sagen. Nicht er,
sondern seine Verwaltung. Die hätte man direkt finden können.
Dann hätte man ganz viele Diskussionen gar nicht gehabt.
Einige Menschen, auch aus der Behindertszene, werfen vor, dass hier völlig übertrieben
wurde aus der Behindertszene, dass die Behindertensportlerin ja ohne Probleme
hätte im Publikum geehrt werden können. Eine Traube von Menschen.
Wenn man angeboten hätte, gesagt hätte, ja, also sorry Leute, es gibt keine Rampe.
Das heißt, wir machen die Ehrung komplett auf den Boden, also nicht auf der
Bühne, auf dem Boden. Wäre ich einverstanden gewesen, hätte ich gut gefunden.
Aber nicht zwei Leute könnten sie ja ohne Probleme hochtragen.
Ich weiß nicht, welche Behinderung sie hat, aber wenn sie Glasknorrenkrankheit
hat, dann würde ich mich von keinem anfassen lassen.
Erst einmal ist es unwürdig, sich überhaupt von fremden Leuten anfassen lassen
zu müssen, um hochzutragen, wo sind wir denn? Kein Baby mehr.
Also was da alles geredet wurde und was da auch von Boris Palmer rauspussern wurde, brrrr, aber ...
Geile Medienpräsenz für das ganze Thema, muss man sagen. Wie hast du die ganze
Debatte empfunden? Wie hast du das Ganze miterlebt?
Wie viele graue Haare sind dir, wenn du noch welche hast überhaupt, also Haare meine ich.
Was ging in dir vor in den letzten zehn Tagen? Boris Palmer,
Tübingen und Sportlererrung für Menschen mit Behinderung.
Ich habe mir die Haare schon so oft gerauft. Ich kenne meine Verbleibenden bald beim Namen.
Also ich habe noch Haare, aber es werden täglich weniger.
Aber wegen Boris Palmer raufe ich mir gar nicht so die Haare,
weil ich meine, Boris Palmer kennen wir irgendwo. Und ich bin ungefähr vielleicht
30, 40 Kilometer entfernt aufgewachsen in Oberschwaben.
Der Boris Palmer sitzt in Tübingen und Boris Palmer kann austeilen.
Der scheut ja keine Diskussion. Er zettelt auch oft irgendwas provokant an,
legt den Finger in den Wunden.
Und man darf Boris Palmer natürlich nicht unterschätzen, weil er ist natürlich
auch jemand, der setzt Meinungen.
Und erinnern wir uns mal daran, ich glaube, es war Dezember 2024 war das,
wo Boris Palmer im Frühstücksfernsehen irgendwie verkündet hat,
naja, Inklusion, er meinte vor allem das, glaube ich, mit der Schule.
Das klappt ja nicht, die Eltern sind nicht zufrieden, die Betroffenen nicht in der Schule.
Naja, das klappt ja alles nichts und ist viel zu teuer. Da hat er ja auch richtig
provoziert, das hat die Behindertenbewegung ja auch auf den Plan geworfen.
Und wenn man jetzt mal schaut, wo sind wir heute in der Diskussion?
Wir haben einen Gesetzentwurf, wo sozusagen das individuelle Recht auf die Schulassistenz.
Ja, ich sage mal, mit gemeinsamen Lösungen, die zum Teil sinnvoll sein können.
Da hat keiner Zweifel daran, aber das individuelle Recht kann ausgehebelt werden.
Man wird auf Pooling-Lösungen gestoßen. Da hat Boris Palmer was angestoßen.
Und auch jetzt bei dieser Geschichte, finde ich, trifft Boris Palmer natürlich einen Nerv.
Und ich hatte den Facebook-Post von ihm gesehen, irgendwie sowas,
glaube ich, Liebe Rollstuhlfahrer, wir müssen reden oder so ähnlich.
Ich habe mir gedacht, oh weia, das gibt wieder einen und ich habe es erstmal
gedacht, ignoriere es erstmal.
Aber es ist richtig hochgegangen und
An der ganzen Geschichte. Ich habe mir relativ gleich gedacht,
ja, das ist so ein typischer Palmer.
Sie kriegen es nicht geregelt in ihrer Verwaltung, einen Veranstaltungsort zu
finden, wo sie Menschen würdig ehren können.
Es gibt eine Sportlerehrung und diese Sportler werden geehrt für ihre Verdienste.
Die Stadt in dem Fall, die würdigt das.
Und jetzt suche ich einen Ort aus, wo es eben nicht für alle passt.
Und in dem Fall war es jetzt die Rollstuhlnutzerin, die hier ins Fadenkreuz,
ich sag mal, einer öffentlichen Debatte geschoben wird.
Es ist die Verantwortung der Stadt Tübingen. Und alle, die sich im Netz jetzt
irgendwie ereifern und der Sportlerin noch in den Rücken fallen,
da würde ich einfach mal, ich würde mich liebend gern mit euch streiten,
auf dem Marktplatz, wo auch immer.
Also ich sage mal so, wir sind im Jahr 2026.
Und im Jahr 2026 kann man doch erwarten, dass man Veranstaltungen barrierefrei organisiert.
Und wenn die Stadt Tübingen das immer noch nicht geregelt kriegt,
dann ist es das Problem der Stadt Tübingen und nicht das Problem der Sportlerin.
Ganz im Gegenteil, wenn ein Oberbürgermeister hier jetzt in die Öffentlichkeit
geht, wir müssen reden, das kostet 1200 Euro, da gehen 40 Plätze verloren.
Und mei, mei, mei, mei, was für eine Diskussion macht er da wieder auf?
Wollen wir jetzt immer aufrechnen und sagen, wenn ich jetzt einen Oberbürgermeister
einlade, dem seine Stunden kosten so und so viel, der muss mit dem Fahrer kommen.
Wollen wir solche Diskussionen, dass ich sage mal Grundrechte von Menschen mit Geld, mit Geld.
Hier von ihm skizzierten Nachteilen für irgendwelche Plätze verloren gehen.
Wollen wir solche Diskussionen?
Ich glaube, da müssen wir entgegentreten und da wird ein Feld geboten,
das wir in ganz anderen Bereichen wahrscheinlich noch bereuen würden.
Also deshalb einerseits, der Palmer kann austeilen, der muss auch einstecken
können, es hat gefunkt und siehe da, hätte man einfach vernünftig miteinander
geredet, hätte das sozusagen nicht so in die Öffentlichkeit gezeigt werden.
Es gab ja eine Lösung. Die Musikschule ist es jetzt.
Da kann diese Ehrung entsprechend barrierefrei stattfinden. Der Bachchor, der übt woanders.
Die haben das irgendwo hinbekommen. Ich glaube, die Sozialdezernentin oder Sozialbürgermeisterin
war es, die es hinbekommen hat. Aber eine Debatte hier loszutreten, die nachfallen wird.
Wie viele Leute, das war in der Tagesschau, das ging durch den SWR,
wie viele Bürgermeister vor Ort und auch wie viele Politikerinnen und Politiker,
die es nicht so nett mit der Inklusion meinen, werden das jetzt als Argument
ranziehen und sagen, guck mal, was das kostet. das muss doch auch anders gehen.
Und ich sage mal, wir haben Dinge, die kosten was ganz anderes,
aber es sollte eine Ehrung sein.
Und diese Person wurde in den Mittelpunkt gestellt mit anderen Sportlerinnen und Sportlern.
Und jetzt wird hier so ein Keil dazwischen geschrieben, weil wäre ich jetzt
ein Sportler ohne Behinderung, ich hätte gesagt, entweder hier alle auf einer Ebene oder gar nicht.
Also da haben wir noch nicht geredet, gäbe es eine Solidarisierung oder nicht. Also.
Es sollte ein netter Anlass sein und der Palmer hat es mal wieder voll vergeigt,
aber der Palmer stößt in ein politisches Horn,
wo wir gerade im Prinzip einen Gesetzentwurf einer Bundesregierung haben,
die sagen, Unternehmen müssen keine Maßnahmen zur Barrierefreiheit und erst
recht keine angemessene Vorkehrung, in dem Fall wäre das, wir machen es für alle unten.
Müssen die nicht ergreifen, weil es sind eine unverhältnismäßige Belastung. Und in diesen Themen,
Keil, schlägt jetzt der Palmer mit seiner Diskussion und ja,
oder Normalbürgerin, oder Normalbürger würde jetzt sagen, 1200 Euro,
nee, das geht ja gar nicht, so viel kostet das, was könnte man da machen,
in meinem Kindergarten oder irgendwo.
Unsägliche Diskussion, ich bin auch froh, dass es da auch viele aufrechte Leute
gab, also Leute, die wirklich auch für die Rechte kämpfen, dass es dieser Kompromiss
erreicht wurde und Sinn und Verstand in die schwäbische Kleinstadt-Posse kommt.
Aber es waren nicht nur Menschen ohne Behinderung, die anscheinend so ein bisschen
die Stimme für Palma erhoben haben, es waren auch Menschen mit Behinderung,
die Palma Recht gegeben haben.
Ja, ja, und genau das ist unser Problem.
Also ich sage mal Nummer eins, was auf Facebook und überall alles gepostet wird.
Glaube ich, wir müssen lernen, dass wir auch nicht immer alles hochhypen,
weil da ist so viel dummes Zeug auch unterwegs.
Früher im Dorf, wenn man am Stammtisch gewesen wäre, da hätte irgendjemand dumm
Zeug geredet oder hätte eine andere Meinung gehabt.
Am nächsten Tag hätten sie sich kaum erinnert. Jetzt haben wir natürlich Facebook
und dann erleben wir, dass es auch Menschen gibt, die haben halt eine andere
Einstellung zu ihrer Behinderung, zu dem Thema, kann man alles haben.
Aber wenn so eine Person in der Öffentlichkeit ist in einer Auseinandersetzung,
kann ich auch mal versuchen, meine Finger ruhig zu halten und nichts in Facebook
einzustellen, weil, warum muss ich den Menschen in den Rücken fallen? Und ich war,
Vielleicht kommen wir da ja noch drauf. Ich war am 21.
Mai beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Da ging es darum, eine blinde Frau
würde abgelehnt von einer Reha-Klinik aufgrund ihrer Blindheit.
Und dann lese ich auch, ja, das kann man doch gleich wissen.
Ist doch klar, da nimmt man Assistenz mit und lauter so Zeug.
Da denke ich, Leute, überlegt erst mal, was das bedeutet.
Die eine oder andere Person hat vielleicht die Möglichkeit, dass es eine Ehefrau,
einen Ehemann oder sonst wen gibt, die nichts anderes zu tun haben,
als drei Wochen oder wie lange es dauert, mit in eine Reha zu fahren.
Aber das kann doch nicht der Standard in unserer Zeit sein.
Und deshalb, ja, mein Aufruf einerseits, manchmal muss man Dinge auch ignorieren,
was da verbreitet werden.
Ich finde, im Vordergrund sollten die Menschenrechte stehen und wir sollten
die Leute unterstützen. Und haltet eure Finger vielleicht mal ein bisschen ruhiger,
wenn es darum geht, anderen irgendwas vorzuwerfen.
Weil wir erleben das oft und gerade auch von behinderten Menschen,
weil wir sind nun mal sehr vielfältig.
Wir sind in unserer Bewusstseinsbildung, in unserer eigenen,
ja oft nicht jetzt irgendwie behindertenpolitisch jetzt geschult oder sonst was.
Aber genau das ist es, Sascha. Man regt sich auf, aber ich denke dann auch immer,
oh nee, Leute, lasst es gut sein. Zitat einer blinden Person gestern in einem Chat.
Ja, was hältst du denn von dieser Geschichte da in Tübingen?
Ja, wenn wir als Behinderte immer so einen Aufstand machen, dann ist es ja ganz
normal, dass keiner mehr was für uns machen will.
Das ist die Anpassung sozusagen. Lasst uns ruhig und demütig sein, dann tun die was für uns.
Das ist der dankbare Krüppel, wie man es früher gesagt hat.
Das kann man machen, wenn die Person in ihrem Leben mit dieser Dankbarkeit,
mit dieser Nettigkeit durchkommt.
Wenn es der Person nichts ausmacht, wenn sie immer mal wieder benachteiligt,
diskriminiert wird, dann freue ich mich für die Person, wenn sie nicht durchs Leben kommt.
Aber das hat mit einer aktuellen behindertenpolitischen Debatte,
die sich an der UN-Behindertenrechtskonvention orientiert, nichts zu tun.
Ich habe auch zu ihm gesagt, ich habe gesagt, du kannst es als blinde Person
sehr gut behaupten. Du wärst nicht hochgehoben worden gegebenenfalls.
Du bist nicht im Rollstuhl, du hast nicht die ganze Zeit Pflege gegebenenfalls
gegebenenfalls, oder brauchst Assistenz für den und den Schritt zu machen,
du bist als blinde Person, bist du da, habe ich ihm, ganz klar,
kann ich ihm auch sagen, weil wir uns gut kennen, du bist da sehr fein raus.
Also ich glaube nicht, dass wir das Recht haben, als blinde Personen,
sage ich jetzt mal in diesem Fall hier, sowas zu behaupten. Aber trotzdem, was ich
Genial fand ich, dass da wirklich auch noch gestern, aber irgendwo in Frankfurt
doch Rundschau, im Spiegel, also pressemäßig hat das uns ja.
Diese Geschichte, die Debatte am 7.
Mai und der Protesttag, das hat uns ja pressemäßig aber für die Behindertszene
ziemlich gut auf die Tagesordnung der öffentlichen Medien, der hiesigen kommerziellen Medien gesetzt.
Da können wir uns aber diesen Monat nicht beklagen, oder? Nein, überhaupt nicht.
Und wir beklagen ja immer mal wieder, dass es schwierig ist,
in die regulären Medien zu kommen.
Und diesen Monat, also da haben sowohl bei den größeren Aktionen,
auch bei den größeren Medien, aber auch vor Ort, also ich glaube,
da haben wir unheimlich viel Presse bekommen.
Es war nicht immer ganz punktgenau, was ist es denn eigentlich,
was passieren müsste, wo wir einen aktuellen Gesetzentwurf haben.
Aber wenn wir von Bewusstseinsbildung über Barrieren, über behinderten politische
Diskussionen reden, da war der Mai, da hat es gerappelt, auch bis in die großen Medien, wie du sagst.
Und das ist ein echter Erfolg, hat natürlich auch damit zu tun,
dass im Moment die Wogen an verschiedenen Ecken und Enden hochgehen,
also von Palmer und Barrierefreiheit bis zu Leistungskürzungen.
Also im Moment ist auch richtig Dampf im Kessel, aber es ist Dampf im Kessel
in vielen Bereichen und dass das Thema Behinderung auch so, ich sag mal so gepusht wurde,
hat auch wirklich viel mit den aktiven Leuten zu tun und deshalb an der Stelle auch nochmal Hut ab.
Aber auch mit der wirklich desasterösen Politik und Kommunikation und Aussagen und Fettnäpfchen.
Ich meine, also die Füße müssen triefen von Fettnäpfchen, in denen sich der März auch bewegt.
Und die anderen Politiker, das muss ja wahnsinnig sein, wie viele Fettnäpfchen,
also ich kann die nicht mehr zählen.
Ja, ich habe mal überlegt, man hätte es dokumentieren müssen.
Also wie oft einfach Zeug erzählt
wird, wo ich denke, ja wie viele Wähler wollt ihr noch verschrecken.
Wir haben Umfragen von 42 Prozent AfD mittlerweile in Sachsen-Anhalt.
Die Wahl ist nicht mehr lang weg im September.
In Berlin, wir haben Wahlen, wir haben in Mecklenburg-Vorpommern. Und die Regierenden.
Vor allem jetzt gerade auch CDU, CSU, die haben nichts Besseres zu tun,
als sich hinzusetzen und ihre Reformen auszuarbeiten und das auch mal im Stillen
oder irgendwie mal gut vorbereiten, fachlich fundiert.
Nein, da wird rausgeplärrt.
Da kommt ein Palmer, der haut seine Sache raus.
Dann kommt dieser Fraktionsvize von der CDU-CSU, der Stegemann,
der sagt, naja, wir müssen auch ans Kleinhäuschen der Oma ran,
mal so übersetzt mit Pflegeversicherung.
Das geht alles nicht. Und das ist alles so ungeklärt.
Nicht fundiertes, nicht durchdachtes Zeug, wo man die Menschen vor den Kopf
schlägt und wo man natürlich, wenn man davon betroffen ist, dann nimmt man das ganz anders wahr,
wo wir alle inzwischen wahrscheinlich denken, im Gotteswillen,
was kommt da auf uns zu, man wird mürbe gemacht.
Sascha, ich kann es nicht verstehen, also weil Wählerverschreckung hat vielleicht
bei Donald Trump funktioniert.
Indem er alle irgendwie vorm Bug haut und am Ende dann doch noch irgendwie gewählt wird,
aber auch Donald Trump schwindet langsam und zwar ziemlich klar in seiner Beliebtheit
und die Leute hier sollten doch irgendwie demokratisch mobilisieren,
die sollten Leute mitnehmen, man sollte gemeinsam nach Lösungen suchen,
aber hier, also so eine Wählerverschreckung habe ich lange nicht gesehen.
Und dabei haben wir ja, war das der 18. Mai, das Grundgesetz gefeiert?
Auch den Artikel Nummer 3?
Das waren jetzt, das waren 77 Jahre, ja, 77 Jahre Grundgesetz,
ich sage mal, das ist schon auch klar.
Durch die Zeit hatten wir auch immer wieder Dinge, wo wir nicht zufrieden waren,
aber das ist schon eine Erfolgsgeschichte, ja, das ist 77 Jahre,
hat es demokratisch gut funktioniert und wir wissen auch inzwischen,
was nicht funktionieren kann, was morgen sein kann.
Also darum war es nicht nur wichtig, auf das Grundgesetz als solches hinzuweisen,
sondern auch auf die 32 Jahre, die wir jetzt in Artikel 3 im Grundgesetz haben.
Den hatten wir auch vorher, aber da kam dann die Ergänzung 1994,
niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Und ich erinnere mich noch gut an diese Zeiten, wo wir überlegt haben,
Mensch, können wir mit dieser Forderung rausgehen, haben wir da überhaupt eine Chance?
Viele haben gesagt, na, kaum eine Chance, das wurde ja lang abgelehnt.
In der Zielgeraden haben wir damals diese Verfassungsänderung erreicht,
weil ich sage mal, es stand eine Bundestagswahl an.
Und ich bin heute so froh, dass wir diesen Satz im Grundgesetz haben,
weil er macht wirklich nochmal klar,
so einfach kann man behinderte Menschen nicht benachteilen, diskriminieren und
zog zum Glück auch immer wieder in die Rechtsprechung rein.
Da fällt mir ja was ein. Wir waren ja gerade übrigens, also ich bin ja sehr
glücklich, als ich das gelesen habe, habe ich gedacht, wow, endlich das erste
Bundesland ist voll barrierefrei, voll inklusiv.
Abschaffung der Behindertenbeauftragten oder des Behindertenbeauftragten steht
im Raum und zwar in Baden-Württemberg. Also das erste Bundesland,
weil wir haben ja gesagt, wir
können die abschaffen, wenn Barrierefreiheit und Inklusion 100% da ist.
Ist das so, habe ich da was verpasst oder bringe mich mal wieder auf den Punkt.
Ich weiß nicht, ich war ganz irritiert. Ich habe mich wirklich gefreut,
als ich gesagt habe, wow, ein Bundesland hat es geschafft.
Inklusion, UN-Behindernrechtskonvention, überall da, wir brauchen keine Behinderbeauftragte
mehr für die Belange behinderter Menschen.
Können wir abschaffen, ist nicht mehr wichtig, ist alles erledigt.
Die Bundesregierung im Schwabenland hat gut gearbeitet. Oder habe ich da was verpasst?
Hilf mir. Ja, Sascha, deine Hoffnung ist berechtigt und ich hatte auch einen Moment,
weil ich war im Mai zwei Wochen im Schwabenland und ich hatte so einen Moment,
ich saß im Bus und fuhr da von meinem Berg, wo ich öfters da oben bin,
fuhr ich runter ins Tal nach Freudenstadt und plötzlich erklang in meinen Ohren eine Durchsage.
Was die nächste Haltestelle ist.
Boah, ich und meine Frau, wir haben aufgehorcht, wir haben an ein Wunder geglaubt.
Wir dachten schon, die neue Landesregierung hat es gemacht.
Aber bei der Hochfahrt war es schon wieder anders. Da war das Typische,
sie kriegen es nicht geregelt, verständliche Durchsagen in Bussen zu machen.
Und da geht es da zum Nationalpark.
Das ist ein touristisches Ziel. Und ich bin da schon seit Jahr und Tag dran
und habe denen gesagt, das kann doch nicht sein. Ihr seid barrierefreiheitstechnisch
verpflichtet, euch hier Durchsagen zu machen, damit man auch weiß, wo man raus muss.
Aber nein, es war nur ein ganz kleiner Funke, dass die Welt im Schwabenland
doch in Ordnung sein könnte. Gerade Baden-Württemberg.
Baden-Württemberg glänzt im negativen Sinne immer noch durch wahnsinnig viele Barrieren.
Baden-Württemberg glänzt durch einen hohen Grad an behinderten Menschen,
die in Einrichtungen leben, in Klammern müssen.
Und Baden-Württemberg ist so weit davon entfernt.
Ich habe jetzt schon gehofft, Mann. Ich habe gedacht, guck, jetzt bauen die
mal das Ding da ab, diesen Bund, die Behindertenbeauftragten.
Aber was hältst du von, was geht da in den Köpfen vor?
Das müssen die doch wissen, dass die weit weg von dem sind. Also warum kommt
einer überhaupt auf diese Idee?
Diese Idee, die wurde ja schon eingepflanzt im Bundestagswahlkampf 2025 und zwar schon vorher.
Unser Fritze Merz hat unter anderem und seine CDU CSU verkündet,
wir müssen das Beauftragtenwesen mal abschaffen oder aussortieren.
Und dann haben sich ja viele gefragt, oh weia, wird jetzt der Bundesbehindertenbeauftragte
abgeschafft? und dann wird halt gesagt, ja da ein Beauftragter und da und dann
wird von Vogue geredet und was weiß ich, was das alles ist.
Die Folge war, wir haben es in Brandenburg schon erlebt, gut,
da gab es ein bisschen Zoff um die Besetzung der Beauftragten.
Naja, in Brandenburg macht jetzt der Seniorenbeauftragte die Funktion der ehemaligen
Behindertenbeauftragten mit. Also faktisch haben wir hier schon eine Veränderung.
In Nordrhein-Westfalen haben wir das Amt der Behindertenbeauftragten vereint mit der Behinderung.
Die Beauftragten für Patienten fragen, also die Patientenbeauftragte.
Und ich muss sagen, ich kriege viele Pressemeldungen von Landesbeauftragten
von Nordrhein-Westfalen, kriege ich so gut wie nichts mit.
Und jetzt hatten wir Wahlen in Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg im März.
Und da haben schon einige gesagt, auweia, dieser große verbreitete Mythos,
Ja, wir brauchen die Beauftragten nicht mehr.
Der könnte ja jetzt hier auch durchschlagen. Also Rheinland-Pfalz,
denke ich, da ist halt die Frage, wird Ellen Kubica, die bisher das Amt ausgeübt
hat, wird die wieder benannt oder nicht?
Da ist es noch offen. Ja, und dann lese ich da irgendwie der VdK in Baden-Württemberg hatte das moniert.
Ich hatte da noch nicht die Original-Statements gesehen.
Dann höre ich, jo, Baden-Württemberg überlegt die Beauftragten abzuschaffen.
Und das passt alles in eine Entwicklung und wir müssen wahnsinnig vorsichtig
sein, wenn Leute kommen und irgendwas kritisieren.
Und darum sind solche Diskussionen unheimlich gefährlich. Sie bereiten einen Boden.
Und dann wird dumm Zeug erzählt. Ja, das brauchen wir nicht mehr.
Ratzfatz ist eine Position weg, für die wir wirklich, wir haben ja Jahre,
wir haben Jahrzehnte darum gekämpft. Und gerade in Baden-Württemberg, die waren ganz spät.
Das ist mit Steffi Effner gelungen, die leider ja gestorben ist letztes Jahr.
Die war dann später Bundestagsabgeordnete und die war ja auch Landesbeauftragte.
Und da hat man den Sprung in die Hauptamtlichkeit geschafft.
Und jetzt kommt da wieder sozusagen eine neue Regierung und ich hoffe,
es kommt nicht so, die ja dann offen überlegt, wollen wir die Beauftragten da abschaffen?
Also ich hoffe, das wird verhindert, aber dafür brauchst du Leute,
die sich dafür einsetzen, weil
Ja, Beauftragte können vieles besser machen.
Ja, sie können lauter sein. Und ja, sie könnten sich auch in Themen einmischen,
wo wir manchmal denken, warum sind sie so ruhig.
Aber ich glaube, die meisten Landes- und Bundesbehindertenbeauftragten,
die machen richtig gute, engagierte Arbeit. Vor allem, wenn die Beauftragten
auch selber betroffen sind, dann bringen die eine Menge an Erfahrungen mit.
Und wie sollte dieses Know-how sonst in eine Landesregierung reinkommen.
Wo man von außen doch unheimlich schwer rankommt?
Also Sascha, das Schwaraffenland ist leider noch nicht da. Okay,
ich bin aber nicht ganz abgeneigt von dem Gedanken, dass man sagt,
okay, eventuell baut man den einen oder anderen zusammen.
Also, dass man für jede einen einzelnen Beauftragten hat, gerade auf kommunaler
Ebene oder auf Kreisebene, finde ich, das macht Sinn, weil es da doch nicht
so viel Beschäftigung dann auch gibt für die Menschen.
Auf Bundes- oder Landesebene halte ich das für ein bisschen gefährlich.
Aber ich finde es mal gar nicht so verkehrt, eventuell das Thema Senioren und
Behinderte zusammenzubringen.
Weil im Endeffekt liegen die Themen da, sie liegen schon auseinander,
aber auch nicht ganz auseinander.
Also ich finde es nicht ganz verkehrt, da mal zu gucken, kann man da Sachen zusammenfügen.
Aber dann muss diese Person auch wirklich eine Fähigkeit haben.
Wie ich jetzt vor kurzem von meinem Bürgermeister in Segeberg gehört habe.
Und es gibt dieselbe, wir haben in Segeberg das wunderbare Glück,
dass die Vorsitzende des Behindertenbeirats dieselbe ist wie vom Seniorenbeirat
und bei beiden läuft nichts.
Gut, das ist dann Schicksal. Das liegt dann eventuell vielleicht dann doch an der Person.
Aber das ist natürlich auch sehr gefährlich. Aber ich finde es gar nicht so
verkehrt, darüber nachzudenken. Aber abschaffen, gar nicht.
Gar nicht geht gar nicht. Also für mich, das gibt es gar nicht.
Das ist keine Diskussion.
Aber darüber nachzudenken, ob man das auf kommunaler oder regionaler Ebene etwas
zusammenführt, halte ich für gar nicht so verkehrt, muss ich sagen.
Also das Nachdenken ist da sicherlich sinnvoll. Wie gesagt, man muss halt immer
aufpassen, weil wenn man nachdenkt, dann muss man auch in Kauf nehmen,
dass es sozusagen dann im eigenen Bereich Verschlechterungen gibt,
dass das vielleicht nicht der Fokus der Person ist und das dann hinten runterfällt.
Ich glaube, eine gute Lösung könnte es sein und in Kassel haben wir sowas,
dass sozusagen auch die Beauftragten beziehungsweise die verschiedenen Büros,
dass die im Rahmen einer Gleichstellungsstelle oder eines Referats auch zusammenarbeiten.
Und das finde ich schon spannend, weil dann kann man Synergieeffekte herstellen,
weil natürlich lohnt sich der Blick von behinderten Menschen ja auf die Seniorenpolitik
und von der Seniorenpolitik auf das, was wir behinderte Menschen erreicht haben
oder wofür wir uns einsetzen.
Aber da würde ich nochmal genau hingucken. Es ist gut, da was zusammenzuführen.
Aber wir müssen höllisch aufpassen bei geraten Themen auch leicht aus dem Blick.
Darum haben wir uns auch immer für Behindertenbeauftragte eingesetzt,
weil es einfach auch Leute sind, die den Finger in die Wunde legen.
Und auch wenn der Stuttgarter Oberbürgermeister im Hinblick auf die Eingliederungshilfe,
schon verkündet hat, wir wären kein Staraffenland.
Also wir sind es wirklich nicht, das Schlaraffenland in der Hinsicht,
was Barrierefreiheit, Umsetzung, Behindertenrechtskonvention angeht.
Wir haben noch sehr viel Luft nach oben. Lassen wir uns nochmal, ja 18.
Mai, ich glaube das war ein Freitag, wenn ich mich richtig erinnere.
Ne, das war kein Freitag, das war der 16. Mai, glaube ich, war ein ganz wichtiger Tag.
Und zwar war da abends auf einmal ganz viel los im Fernsehen und dann auch auf
Facebook, auf den Social-Media-Kanälen.
ZDF Royale, Jan Böhmermann hat was ausgepackt, wovon keiner so direkt wusste,
mit den Sozialhelden zusammen.
Erzähl uns mal ein bisschen mehr dazu, um was geht es da genau.
Wir werden natürlich auch in einer Podcast-Episode auf dieses Thema zu sprechen
kommen, aber erzähl unseren Hörern mal ein bisschen mehr für die,
die es vielleicht nicht mitgekriegt haben.
Ja, ich bin ja ein Zahlendiebhaber. Es war der 8. Mai. Es war der 8.
Mai schon. Und du hattest recht, es war ein Freitag.
Das wusste ich noch. Was ein Freitag war, weiß ich noch. Aber ich wusste nicht,
okay, dann war es der 8. Mai. Ja, es war Freitag, der 8. Mai.
Und das kam für mich ein bisschen überraschend, obwohl ich im Vorfeld schon bei ein,
zwei Absprachen drin war, weil die Sozialhelden, die hatten Kontakte zum Böhmermann-Team
und auch zur Gesellschaft für Freiheitsrechte.
Und die Idee war einfach mal den Mindestlohn in den Werkstätten mal bekannt
zu machen, dass der dort noch lange, lange nicht gezahlt wird,
wie gering die Bezahlung ist, aber auch zu gucken, wie kann man dagegen angehen.
Und dann war dieser Freitag, der 8.
Mai und ich sah so gegen 5 Uhr abends, Moment, heute Abend kommt ZDF Royal mit
Jan Böhmermann und das Thema Werkstätten, Ausbeutung in Werkstätten steht dran.
Ich habe mir das also schnell angeguckt, das war vorher in der Mediathek und
ich muss sagen, ich war beeindruckt und entzückt von dieser Sendung.
Das fängt so an, die gibt es auch in der Mediathek noch, sieben Minuten ungefähr
ist noch so allgemeiner und dann geht es also wirklich über 20 Minuten das Thema,
wie in Behindertenwerkstätten, wie es dazu geht, beziehungsweise was da gezahlt
wird und was vor allem nicht gezahlt wird.
Also auch, dass Leute weit unter Mindestlohn arbeiten und muss ich sagen,
das war eine richtig gute Sendung und das war auch gut,
dass sozusagen mit Jürgen Linnemann jemand gefunden wurde, der in einer Werkstatt
für behinderte Menschen schon lange arbeitet und der jetzt klagen will für den
Mindestlohn in Werkstatt.
In Gutachten und in Untersuchungen hat man eigentlich schon festgestellt.
Dass die UN-Behindertenrechtskonvention und andere Regelungen zum Arbeitsrecht
eigentlich klar hergeben, dass es Mindestlohn geben müsste.
Aber es ist natürlich viel komplizierter, was das System leisten kann und was nicht.
Aber dass diese Frage mal grundsätzlich angepackt wird und hoffentlich auch
mit Unterstützung der Gesellschaft für Freiheitsrechte, dass die das jetzt mal
durchfechten, das ist schon eine total spannende Sache.
Und was der Jan Böhmermann hier geschafft hat, und das habe ich auch von Seiten
gehört, die eigentlich sonst mit dem Thema nichts zu tun haben.
Er hat das Thema Werkstätten für behinderte Menschen in den Mainstream gebracht.
Also wo Leute gesehen haben, Moment, da stimmt was nicht.
Da vergeben die Aufträge und in dem Fall war es ja die Sendung von Jan Böhmer,
ZDF Royal, die wussten gar nicht, dass ihre Grundis, das ist so eine Actionfigur.
Dass die in Werkstätten für so einen geringen Lohn produziert würde.
Wir reden ja von fairen Löhnen, von fairen Handel, aber oft wird gar nicht geguckt,
zu welchen Bedingungen wird eigentlich ein Werkstatt für behinderte Menschen produziert.
Und dann haben die sich rangemacht und haben gesagt, wie kriegen wir das fair
hin? Aber das System gab es nicht her.
Sie haben sich eigentlich selber, ich sage mal, offengelegt,
was für ein Mist sie da gemacht haben und dann sozusagen jetzt versucht,
wie kann man dieses System ändern.
Und ich muss sagen, das war gut gemacht und war für mich wirklich so ein Highlight,
auch wenn man sich darüber klar sein musste.
Und diese Luft würde ich gerne leider ein bisschen rausnehmen.
Also es wäre gut, wenn andere auch klagen.
Und solche Klagen, die dauern mehrere Jahre in der Regel,
weil man muss wahrscheinlich hoch bis zum Bundesverfassungsgericht,
man muss eventuell an den Europäischen Gerichtshof und da gibt es jetzt einige,
die denken, ja super, das wird jetzt geregelt.
Leute langsam, wenn ihr euch wirklich verändern wollt, wenn ihr aus der Werkstatt
raus wollt, wenn ihr einen richtigen Lohn haben wollt,
dann guckt euch um mit nach einer Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
und mit Budget für Arbeit, wenn ihr jetzt in der Werkstatt sitzt und denkt,
ja der Mindestlohn kommt ja bald,
das wird Jahre dauern wenn es überhaupt Erfolg hat also aber ich finde es super
dass es angepackt wird, auch was die,
Sozialhelden da um Raoul Krauthausen herum, Anne Gerstorf was die angeschoben
hat haben und dass man auch die Gesellschaft für Freiheitsrechte und das Böhmermann-Team da sozusagen,
zusammengebracht hat. Sascha, das war mal richtig gut.
Ja, bald im Podcast übrigens auch alle zu Gast, Zoraia, Jürgen Linnemann und
Anne Gerstorf sind bei uns im Podcast im Juni zu Gast. Also schon ein kleiner Teaser da drauf.
Ottmar, also wir haben ja noch mehrere Themen, aber wir bleiben gerade mal bei
der Arbeit. Die Arbeitslosenzahlen sind desaströs.
Anfang Mai haben wir mitgekriegt, dass dass noch immer oder mehr Menschen mit
Behinderungen arbeitslos sind.
Und es gab auch neue Zahlen über die Werkstätten. Da war ich ein bisschen überrascht.
Ich hatte andere Zahlen im Kopf. Die waren jetzt gesunken.
Ich hatte irgendwann mal die Zahl von 360.000 Mitarbeiter in Werkstätten oder
Mitarbeiterähnlichen in Werkstätten.
Die Zahl ist tiefer, aber die Prozentzahl, wie viel Budget für Arbeit und so
weiter kriegen, die sind ja immer noch katastrophal, oder?
Ja, ja, die sind immer noch katastrophal. Also ich versuche es mal schnell aus
dem Kopf zusammenzukriegen.
Also die Arbeitslosigkeit behinderter Menschen generell, das muss man ja immer
auch ein bisschen zusammendenken, die hängt immer noch bei den 190.000 rum.
Und das ist verdammt hoch.
Wir waren schon vor der Corona-Pandemie, ich glaube, bei 153.000 und die ist rapide angestiegen.
Und da merkt man mal wieder, wenn es nicht so gut läuft, behinderte Menschen
kriegen das viel stärker zu spüren.
Das ist das eine. Und das andere ist ja, wir haben dann die Werkstätten für behinderte Menschen.
Das sind also Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt noch nicht vermittelbar sind.
Beziehungsweise wo geguckt werden kann, wie kann man sich vermitteln.
Und da haben wir, jetzt waren es glaube ich 267.000, die Ende 2024 in den Werkstätten waren.
Und diese Zahl, die ist in den letzten Jahren immer mal wieder zurückgegangen.
Gegangen, ich sage mal, ich schiebe es hauptsächlich darauf,
ja, behinderte Menschen werden älter.
Und viele behinderte Menschen, die in Werkstätten sind, da kommt jetzt sozusagen
das Rentenalter, die scheiden aus.
Also auch hier diese geringe Prozentverschiebung, dass es weniger behinderte
Menschen in Werkstätten sind,
das ist kein revolutionärer Akt, weil erkannt wurde, wie wichtig die Behindertenrechtskonvention
und die Inklusion auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ist.
Da ist viel demografisch, also was jetzt da natürlich passiert.
Und du sagst ja immer, die Zahlen in den Werkstätten, man muss zusammenzählen.
Das sind die Zahlen, die im Arbeitsbereich sind.
Die werden von der Eingliederungshilfe finanziert. Und das war die Untersuchung
der Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Eingliederungshilfe.
Wir haben dann noch, das dürften sich auch so um die 30.000 rumbewegen.
25.000, 30.000, die im Eingangsbereich sind.
Das sind also die, die von der Schule
kommen und die dann im Berufsbildungseingangsbereich der Werkstatt sind.
Hinzu kommen noch Leute, die in Tagesförderstätten sind, die also gar nicht
in der Werkstatt aufgenommen werden.
Und das ist auch so ein Punkt, der immer diskutiert werden müsste,
weil in Nordrhein-Westfalen geht, was in anderen Bundesländern anscheinend nicht
zu gehen scheint oder in den meisten anderen.
Also wir reden hier schon von einer Personengruppe von 320.000,
die hier weit unter Mindestlohn und nicht immer sehr zufrieden arbeiten.
Das war so eine Geschichte.
Jetzt gucken wir uns mal an, was will denn die UN-Behindernrechtskonvention?
Die UN-Behindernrechtskonvention will, dass behinderte Menschen die gleichen
Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen, dass sie dort ihr Auskommen verdienen
können, dass sie entsprechende Unterstützung bekommen.
Und jetzt landen wir bei den Budgets für Arbeit.
Für diese gesetzliche Regelung haben wir hart gekämpft mit dem Bundesteilhabegesetz.
Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Hamburg zum Teil hatten schon früher Lösungen
für das Budget für Arbeit.
Baden-Württemberg hatte auch Modelle. Und
Das wurde 2016 im Bundesteilhabegesetz aufgenommen.
Die Idee, das Geld, das an die Werkstatt geht, behinderte Menschen packen Rucksack,
es gibt Zuschüsse für die Arbeitgeber, es gibt Assistenz, wenn man die braucht.
Das ist eine richtig gute Idee.
Aber sie wird halt nicht richtig unterstützt. Behinderte Menschen müssen ihren
Arbeitsplatz selber suchen.
Deshalb haben wir ungefähr 3.700 Menschen, die dieses Budget für Arbeit nutzen.
Und jetzt zählen wir es noch zusammen mit anderen Modellen, die es gibt,
um auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, dann sind wir an die 7000.
Und jetzt haben wir diese Zahl, sagen wir mal großzügig, sagen wir 7500 im Vergleich
zu 267.300, wenn man die anderen noch dazu nimmt, 320.000.
Und das jetzt zehn Jahre Bundesteilhabegesetz.
Sascha, das ist miserabel. Ich freue mich über jede einzelne Person, wo das gelungen ist.
Ich freue mich, dass wir die Türen aufgemacht haben.
Aber das ist keine gezielte Förderung, das ist Zufall.
Wenn ihr es schafft, wenn ihr Glück habt, wenn es jemanden gibt,
der sich für euch einsetzt,
dann habt ihr eine Chance rauszukommen, auf dem Arbeitsmarkt zu arbeiten,
sozialversicherungspflichtig beschäftigt zu sein, einen Lohn zu bekommen,
der also mindestens Mindestlohn ist.
Wenn ihr Familie habt, diese vielleicht auch würdig irgendwie ernähren zu können,
euren Beitrag zu leisten, wenn nicht, wenn ihr Pech habt, wenn ihr nicht unterstützt
wird, dann hängt ihr zum Teil lebenslang in einer Werkstatt,
arbeitet dort zum Teil 30, 35 Stunden, geht nach Haus mit durchschnittlich 230 Euro,
fast die Hälfte davon hat nicht mal 170 Euro.
Und da fand ich, da hat Böhmermann, da haben sie gut nochmal den Finger in die
Wunde gelegt und ja, es fing alles mal nett an, wir machen die Werkstätten,
wir haben da eine Tagesstruktur,
mag auch für einige Leute passen, die da zufrieden sind, wo es gut ist,
aber für Menschen, die sagen, Mensch, ich will auch eine Chance bekommen, ich will raus.
Sind die Bedingungen immer noch miserabel und ich freue mich über jede,
jeden Einzelnen, wir hatten ja
die Veranstaltung in Kiel, hattest du ja moderiert, zum Thema Arbeit am 5.
Mai, da waren ja auch pragmatische Leute dabei, über die freue ich mich,
aber dieses System der Werkstätten ist dermaßen beharrlich.
Was mich am meisten stört dabei oder was mir wirklich wieder aufstoßt,
ist die Tatsache, dass ja dann auch wirklich gute Unternehmen hingehen,
entweder die Werkstattmitarbeiter,
im Außendienst sozusagen ausnutzen, bei sich arbeiten lassen,
aber nicht bei sich einstellen, Also die Werkstattmitarbeiter sind sozusagen
ausgelagert in andere Unternehmen.
Das ist das, wo ich einfach, wo ich das...
Und ko.tz und so weiter kriege, weil ich das einfach eine Frechheit finde.
Warum stellst du sie dann nicht direkt ein? Kriegst du Unterstützung?
Im Endeffekt wird es dich vielleicht sogar günstiger, wenn du sie direkt einstellst
mit der nötigen Begleitung. Das ist das eine.
Oder eben das andere ist, dass ja dann auch Aufträge an Werkstätten vergeben
werden, wo Menschen mit Behinderung in dieser Firma arbeiten können,
statt dass sie in der Werkstatt arbeiten.
Also auch dafür für einen Hungerlohn abgestempelt werden, damit die keine Abgaben
bezahlen. Das sind die zwei Sachen, die mich am meisten, das ist das,
was mich am meisten ärgert.
Natürlich auch die Tatsache, dass die Werkstätten ihre besten Mitarbeiter gerne
bei sich behalten und dass das immer noch Werkstatt heißt. Das klingt immer
noch so, also auch der Begriff der Werkstatt klingt auch gut, klingt auch brutal.
In Luxemburg ist es noch schlimmer, da heißt es Atelier Protégé,
also geschütztes Atelier.
Ja, sie haben versucht, das in Atelier d'Inclusion professionell zu benennen,
also Atelier oder Werkstatt zur professionellen Inklusion.
Aber auch in Luxemburg ist die Umsetzung oder der Weg von der Werkstatt in den
ersten Arbeitsmarkt desaströs.
Die Übergänge sind ganz katastrophal, wobei in Luxemburg aber der Mindestlohn bezahlt wird.
Da habt ihr natürlich einen Schritt geschafft, dass die Leute wenigstens,
ich sag mal, sie gehen zur Arbeit, sie bekommen dann ihren Lohn,
sie bekommen einen Mindestlohn.
Aber das Problem ist halt, mit Inklusion hat das alles nicht wirklich was zu tun.
Die Beharrungskräfte einer Werkstatt, lasst uns möglichst die Leute halten,
das ist ja auch die Finanzierung der Werkstatt, die sind wahnsinnig groß.
Wir haben gute, die sich wirklich um Vermittlung bemühen.
Wir haben grottenschlechte Werkstätten und das ist sozusagen dieses glückslos.
Behinderte Menschen ziehen, die einen, die haben das Glück, die finden vielleicht
Leute, aber wir sind da weit entfernt von einem soliden Anspruch auf Inklusion.
Und du sagst es, es sind circa 9 Prozent.
Das sind also, ich glaube, so 25.000, 27.000 behinderte Menschen,
die arbeiten gar nicht mehr in der Werkstatt, die sind dann nur formal angesiedelt,
die bekommen auch vielleicht ein paar Euro mehr,
aber immer noch, da reden wir immer noch von 2, 3,
350 Euro und die sind bei ganz normalen Arbeitgebern.
Wir hatten im Sozialministerium, als ich in Rheinland-Pfalz Landesbehindernbeauftragter
war, da war an der Pforte eine Frau, die früher in der Werkstatt war.
Das war eine Kollegin, die hat einen ganz normalen Lohn bekommen und das war eine Kollegin.
Aber ich sage mal, Unternehmen, die behinderte Menschen beschäftigen,
die weit unter Mindestlohn sind,
die dann das Geld an die Werkstatt zahlen, wo die Werkstatt das dann in ihre
Kalkulation einbaut und alle zufrieden sind, aber keiner darauf guckt,
wie geht es denn dieser Person.
Wo um Himmels Willen sind hier die Menschen?
Und Betriebsräte, wo sind hier die Vertretungen der Arbeitnehmer, die sagen,
das ist eine Sauerei, wir können das gerne für drei, vier, fünf,
sechs Monate ausprobieren, ob es klappt, aber dann lasst uns das Budget für
Arbeit nutzen, weil da gibt es ja Zuschüsse und nicht die Leute ausbeuten.
Also deshalb war das schon von Jan Böhmermann mit Ausbeutung, der Begriff,
der war schon richtig gewählt, weil niemand hat da wirklich ein Interesse und
wir freuen uns über die Einzelbeispiele, aber strukturell, also hundsmiserabel, da frage ich mich auch.
Warum der Gesetzgeber hier schon jahrelang jetzt schläft.
Nachdem schon vor drei Jahren eine Untersuchung abgeschlossen wurde und man
eigentlich was tun wollte.
Dann wird immer versprochen, jetzt
bald, jetzt bald, jetzt wird der Herbst irgendwie vielleicht anvisiert.
Aber dann kommt wieder ein Reformchen raus. Sascha, das ist eine Sauerei.
Ja, eine Sauerei ist für viele auch das Urteil vom 21.
Mai 2026 beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Du hast schon angedeutet, du warst mit dabei.
Wie war das für dich da beim Bundesgerichtshof und was hat dieses Urteil für
Wirkungen? dann gib uns auch noch mal ein bisschen Inhalt zur Geschichte.
Ja, ich habe ja noch ein Projekt, das heißt Gute Nachrichten zur Inklusion.
Und ich hatte im Vorfeld so mitbekommen, von denen, die nah an dieser Verhandlung
dran sind, ja, das müsste eigentlich ein Erfolg werden.
Also da dachte ich, du bist eh in Schwarzwald, fahr runter ins Tal, fahr nach Karlsruhe.
Ich war noch nie bei einer Verhandlung. In dem Fall war es ja nur eine Urteilsverkündung
des Bundesgerichtshofs.
Also das ist sozusagen Bundesgerichtshof, da ist die Zivilsachen finden da statt,
die Streitereien untereinander. Und Hintergrund war, eine blinde Frau, Renate S.
Heißt es immer, die war im Krankenhaus,
musste eine Reha machen und wurde dann sozusagen abgesprochen,
hatte auch mit der Reha-Klinik vorher geredet, was sie braucht und wie es ist.
Ja, dann wurde die mit dem Beförderungsdienst hingefahren in die Reha-Klinik.
Sie kam an und ein großes Hallo, da ist ja plötzlich eine blinde Frau und sie hat es vorher gesagt.
Ja, nee, das geht nicht.
Und die blitzte dort ab. Sie wurde nicht aufgenommen. Die haben die da rucken
lassen und es war erst mal für sie überhaupt auch nicht klar, was passiert.
Es musste ja wieder organisiert werden, dass sie zurück ins Krankenhaus kommt.
Auf jeden Fall, sie haben sie nicht angenommen und ganz klar in der Notiz auch Blindheit.
Ja, sie ist vor Gericht gezogen und hat sozusagen die Fonds auf Schadenersatz,
weil nach dem Antidiskriminierungsgesetz, allgemeines Gleichbehandlungsgesetz,
hat sie gesagt, das ist eine Diskriminierung.
Sie ist vor ihr Amtsgericht gezogen, vor das Landgericht hier in Nordhessen
und die ganze Sache landete beim Bundesgerichtshof, weil sie bisher nicht Recht bekommen hatte.
Es wurde gesagt, es sei kein Massengeschäft und Massengeschäft,
Artikel 19 des Bundesgerichts.
Allgemein Gleichbehandlungsgesetzes, da kann man sozusagen einfordern auf die
Gleichbehandlung auch von behinderten Menschen.
Tja, und so ging das vor dem Bundesgerichtshof. Es wurde verhandelt,
es wurde angehört und jetzt fand am 21.
Mai um 10 Uhr die Urteilsverkündung statt. Wir also hingefahren,
früh aufgestanden aus dem Schwarzwald.
War eigentlich ganz spannend zu erleben, wie geht es dazu. Da wird man natürlich
erstmal durchleuchtet, wenn man da reinkommt. Das ist Hochsicherheit.
Wir sitzen dann in dem Saal, ein relativ kleiner Saal und ich war wirklich sehr
gespannt, weil ich finde es ja auch mal, sich sowas anzugucken,
wie läuft das so vor Gericht.
Ja, dann kamen die Richter, man steht dann auf und...
Dann kam die Urteilsverkündung. Und Sascha, ich höre ja schlecht.
Ja, aber da waren, obwohl da Mikrofone waren, es war auch ein Kamerateam mit dabei.
Dieser Richter, der das Urteil verkündete, ich habe so gut wie nichts verstanden.
Es war ein kleiner Saal, also man war relativ nah dran.
Es war so vor sich hin genuschelt und ich dachte erst, das liegt an mir.
Meine Frau hat dann gesagt, nein, nein, nein, nein.
Das haben alle andere kaum verstanden. Dann kam die Urteilsbegründung.
Da war es ein ganz klein bisschen lauter, sodass ich Fetzen verstanden habe.
Ich hatte mal überlegt, ob ich dazwischenrufe, hohes Gericht,
können Sie lauter reden? Ich dachte, nee, lass das mal gut sein,
du guckst dir das jetzt mal hier einfach an.
Also ich muss sagen, natürlich haben wir dann die Presseerklärung durchgelesen
und das, was wir dann mitbekommen haben.
Und natürlich war es eine Ablehnung. Also es war eine Ablehnung.
Diese Frau hat kein Recht bekommen. Es soll jetzt keine Diskriminierung gewesen
sein. Also nicht nach dem allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz.
Sie bekommt nichts. Sie muss die Kosten des Verfahrens tragen.
Und zum Glück unterstützt der Deutsche Blinden- und Sehbehindernverband sie
und auch der Michael Richter von rechtebehinderter Menschen.
Die haben da viel Energie investiert.
Ja, auf jeden Fall dieses Urteil. Wir sind richtig betröppelt rausgegangen,
weil eine Bekannte von mir, wo ich das gesagt habe, hat gesagt,
ja, Reha ist anscheinend kein Massengeschäft.
Die hat mir nur zugefunkt und hat gesagt, also jeder, der einmal in einer Reha
war, in einer Rehaklinik,
Der weiß, welches Massengeschäft das ist.
Also da ist ja oft auch 0815 findet das statt.
Und das andere war, das ist der Hammer in der Begründung, was mich entsetzt.
Ja, das einzelne Unternehmen, in dem Fall die Reha-Klinik,
die wäre nicht dafür verantwortlich, irgendwie dafür aufzukommen,
wenn jetzt hier ein behinderungsbedingter Bedarf ist, sondern das wäre die Aufgabe
sozusagen des Sozialstaats, des SGB IX, der Gesetzgebung, der Gesellschaft.
Also wieder das, was die Bundesregierung in ihrem Gesetzentwurf formuliert hat,
dass sämtliche Maßnahmen, auch für angemessene Vorkehrungen,
dass das eine unverhältnismäßige Belastung ist, das findet sich hier.
Und das Gericht hat dann Bezug genommen auf die Begründungen auch vom Allgemeinen
Gleichbehandlungsgesetz.
Das stammt von 2006, ist das in Kraft getreten.
Naja, da ist nicht geregelt, dass für behinderte Menschen angemessene Vorkehrungen
geschaffen werden müssen.
Und deshalb kann so ein Gericht das ablehnen. Und genau dieses Gesetz ist jetzt schon, das wird am 11.
Juni, wird das im Deutschen Bundestag diskutiert.
Diskutiert, da sollen Änderungen geben und da wird es wieder keine Änderungen
geben, die dieser Frau Recht geben sollte.
Und vielleicht noch was, man zweifelt dann ja, wir waren dann draußen im Hof
und da kam dann eine Frau, die gesehen hat, dass wir genauso entsetzt sind,
wie sie sich und zwar ist das eine Anwältin, die.
Den Prozess gewonnen hat. Da ging es um Diskriminierung bei der Wohnungssuche.
Eine Frau aus Afghanistan, die hatte da ein gutes Gerichtsurteil und sie sagt,
das hätte sie nicht erwartet.
Sie ist einfach nur von Frankfurt hingefahren, um sich die Urteilsverkündung
anzuhören, nach Karlsruhe.
Und sie war entsetzt. Sie sagt, sie hat eine Reihe von Mandantinnen,
wo sie jetzt einfach, sie haben keine Chance mehr. die ähnliche Diskriminierung
gerade im Gesundheitswesen erlebt haben.
Also sie war richtig entsetzt. Also wir sind
richtig betröppelt aus diesem Bundesgerichtshofgebäude, sind wir raus.
Und das hat mir den Tag so richtig vermisst.
Denn ich meine, was bedeutet das für diese Frau?
Das ist die Frage, was bedeutet das, das will ich jetzt gerade wissen von dir,
was bedeutet das für diese Frau, was bedeutet das für alle Menschen mit Behinderung,
die Rehabilitation haben, aber auch, was ist denn jetzt noch möglich überhaupt?
Ja, also ich fange an mit dem Möglichen.
Die Verbände, also gerade Blindenverband und verschiedene Juristinnen und Juristen
prüfen jetzt, ob man damit vor das Bundesverfassungsgericht zieht.
Vieles spricht dafür. Ich denke, die müssen jetzt gucken, wie sind die Chancen.
Sowas muss ja überhaupt erstmal angenommen werden.
Aber ich hoffe, diese Geschichte geht weiter, auch wenn es natürlich weiterhin
belastend für die Frau ist und natürlich auch wieder kostet.
Also ich denke, ein Bundesverfassungsgericht, das dort einzureichen,
das scheint mir wahrscheinlich.
Aber Sascha, was bedeutet es? Was ist jetzt hier die Botschaft von diesem Urteil?
Du brichst dir einen Fuß, du kommst ins Krankenhaus und brauchst eine schnelle Reha.
Tja, du telefonierst jetzt mit der Reha-Einrichtung und sagst, du bist blind.
Dann können die relativ schnell sagen, ach Herr Lang, wissen Sie,
da gab es doch gerade das Urteil, also nee, nee, nee, wir sind nicht die richtige
Reha-Einrichtung dafür und du kannst nichts dagegen tun.
Höchstrichterlich wurde entschieden, ja, man darf die Unternehmen hier nicht
belassen. Und was bräuchten wir?
Wir bräuchten jemanden, ich sag mal, die uns vielleicht zeigen,
bisschen, ja, mal das Haus zeigen, wie finden wir uns zurecht.
Vielleicht bräuchten wir auch jemanden, der uns, sagen wir mal,
morgens im Zimmer abholt, zum Frühstück bringt, zu den Reha-Maßnahmen.
Ich meine, da kann man auch auf Mitrehabilitantinnen und Tanten setzen.
Vieles lässt sich regeln. Vielleicht müssen wir auch das Essen an den Tisch gebracht werden.
Aber das muss bei anderen auch, die da rumrumpeln und mit ihren Krücken unterwegs sind.
Ja, wir kommen, wenn wir Glück haben, Sascha, dann kommen wir in die Reha,
aber wir müssen jetzt, und so ging es mir ja früher an der Schule,
ich war neun Jahre auf der Regelschule im Dorf, wir müssen uns klein verhalten,
wir müssen ruhig uns verhalten, wir dürfen keinen Aufwand machen,
denn morgen wird es nicht.
Oder vielleicht heute Nachmittag könnten die sagen, ach wissen Sie,
das funktioniert nicht.
Wir sind da ja nicht dazu verpflichtet. Ja, Sie müssen sich jetzt einen anderen Platz suchen.
Das funktioniert, das klappt nicht. Und das im Gesundheitswesen von Reha-Einrichtungen,
die ja sich auf verschiedene Einschränkungen einstellen müssen, aber die,
wenn sie nicht direkt in ihrem Feld sind, genau die gleichen Schranken haben wie andere,
die ganzen, und dann noch sagen,
um Gottes Willen, dann fällt mir der Herr Lang noch die Treppe runter.
Ja, auf jeden Fall, das hat uns zurückgeworfen in so vielerlei Hinsicht und
ich denke, in Reha-Kreisen wird dieses Urteil natürlich auch die Runde gemacht haben.
Ich bin mal gespannt, wie das weitergeht ich kann nur sagen,
lieber Bundesgerichtshof, also was ihr da angerichtet habt ich möchte es wirklich
nicht wissen und was mich noch so geärgert hat, es war nicht nur so,
dass es in Sachen Hören ganz und gar nicht barrierefrei war,
obwohl da eine Lautsprecheranlage war sondern ich habe dann auf der Presseseite
geguckt und unten stand dann ja weitere Informationen zur Entscheidung,
PDF nicht barrierefrei Bis zum nächsten Mal.
Dann wurde später das Urteil dort veröffentlicht, PDF nicht barrierefrei.
Und jetzt reden wir von einem Bundesgerichtshof, der zur Barrierefreiheit verpflichtet
ist, der es der urteilt und sagt, die Gesellschaft ist dafür verantwortlich.
Also Sascha, du kannst dir jetzt dann jemanden suchen und dafür bezahlen,
dass er dir die nicht barrierefreie PDF entsprechend barrierefrei zugänglich
macht. Aber das Geld kriege ich ja nicht, weil wir ja abspecken müssen.
Wir müssen ja sparen. Genau, genau.
Da hören wir uns die ganze Zeit an, wie wir sparen müssen.
Und jetzt muss jemand, der vielleicht ein klein bisschen Unterstützung bei der
Reha-Maßnahme ist, muss jetzt versuchen, das zu beantragen.
Das muss ja verdammt schnell gehen bei so einer Reha oft.
Kostet, da muss eine Assistenz drei Wochen. Nicht nur dort ein Zimmer belegen,
nicht nur dort das Essen kriegen, sondern auch die Assistenzvergütung bekommen.
Ja, und dann wird uns vorgeworfen, wir belasten den Sozialstaat,
das kostet alles zu viel und wir müssten mal runterkommen von alles wäre Schlaraffenland.
Wenn es solche Regelungen gibt, die uns wieder abhängig machen.
Also Sascha, ich bin da nach Hause gefahren, auch meine Frau,
die war total betröppelt.
Das muss man erst mal wegstecken und ich bin eigentlich hingefahren,
weil ich dachte, jo, das könnte mal ein gutes Urteil werden.
So, jetzt haben wir natürlich wieder ganz viel Negatives, wir haben einen ganz
heftigen Monat gehabt, das haben wir schon bereits angedeutet,
wir sind ja schon wahnsinnig viel über die Zeit, aber die Stunde haben wir schon
festgemacht, hier festgezurrt, lass uns aber,
haben wir noch irgendwas vergessen, was du gerne eintüten würdest,
was ich jetzt nicht auf meinem Schirm hier habe.
Ich glaube, das waren die wichtigsten Sachen im Mai und wenn ich jetzt den Schlenker
mal kriegen würde, ja, was gibt es denn Gutes?
Auch wenn Leute zu mir gesagt haben, du solltest mal schlechte Nachrichten zur Inklusion machen.
Nein, nein, nein, wir brauchen auch, wir brauchen gute Sachen.
Also gut, fand ich im Mai.
Sascha, du hast eine coole Podcast-Folge gemacht.
Also punktgenau zum Europäischen Protesttag mit Unterstützung der Aktion Mensch,
wo du mit den vier behinderten politischen Sprecherinnen der Bundestagsfraktion
geredet hast, drumherum berichtet.
Ach, das müsste man mal für einen Journalistenpreis vorschlagen.
Also das fand ich eine richtig coole Sache.
Gut war im Mai auch, der Joachim Busch ist jetzt im Vorstand des Europäischen Behindertenforums.
Das ist die Europäische Dachorganisation.
Joachim Busch ist ein Mensch mit Lernschwierigkeiten aus Deutschland.
Und dass es mal gut ist, dass jetzt auch eine Person mit Lernschwierigkeiten
in so einer Interessenvertretung verbannt mit im Vorstand ist,
dachte ich schon mal, super. Ja, wir haben der European Song Contest von Stadt.
Ich sage jetzt mal nicht negativ, wie Deutschland abgeschnitten hat, aber die Leute in Wien,
unter anderem auch vom Wiener Zentrum für Selbstbestimmtes Leben,
der österreichische Rundfunk, die haben richtig viel gemacht,
dass das auch weitgehend barrierefrei war.
Also da gab es richtig tolle Sachen und wie gesagt, das andere hatten wir schon angesprochen,
dass wir solche, ich sage mal, engagierten Proteste hatten, dass Leute zusammengearbeitet
haben, dass es die Petitionen gab und dass der Jürgen Linnemann im Prinzip klagt für einen Mindestlohn.
Das wird nicht einfach für ihn, weil er ist ja in der Werkstatt.
Die werden ihn dafür nicht mögen, aber das sind für mich alles so gute Nachrichten
Und wir sollten auch nicht aufhören, diese guten Nachrichten zu sehen,
weil das brauchen wir als Futter, um uns gegen anderes zu wehren.
Sehr gut. Was steht im Juni an? Im Juni steht an, 11.
Juni kommt das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz in den Bundestag. Es könnte der 22.
Juni sein, wo die Anhörung zum Behindertengleichstellungsgesetz stattfindet,
und eventuell in der gleichen Woche, dass das Behindertengleichstellungsgesetz noch beschlossen wird.
Da hoffe ich natürlich, dass da noch gute Änderungsanträge kommen.
Es stehen noch weitere Sachen im Bundestag an. Auch die Frage wird sein,
wie wird mit den ganzen Kürzungsdebatten weiter vorgegangen.
Ich habe eine schöne Veranstaltung mit Corinna Rüffer.
Da geht es um, wie weiter mit dem Bundesteilhabegesetz. Da lese ich ein bisschen aus dem Roman.
Der Juni wird für einige sicherlich auch schon die Sommerferien bringen.
Ja, ich glaube es wird noch mal so ein richtig voller, ruppiger Monat,
ja und ich hoffe, dass es ein Monat wird,
ja, wo nicht alles so schlimm kommt, wie man manchmal denkt und wo wir vor allem
noch eine Reihe von Verbesserungen erreichen können, weil das wird schon entscheidend
sein wie sich der Juni entwickelt,
ja, wie es auch mit der Behindertenpolitik in Deutschland weitergeht Vielen Dank.
Gut, bei mir wird es etwas ruhiger. Ich habe am 5.
Juni einen Auftritt als der Inklusator auf der Bühne. Ich habe zehn Minuten
für ein bisschen Comedy und Blödlerei zu machen in Luxemburg bei der Gala Inklusion.
Das Programm heißt Pieksig, Stachelig mit ein ganz bisschen Humor.
Ja, ich werde mal schauen, wie ich dann da die nicht nur Luxemburger Behindertenpolitik,
aber auch die deutsche Behindertenpolitik in Luxemburg auf die Schippe nehme,
um den Luxemburger zu warnen, nicht so zu werden wie die Deutschen.
Das ist immer gut, wenn man so ein bisschen vorwarnen kann.
Dann freue ich mich ganz besonders auf diverse Episoden, die wir im Juni aufzeichnen
werden. In diesem Monat natürlich noch ein ganz kleiner Feedback auf die Side
City 2026. eine großartige Veranstaltung in Frankfurt mit ganz vielen interessanten Themen.
Wir haben in der Episode 329, die kurz vorher erschienen ist,
mit ein paar Gästen gesprochen, ein paar Partnern gesprochen auf der SideCity und werden am 3.
Juni mit Christian Stahlberg, er ist der Produzent von Sideviews Podcast,
über seine Eindrücke, die Highlights und natürlich auch seinen Podcast sprechen.
Er wird jetzt von Anfang Juni bis Ende Juli jeden Tag eine Folge veröffentlichen
mit Interviews, mit Produkten, mit spannenden Themen.
Am 18. Juni freue ich mich ganz besonders auch auf die Moderation der Gala für
die Führhundhalter in Luxemburg.
25 Jahre gibt es die Vereinigung in Luxemburg, die ganz viel bewegt hat,
die den Führhund in Luxemburg, vor allem den Blindenführhund nach vorne gebracht
hat. Und ich wurde gefragt, ob
ich diese Veranstaltung moderieren darf in Präsenz von unserem Minister.
Und selbstverständlich freue ich mich dann darauf, das natürlich zu tun.
Das sind immer ganz nette Highlights.
Und ganz besonders freue ich mich aber auch darauf, ich werde beim Nationalfeiertag
dabei sein. Da gibt es in Luxemburg immer eine spezielle Bühne für Menschen mit Behinderung.
Und da muss man sich zwar vorher anmelden, aber dann darf man auf diese Bühne drauf.
Einmalseits fürs Feuerwerk am 22. Juni abends. Am 23.
Ist dann der Nationalfeiertag. Und da spielt One Republic mit einem Künstler
im Vorprogramm, den ich mal vor in meiner Zeit, als ich noch Musikmanager war,
ich glaube, wir müssen jetzt acht oder neun Jahre her gewesen sein,
habe ich diesen Künstler mal mitentdeckt und mit begleitet.
Und der spielt im Vorprogramm von Run Republic.
Auch da haben wir eine spezielle Bühne für Menschen mit Behinderung.
Das wird von der Stadt Luxemburg immer organisiert. Finde ich sehr toll.
Und ich werde mit meiner Tochter am 20. und 21.
Juni auf das Hurricane Festival gehen mit Lara.
Wir werden da ein paar Bands gucken und wir sind unheimlich Provinz-Fans.
Und wir freuen uns darauf, einfach mal zusammen Tochter und Papa auf ein Festival zu gehen.
Und ein Highlight, wovor ich mich ganz drüber, ganz natürlich besonders drüber, Lara wird am 26.
Juni ihren Schulaustritt zertifiziert bekommen aus der Gemeinschaftsschule.
Sie ist jetzt in der 10. Klasse, hat jetzt MSA hinter sich.
So wie es ausschaut, hat sie das alles geschafft. Trotzdem, dass ihr vor fünf
Jahren der Förderstatus Lernen aufgebrummt wurde, hat sie zuerst mal den ESA
geschafft, damit den Förderstatus weggebeamt,
hat dann eine LRS-Anerkennung bekommen und hat jetzt trotz Förderstatus und
trotz einer Aussage von der Förderlehrerin oder Förderzentrumsleiterin.
Herr Lang, akzeptieren Sie, dass Ihr Kind geistig behindert ist,
hat sie mir gesagt ins Gesicht.
Trotz all diesen Aussagen, all diesen querelen Hindernissen,
die sie in den Weg gelegt hat, konnte sie vor zwei Jahren in eine andere Schule
wechseln zur Seminarwegschule.
Lieben Gruß von hier aus an Thilo.
Thilo Philipp, der uns da sehr viel geholfen hat, den Schulleiter und Lara konnte
jetzt ihren Abschluss machen und wird dann eine kaufmännische Assistenzausbildung
machen mit Fachbereich Fremdsprachen.
Sie hatten eins in Englisch, wird jetzt noch Spanisch lernen. Willst du Adess werden?
Also das ist für mich der Highlight des Junis. Hat nichts mit dem Podcast zu
tun, hat was mit Persönlich zu tun und ich freue mich enorm auf diesen Moment, weil ich das,
ich gönne ihr das so von Herzen und das ist wirklich ein Fingerzeig und ein
Arschtritt für alle die, die meinen, dass Menschen mit Behinderung oder mit Förderstatus lernen.
Nichts erreichen können. Also sie hat nur mal bewiesen, dass es anders geht.
Sascha, wenn das keine gute Nachricht ist, und da kann ich anschließen,
das sind wirklich die Geschichten, die wir dann auch erreichen,
die uns Mut machen können, die gegensteuern gegen diese Stigmatisierung,
gegen die Aussonderung.
Und es gibt in Rheinland-Pfalz war ebenfalls damals eine Jugendliche,
die wurde da zwangsweise auf die Förderschule geschickt.
Viele haben sich dafür eingesetzt. Sie hat jetzt auch ihren Schulabschluss,
wird eine Ausbildung machen können.
Das sind die Geschichten, ich sage mal, die immer wieder auch diesen Widerstand
gegen unsere Abwertung, gegen Aussonderung ins Leben wieder zurückbringen.
Also herzlichen Glückwunsch an die Lara und vor allem auch an den Papa,
die Mama und alle, die dafür gekämpft haben, weil das hätte ganz anders laufen können.
In diesem Sinne, liebe Zuhörer, liebe Ottmar, vielen Dank für unsere Zeit.
Wir sind über eine Stunde, aber es hat sich gelohnt. Macht's gut und wir hören uns wieder am 1.
Juli 2026 zur nächsten Episode. Und sollte natürlich in der politischen Landschaft
oder in dieser Weltgeschichte zum behindertenpolitischen Themen oder zu sonstigen
behindertenspezifischen Themen eine Aktualität aufploppen oder die Welt sich
schneller drehen, als wir gucken können,
dann sind wir natürlich ganz brandaktuell mit dem IGL-Podcast wieder dabei.
Macht's gut. Bis dann. Vielen, vielen Dank.
Tschüss. Links zu den geschriebenen Nachrichten gibt es unter www.kobinet-nachrichten.org.
Da gibt es ganz viele Informationen und natürlich in unseren Shownotes.
Danke fürs Zuhören. Mein Name ist Herr Schlang. Bis dann, euer Inklusator. Ciao, ciao.
IGL. Inklusion. Ganz einfach leben. Wird dir präsentiert von Inklusator.
Infos zum Inklusator und weitere Folgen findest du unter www.igelmedia.com.
Du möchtest uns kontaktieren? Dann schreibe uns eine Mail an moin.igelmedia.com.