MITREDEN - Soziale Selbstverwaltung ist auch Teilhabe
Ein Gespräch mit Anke Fritz vom Verwaltungsrat der KKH
08.07.2026 26 min
Zusammenfassung & Show Notes
Inklusion bedeutet nicht nur Barrierefreiheit im Alltag – sie bedeutet auch Mitbestimmung dort, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden. Doch wer weiß eigentlich, dass Versicherte selbst Einfluss auf die Arbeit ihrer Krankenkassen nehmen können? Genau dieser spannenden Frage geht Sascha Lang in dieser Episode des IGEL-Podcasts nach. Gemeinsam mit seiner Gästin Anke Fritz öffnet er die Tür zu einem Bereich, der für viele ein unbekanntes Kapitel ist: der sozialen Selbstverwaltung.
Anke Fritz verbindet ihre langjährige Erfahrung im Gesundheitswesen mit einem außergewöhnlichen ehrenamtlichen Engagement. Als stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrats der KKH gibt sie einen authentischen Einblick in die Aufgaben, Chancen und Herausforderungen dieses wichtigen Ehrenamts. Sie erklärt verständlich, wie Entscheidungen über Leistungen, Haushalte und Widersprüche entstehen und warum die Stimme der Versicherten dabei unverzichtbar ist.
Doch das Gespräch geht weit über Verwaltungsstrukturen hinaus. Es geht um Teilhabe, Verantwortung und die Frage, warum gerade Menschen mit Behinderungen ihre Erfahrungen stärker in solche Gremien einbringen sollten. Gemeinsam sprechen Sascha Lang und Anke Fritz über gelebte Inklusion im Gesundheitswesen, über das erfolgreiche Projekt der Gesundheitslotsen mit Special Olympics Niedersachsen und darüber, wie Gesundheitskompetenz und Selbstbestimmung Hand in Hand gehen.
Diese Episode fordert auf, sich einzumischen, Verantwortung zu übernehmen und die sozialen Sicherungssysteme aktiv mitzugestalten. Sie zeigt eindrucksvoll, dass Demokratie nicht nur in Parlamenten stattfindet, sondern auch dort, wo Menschen ehrenamtlich Entscheidungen für Millionen Versicherte mitprägen. Eine Folge voller neuer Perspektiven, überraschender Einblicke und inspirierender Impulse – für alle, die Inklusion nicht nur fordern, sondern mit Leben füllen wollen.
Und hier einige wichtige Links:
Links zum IGEL Podcast
Podcast „IGEL – Inklusion Ganz Einfach Leben“
Webseite: www.inklusator.com
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Transkript
Igel, Inklusion, ganz einfach leben.
Der Podcast für gelebte Inklusion.
Mit eurem Inklusator, Sascha Lang.
Igel Inklusion, ganz einfach leben, der Podcast für geliebte Inklusion.
Soziale Selbstverwaltung ist heute ein spannendes Thema. Wir kannten das noch
nicht so. Also ich kannte das vor allem nicht so.
Aber es besteht die Möglichkeit, als Mensch mit und ohne Behinderung in einem
Verwaltungsrat von Krankenkassen selber mitzuverwalten.
Selbstverwaltung im sozialen Bereich. Wir sind ganz gespannt.
Und in dieser Episode freue ich mich auf meine Gästin Anke Fritz.
Sie ist Leiterin einer Reha-Klinik für psychisch erkrankte Personen und ist
Mitglied als Stellvertretende Vorsitzende eines Verwaltungsrats einer Krankenkasse der KKH.
Auch für euch ist das ein Zeichen. Man kann sich als Mensch mit und ohne Behinderung
auch ehrenamtlich engagieren in der sozialen Selbstverwaltung.
Ich wünsche nun viel Spaß bei diesem Podcast. Gute Unterhaltung.
IGEL Inklusion, ganz einfach leben, der Podcast für gelebte Inklusion.
Und wir sind heute bei einem sehr spannenden Thema, was für mich auch ein bisschen Neuland ist.
Und deshalb freue ich mich, dieses Thema mit euch, liebe Zuhörer,
zu besprechen. Aber für ein Thema, wo man sich nicht auskennt,
holt man sich gerne Menschen ans Mikrofon, die sich damit auskennen.
Und dazu sage ich mal herzlich willkommen.
Anke Fritz. Vielen Dank.
Ich freue mich heute für Sie, Rede und Antwort stehen zu können.
Soziale Selbstverwaltung ist unter anderem unser Thema.
Fangen Sie mal bei Ihnen an. Stellen Sie sich mal kurz unseren Torern vor, bitte.
Ja, das mache ich sehr gerne. Mein Name ist Anke Fritz. Ich bin 54 Jahre alt,
und arbeite schon mein ganzes Leben lang in dem Gesundheitswesen.
Und bin gelernte Krankenschwester und bin jetzt kaufmännische Leiterin einer
RERA-Klinik für psychische Erkrankungen.
Und dabei ist natürlich das Thema Inklusion auch ein ganz wichtiges Thema.
Was ich ehrenamtlich durchführe oder mich beteilige, das ist das Thema soziale Selbstverwaltung.
Und zwar bin ich im Verwaltungsrat tätig der kaufmännischen Krankenkasse in Hannover.
Das mache ich schon seit 2011 und versuche mich da so gut wie möglich einzubringen,
um Verantwortung zu tragen.
Auf Sozialpolitik. Was bedeutet denn soziale Selbstverwaltung?
Ja, also jede öffentlich-rechtliche Einrichtung hat ein Aufsichtsorgan und das
ist der Verwaltungsrat. Und der Verwaltungsrat setzt sich zusammen aus ehrenamtlichen Mitgliedern.
Das sind Versichertenvertreter, das sind Arbeitgebervertreter von der Unternehmervereinigung
und das sind auch Mitglieder aus den Gewerkschaften.
Und diese Gruppe von Teilnehmern setzt den Verwaltungsrat zusammen und bestimmt die.
Über oder ist beauftragt, zum Beispiel die Krankenkasse, wie bei mir eben die
KKH, zu beaufsichtigen.
Das betrifft den Haushalt, den wir kontrollieren. Das ist den Vorstand,
den wir einsetzen und wählen. Und
das sind bestimmte Bonusprogramme und Leistungen, die wir mitbestimmen.
Es gibt verschiedene Ausschüsse, an denen man sich beteiligen kann oder sollte.
Das ist der Haushaltsausschuss, das sind aber auch die Widerspruchsausschüsse.
Viele Widersprüche von den Versicherungen gehen halt dann auch über den Tisch
der sozialen Selbstverwaltung.
Sie haben das Thema Inklusion angesprochen. Wo begegnen Sie denn mehr Inklusion
in Ihrer Rolle als Chef in der Reha-Klinik oder in der Selbstverwaltung?
Wo trifft Inklusion immer wieder auf Sie?
Also tatsächlich eher in meinem,
Beruf und wir behandeln ja Patienten mit psychischen Erkrankungen und da spielt
natürlich Inklusion genauso eine Rolle wie bei Menschen, die halt andere Behinderungen haben.
Und das begegnet mir natürlich bei den Patientinnen und Patienten,
die wir hier behandeln, aber natürlich auch bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Wir versuchen auch einen Teil Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beschäftigen,
die eine Behinderung haben.
In der Selbstverwaltung spielt es tatsächlich noch eine untergeordnete Rolle.
Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Menschen mit Behinderungen auch sich
aktiv beteiligen in der sozialen Selbstverwaltung.
Und wie kann man sich da beteiligen?
Indem sie sich wählen lassen und zwar in der Sozialwahl, die halt regelmäßig stattfindet,
kann man sich aufstellen lassen für eben dann halt entweder die Rentenversicherung
oder eben halt eine Krankenkasse, möglichst natürlich die eigene Krankenkasse,
in der man auch versichert ist und dann,
kann man sich da wählen lassen.
Jetzt gibt es von der KKH Unterstützer ein Projekt, das nennt sich Gesundheitslotsen.
Für wen oder wem hilft dieses konkret? Also die KKH hat gemeinsam mit Special
Olympics Niedersachsen das gemeinsame Programm Gesundheitslotsen,
gesund essen, bewegen und leben erfolgreich,
gestartet und mittlerweile auch schon wieder abgeschlossen.
Das ist jetzt schon die fünfte Runde, die da durchgeführt wurde und zwar Menschen
mit kognitiven Beeinträchtigungen absolvieren eine Fortbildungsreihe,
zu den Themen halt Gesund, Essen, Bewegen und Leben und können dann in ihrer
neuen Funktion, denn diese Fortbildungsreihe endet mit einem Zertifikat,
können dann in ihrer neuen Funktion ihre Mitbewohner und Mitbewohnerinnen unterstützen,
zu den genannten Themen Ernährung, Bewegung, Entschuldigung.
Spannung und Stressbewältigung.
Und dabei geht es jetzt nicht nur um Wissensvermittlung, sondern es geht auch
um das Thema, dass die Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen,
dadurch natürlich auch ihr Selbstwertgefühl und ihr Selbstvertrauen stärken
können, indem sie dieses Zertifikat
erfolgreich absolvieren und dann auch andere in ihren Wohnbereichen.
Unterstützen können.
Das fördert halt die Gemeinschaft und das fördert natürlich aber auch das Selbstbewusstsein
und Selbstvertrauen jedes Einzelnen, der diese Fortbildungsreihe abgeschlossen hat.
Welche Rolle spielt dabei, die soziale Selbstverwaltung und solche Angebote
anzustoßen oder aber auch zu unterstützen?
Wir müssen ja tatsächlich auch solche Projekte finanzieren.
Das heißt, die Krankenkasse finanziert ja dieses Projekt mit und fast alles,
was tatsächlich finanziert wird, also wo das Thema Geld, versicherten Gelder
dahinter steht, muss der Verwaltungsrat einen Beschluss fassen.
Also wir müssen mitbestimmen, welche Gelder tatsächlich wofür verwendet werden.
Und genauso auch für dieses Thema Gesundheitslosen, Gesundessen,
Bewegen und Leben, haben wir im Verwaltungsrat unsere Zustimmung sehr gern gegeben,
dass Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen diese Ausbildung machen können.
Frau Fritz, vorstehen wir beim Thema Inklusion im Gesundheitswesen aktuell.
Was läuft gut, was läuft noch nicht so gut?
Das ist tatsächlich eine große Frage. Ja genau, das ist wirklich eine große
Frage, weil es geht ja bei Inklusion nicht nur um Barrierefreiheit, dass eben,
die Einrichtungen des Gesundheitswesens barrierefrei zu erreichen sind.
Es geht ja noch um viel mehr. Es geht um Informationen, es geht um Teilhabe.
Wie komme ich zu den Informationen? Wo kann ich welchen Antrag stellen?
Das Gesundheitswesen ist meiner Meinung nach immer noch so kompliziert für,
ich sage jetzt mal, Laien tatsächlich, die Gott sei Dank vielleicht auch noch
nicht so oft mit Krankheiten konfrontiert waren.
Aber wenn es um das Thema Antragstellung geht, wo stelle ich welchen Antrag,
wofür, das finde ich schon sehr, sehr kompliziert. Das könnte viel einfacher werden.
Es geht aber ja auch um das Thema, wie kann ich langfristig auch meinen Lebensunterhalt
selbst verdienen oder eben unterstützend verdienen.
Also es geht auch darum, dass Betriebe und Einrichtungen bereit sind,
Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, aber eben auch mit anderen Beeinträchtigungen,
eine Anstellung zu geben und dass sie mitarbeiten können in einem Team.
Ich denke, da sind wir auch alle gefragt, dass wir schauen, wie können wir auch,
Menschen mit Beeinträchtigungen helfen.
Einer geregelten Arbeit nachzugehen, weil das ist ja sinnstiftend und das ist
wichtig für Gesundheit, das ist wichtig für Zufriedenheit und eben auch für
die mentale Gesundheit.
Darin gehend, denke ich, haben wir noch sehr viel zu tun, was Teilhabe betrifft.
Und wie gesagt, da geht es jetzt auch nicht nur darum, dass ich halt einen Beipackzettel
in einer Tablettenschachtel zukünftig mir gut übersetzen lassen kann oder eben
anzeigen lassen kann, wenn ich sehbehindert bin,
sondern es geht auch darum, wie kann ich grundsätzlich jetzt mit Social Media,
mit den neuen Programmen, die,
möglich sind und die ich nutzen kann, wie kann ich die eben auch nutzen in der neuen digitalen Welt?
Wie kann ich da auch ein Teil davon sein?
Also das ist so vielschichtig, dass ich denke, wir könnten noch sehr lange darüber
sprechen, was alles noch getan werden muss, um Teilhabe wirklich leben zu können.
Wir sind da in Deutschland, glaube ich, noch ganz am Anfang.
Da kann noch viel mehr passieren.
Was können Krankenkassen und ihre Sozialverwaltung konkret tun,
um Barrieren abzubauen und alle bestmöglich zu unterstützen?
Und wir reden da definitiv ja nicht nur von den Barrieren, also Türschwellen
und Aufzüge, sondern die Barrieren sind ja je nach Behinderung sehr vielfältig.
Was können da Krankenkassen und ihre Sozialverwaltung machen?
Sozialselbstverwaltung?
Wichtig ist, dass wir die Leistungen für alle sichtbar machen und dass alle
die Leistungen in Anspruch nehmen können, die man benötigt, um gesund leben zu können.
Und dazu müssen die Webseiten barrierefrei gestaltet werden.
Das heißt, ich muss sehen, hören können oder mir erzählen lassen können,
was steht auf einer Webseite.
Natürlich jetzt durch die Digitalisierung wird das alles ein bisschen einfacher,
aber ich muss auch in der Lage sein, ganz niedrigschwellig einen Antrag stellen
zu können für Dinge, die ich in Anspruch nehmen muss.
Ich denke, das ist ganz wichtig, das können Krankenkassen und Gesundheitseinrichtungen
relativ zeitnah umsetzen, alle daran beteiligen zu können, alle Leistungen in
Anspruch nehmen zu können.
Natürlich geht es auch um leichte Sprache dabei. Ich muss versuchen,
die Dinge so leicht zu formulieren, dass alle sie verstehen können und für sich auch bewerten können.
Ich denke auch, dass es wichtig sein muss, dass man solche Gremien wie die soziale
Selbstverwaltung, also die Verwaltungsräte, auch öffnet für Menschen mit Beeinträchtigungen.
Das ist auch ein Schritt, den ich mir zum Beispiel sehr auf die Fahne geschrieben
habe, dass wir solche Dinge in Zukunft umsetzen.
Wir haben es ja schon bereits erwähnt, Sie leiten eine Reha-Klinik.
Wie erleben Sie in Ihrer Reha-Klinik das Thema und wo stoßen Menschen mit Beeinträchtigungen
in Ihrem Blick noch an Grenzen?
Wie unterstützen Sie diese Menschen, um Grenzen zu überwinden und wie bauen
Sie gegebenenfalls auch Barrieren ab bei sich?
Es gibt noch zu wenige Behandlungsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen.
Es ist natürlich so, wenn ich eine Beeinträchtigung habe, habe ich auch eine
höhere Wahrscheinlichkeit, an einer psychischen Erkrankung zu erkranken.
Also, dass ich eine Depression entwickle oder dass ich eine Anpassungsstörung entwickle.
Und für diese Menschen gibt es noch zu wenig Behandlungsplätze,
gerade halt in Rehakliniken.
Die Reha-Kliniken sind zum Teil noch nicht vollumfänglich barrierefrei.
Sie sind noch nicht vollumfänglich für auch Menschen mit Sehbehinderungen oder
für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen geeignet. Im Moment geht es auch.
In Deutschland bei dem Thema Rehabilitation, ich sage jetzt mal,
der Fokus liegt noch sehr bei Rehabilitation vor Rente.
Also die Begutachtung im Sinne von, wie kann jemand mit einer Beeinträchtigung,
trotzdem noch erwerbsfähig sein.
Das ist vom Grundgedanke her natürlich richtig, aber die Altersgrenze verschiebt
sich zu sehr in die Richtung, dass das Menschen eben,
betrifft, die jetzt auch kurz schon vor dem Renteneintrittsalter sind und die
Motivation wieder in eine Erwerbsfähigkeit zu gehen sehr gering sind.
Also wir müssten halt Reha-Kliniken oder Therapieplätze in Reha-Kliniken noch
mehr auch für Menschen öffnen, die aktuell noch...
Fähig sind auch einen Job auszuführen.
Ich denke, das ist ganz wichtig, dass wir darüber nachdenken und was ich merke
bei uns in der Klinik, unsere Patientinnen und Patienten haben sehr große Probleme
bei der Antragstellung von weiterführenden Hilfen.
Also ob es gerade der Behinderung ist, ob es die Grundsicherung ist, ob es Wohngeld ist.
Oder wenn es auch um Leistungen geht der Pflegeversicherung,
das sind alles noch Wege, die zu schwierig sind für Menschen mit Beeinträchtigungen.
Da können wir natürlich gut helfen in einer Reha-Klinik. Unser Sozialdienst,
kann den Menschen Unterstützung geben, Assistenz geben.
Aber das ist tatsächlich...
Für alle Beteiligten noch zu schwierig. Da kann man noch sehr viel tun,
um dort Barrieren abzubauen und diese Antragsstellungen zu vereinfachen.
Ja, das ist auch das, was wir halt bei uns in der Klinik machen,
gerade bei psychischen Beeinträchtigungen,
dass wir den Patienten Assistenz geben, dass wir versuchen auch mit Selbsthilfegruppen
oder weiterführenden Leistungen, mit Nachsorgeangeboten,
dann auch den Transfer in den Alltag zu erleichtern.
Und ich denke, das ist umso wichtiger, wenn man noch weiterführende Beeinträchtigungen hat.
Im Mai wurde bei Bundesgerichtshof ein Urteil gesprochen, was viele Menschen
mit Behinderung etwas erschrocken hat, gerade in der Blindenszene für sehr viel Aufruhr gesorgt hat.
Wie haben Sie dieses Urteil wahrgenommen?
Da ging es ja darum, dass eine Patientin, die eine Knieoperation hinter sich
hat, einen Antrag für eine Reha gestellt hat, in der Reha-Klinik angekommen
ist, dort abgewiesen wurde, aufgrund ihrer Blindheit, weil keiner sich um sie
kümmern konnte und sie auch da,
ja, eventuell gegebenenfalls eine Gefahr für die anderen Menschen gewesen wäre,
wenn sie gegen jemanden rennt, der selber eine Operation hinter sich hat und,
das Gerichtsurteil sagt aus, dass der Staat sich darum kümmern muss,
da die nötige Unterstützung zu liefern.
Wie haben Sie das Urteil empfunden? Stimmen Sie dem teilweise zu?
Wie war das für Sie, dieses Urteil? Und was macht das vor allem in Ihrem Alltag?
Sie haben gerade gesagt, dass Sie versuchen, Assistenz bei sich anzubieten,
aber was macht das in Ihrem Alltag als Reha-Klinik?
Ja, das ist das Thema, was ich eben schon benannt habe, dass ja die Reha-Kliniken
zum Teil noch nicht vollumfänglich ausgestattet sind, zum Teil halt noch nicht barrierefrei genug,
zum Teil aber eben auch für Menschen gerade eben mit Sehbehinderungen nicht geeignet sind,
weil die Beschilderung nicht,
für Sehbehinderte geeignet ist, dass die Geräte für eben auch eine somatische
Rehabilitation, wie eben jetzt gerade halt,
bei der Zustand nach Knieoperation, dass die noch nicht geeignet sind,
dass auch die personelle Ausstattung in den Reha-Kliniken nicht ausreicht,
um eben diesen Menschen mehr Assistenz anzubieten.
Wenn wir da tatsächlich die Möglichkeit hätten, auch noch zwei,
drei Physiotherapeuten, Physiotherapeutinnen Sporttherapeutinnen oder Sporttherapeuten,
Sporttherapeutinnen mehr einzustellen, könnte man tatsächlich auch noch mehr Assistenz anbieten.
Da ist noch viel Luft nach oben und ich sehe das Gerichtsurteil sehr positiv,
weil ich denke, es muss auch im Rahmen der Kostenträger, was natürlich jetzt
auch die Krankenkassen und auch die Rentenversicherungen sind,
noch mehr getan werden im Sinne von Qualitätssicherung, auch im Sinne von Teilhabe.
Wie können auch diese Menschen die Leistungen, die ihnen zustehen,
nämlich eine Anschlussheilbehandlung, auch in Anspruch nehmen?
Und da kann ich nur sagen, wie gesagt, Luft nach oben, da müssen wir noch mehr
tun. Alle miteinander, auch in der Selbstverwaltung.
Da kommen wir gleich nochmal da drauf. Wenn Sie an die Zukunft denken,
Frau Fritz, wie sieht für Sie ein wirklich inklusives Gesundheitssystem aus?
Gibt es das? Ist das überhaupt machbar? Sehen Sie da Zukunftsperspektiven?
Machen Sie mal ein bisschen Hoffnung.
Ja, da mache ich Hoffnung, natürlich. Weil auch wir von der Selbstverwaltung
werden uns auch dafür einsetzen, dass Menschen mit Beeinträchtigungen alle Leistungen,
die allen Menschen zustehen, auch in Anspruch nehmen können.
Und natürlich gibt es ja Qualitätssicherungssysteme auch für die Reha-Kliniken,
auch wenn das jetzt noch nicht vollumfänglich alles umgesetzt wird,
die eben auch sagen, Inklusion ist wichtig, Teilhabe ist wichtig,
sie müssen barrierefrei ausgestattet sein, sie müssen auch Menschen mit Sehbehinderung.
Und eben auch mit kognitiven Beeinträchtigungen eine Rehabilitation ermöglichen.
Und da sind auch die Reha-Kliniken gefragt und tatsächlich gibt es auch neue
Projekte und man muss auch seine Belegung langfristig sichern in einer Rehabilitationsklinik,
sodass auch diese Projekte jetzt,
in den Reha-Kliniken so langsam zu Papier gebracht werden.
Und die Konzepterstellung, die läuft und ich denke auch, es wird in Zukunft
noch mehr Reha-Kliniken geben, die auch diesen Menschen ihre Leistungen anbieten können.
Ja, genauso eben auch wie die geriatrische Rehabilitation. Das ist auch ein
großes Thema, spielt auch eine große Rolle. Aber heute soll es ja eher erst
mal um Teilhabe für Menschen mit Beeinträchtigungen gehen.
Und ich denke, das wird die Zukunft auch sein, dass möglichst viele Rehakliniken
vielen Menschen die nötige Hilfe anbieten können.
Und wie kann da die soziale Selbstverwaltung ihren Input geben oder ihren Einfluss
nehmen, dass das verbessert wird? Was kann sie da bewirken?
Gerade über die Widerspruchsausschüsse sehen wir ja auch, dass Rehabilitationsleistungen abgelehnt werden.
Da können wir natürlich unser Veto einlegen.
Das ist so ein Baustein, da sind wir ja ganz nah dran.
Und natürlich können wir ja dann auch schauen, wie viele Leistungen werden denn
auch bewilligt im Sinne von der medizinischen Rehabilitation.
Warum werden Leistungen abgelehnt? Wir bekommen ja auch von dem Vorstand einer
Krankenkasse regelmäßig Berichte zu den Themen. Was wird bewilligt? Was wird abgelehnt?
Und da können wir uns auch stark machen für das Thema Teilhabe,
auch gerade halt bei der medizinischen Rehabilitation.
Und natürlich, ja, vielleicht noch ergänzend auch im Rahmen der Sozialwahl,
gibt es ja jetzt eine große Social-Media-Kampagne und wir versuchen auch diese
Themen jetzt auch in der Kampagne immer mit einzubringen, immer mit zu sagen,
wofür wir stehen, wofür wir uns einsetzen und da wird dieses Thema auch ein großes Thema sein.
Das ist ein guter Übergang zu meiner allerletzten Frage. Sie haben schon von
Beginn an gesagt, dass auch Inklusion in der Sozial-Selbstverwaltung noch nicht
die ganz große Rolle spielt, aber spielen soll und wird.
Und dafür brauchen wir natürlich die Menschen, die selber betroffen sind,
die sich engagieren sollen.
Machen Sie noch mal ein bisschen Werbung für die soziale Selbstverwaltung.
Wie kann ich mich als Mensch mit Inklusionshintergrund, also mit Behinderung engagieren?
Was darf ich, was kann ich tun und warum ist es wichtig?
Ich kann nur sagen, gehen Sie zu Ihrer eigenen Krankenkasse,
da wo Sie im Moment versichert sind, informieren Sie sich über den Verwaltungsrat und,
bekunden Sie Ihr Interesse, dass Sie teilnehmen wollen und dass Sie auch Ihre
Themen mit in den Verwaltungsrat, Ihre Krankenkasse einbringen möchten.
Die Sozialwahl findet das nächste Mal 2028 statt, sodass jetzt der richtige
Zeitpunkt ist, sich auch auf die Liste setzen zu lassen und.
Sich vielleicht auch mit dem einen oder anderen Selbstverwalter schon mal zu
unterhalten, in Kontakt zu treten, sich Informationen zu holen.
Wie ist das in der eigenen Krankenkasse? Wie sind dort die Gegebenheiten?
Wie viele Versichertengemeinschaften gibt es da?
Wo kann ich mich einbringen? Wo kann ich mich melden?
Wichtig ist, dass man weiß, man muss natürlich ein bisschen Zeit mitbringen,
weil es ist ein Ehrenamt und man hat ungefähr drei bis vier Verwaltungsratssitzungen im Jahr.
Ja, das ist natürlich eine sehr wichtige Veranstaltung, weil man viele Themen
auch über die Krankenkasse erfährt,
wie zum Beispiel eben den Haushalt oder die Satzungsleistungen oder eben halt
die Bonusprogramme und kann dann eben mitentscheiden und,
Beschlüsse fassen zu den Themen, was wollen wir umsetzen, was wollen wir nicht umsetzen.
Aber es geht auch um die Zukunft der Krankenkasse.
Wie stellt sich die Krankenkasse in den nächsten Jahren auf?
Da geht es darum, wie viel Barrierefreiheit, wie viel Teilhabe können wir uns
leisten, können wir mit in die Krankenkasse einbringen?
Und ich kann mich natürlich auch noch weitergehend engagieren in Ausschüssen
wie dem Widerspruchsausschuss, dem Satzungs- und Haushaltsausschuss.
Ich kann mich auch noch auf weitere Listen setzen lassen für weitere Verbände,
den GKV Spitzenverband oder eben auch den Verband der Ersatzkassen und kann
mich dort auch in den Gremien weiter einbringen.
Also da ist tatsächlich halt viel möglich und ich kann nur dafür werben,
sich einzusetzen. Demokratie bedeutet auch, sich in der sozialen Selbstverwaltung zu engagieren.
Das ist ein perfektes Schlusswort. Nichts über uns ohne uns.
Das ist wichtig. Deshalb Engagement ist wichtig als Teilhabe und in der Inklusion.
Wenn wir Inklusion bewegen wollen, müssen wir uns engagieren.
Frau Fritz, vielen Dank für Ihr Engagement und für Ihre Zeit für dieses Interview.
Und weiterführende Links gibt es in den Shownotes. Dankeschön.
Vielen Dank. Ein gutes Gelingen noch. Kleiner Hinweis der Redaktion noch,
die Sozialwahlen, die Nächsten sind nicht, wie Frau Fritz gesagt hat,
2028, aber erst 2029. Nichtsdestotrotz ist es jetzt schon wichtig, sich zu engagieren.
Wer mitreden will, muss sich also engagieren. Herzlichen Dank für diesen wundervollen
Beitrag, dieses wundervolle Interview und Selbstengagement ist definitiv etwas
Wichtiges. Und wenn unsere Themen irgendwo besprochen werden müssen, müssen wir dabei sein.
Sein. Weitere Informationen, wo ihr euch beteiligen könnt, gibt es in den Show
Notes. Herzlichen Dank fürs Zuhören. Euer Inklusator Sascha Lang.
IGL. Inklusion. Ganz einfach leben. Wird dir präsentiert von Inklusator.
Infos zum Inklusator und weitere Folgen findest du unter www.igelmedia.com.
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