Ich will raus - Lesung und Autoren Gespräch
Sabine Lohner ließt aus Ottmar Miles-Paul's neustem Roman und Jennifer Sonntag unterhält sich mit dme Autor
23.04.2026 81 min Sascha Lang, Ottmar Miles-Paul, Jennifer Sonntag & Sabine Lohner
Zusammenfassung & Show Notes
Ich will raus - Lesung und Autoren Gespräch
Sabine Lohner ließt aus Ottmar Miles-Paul's neustem Roman und Jennifer Sonntag unterhält sich mit dme Autor
Zum Welttag des Buches gibt es im IGEL-Podcast eine ganz besondere Episode. Sascha Lang nimmt euch mit in die Welt von „Ich will raus – von der Exklusion zur Inklusion“, dem zweiten Roman von Ottmar Miles-Paul.
Diese Ausgabe ist bewusst an diesem Tag erschienen – denn Bücher können Türen öffnen, Perspektiven verändern und Diskussionen anstoßen.
Im Mittelpunkt steht eine eindrucksvolle Online-Lesung, die im Februar stattfand.
Ottmar Miles-Paul liest gemeinsam mit Sabine Lohner aus seinem Roman.
Die Lesung führt mitten hinein in eine Geschichte über Mut, Widerstand und den Wunsch nach Selbstbestimmung.
Wir erleben die Figur Helen Weber und die Frage, wie Inklusion wirklich gelebt werden kann.
Gleichzeitig zeigt der Roman auch Konflikte, Widerstände und gesellschaftliche Spannungen auf.
Besonders eindrücklich: Die Idee der „Ich will raus“-Patinnen, die Menschen konkret unterstützen.
Ein Ansatz, der zum Nachdenken anregt – auch über unsere heutige Realität.
Nach der Lesung folgt ein spannendes Autorengespräch.
Ottmar Miles-Paul spricht mit Jennifer Sonntag über das Schreiben, die Hintergründe und die Botschaften des Buches.
Dabei geht es auch um persönliche Erfahrungen, politische Entwicklungen und die Kraft von Geschichten.
Warum ein Roman? Warum nicht nur Fakten? Genau das wird hier greifbar.
Es wird deutlich: Geschichten erreichen Menschen oft tiefer als reine Argumente.
Und sie können Bewegung auslösen.
Die Episode verbindet Literatur, Inklusion und gesellschaftliche Fragen auf besondere Weise.
Sie lädt ein zum Zuhören, Nachdenken und Weiterdiskutieren.
Ein Podcast, der zeigt, wie wichtig Stimmen und Geschichten sind.
Und wie viel Kraft darin steckt, wenn Menschen sagen: Ich will raus.
Viel Inspiration mit dieser besonderen IGEL-Folge am Welttag des Buches.
Diese Ausgabe ist bewusst an diesem Tag erschienen – denn Bücher können Türen öffnen, Perspektiven verändern und Diskussionen anstoßen.
Im Mittelpunkt steht eine eindrucksvolle Online-Lesung, die im Februar stattfand.
Ottmar Miles-Paul liest gemeinsam mit Sabine Lohner aus seinem Roman.
Die Lesung führt mitten hinein in eine Geschichte über Mut, Widerstand und den Wunsch nach Selbstbestimmung.
Wir erleben die Figur Helen Weber und die Frage, wie Inklusion wirklich gelebt werden kann.
Gleichzeitig zeigt der Roman auch Konflikte, Widerstände und gesellschaftliche Spannungen auf.
Besonders eindrücklich: Die Idee der „Ich will raus“-Patinnen, die Menschen konkret unterstützen.
Ein Ansatz, der zum Nachdenken anregt – auch über unsere heutige Realität.
Nach der Lesung folgt ein spannendes Autorengespräch.
Ottmar Miles-Paul spricht mit Jennifer Sonntag über das Schreiben, die Hintergründe und die Botschaften des Buches.
Dabei geht es auch um persönliche Erfahrungen, politische Entwicklungen und die Kraft von Geschichten.
Warum ein Roman? Warum nicht nur Fakten? Genau das wird hier greifbar.
Es wird deutlich: Geschichten erreichen Menschen oft tiefer als reine Argumente.
Und sie können Bewegung auslösen.
Die Episode verbindet Literatur, Inklusion und gesellschaftliche Fragen auf besondere Weise.
Sie lädt ein zum Zuhören, Nachdenken und Weiterdiskutieren.
Ein Podcast, der zeigt, wie wichtig Stimmen und Geschichten sind.
Und wie viel Kraft darin steckt, wenn Menschen sagen: Ich will raus.
Viel Inspiration mit dieser besonderen IGEL-Folge am Welttag des Buches.
Infos zum Bezug des Romans „Ich will raus: von der Exklusion zur Inklusion“ von Ottmar Miles-Paul: Dieses gibt es für 18 Euro plus Versandkosten als gedruckte Ausgabe und für 7,99 Euro als E-Book, aber auch kostenfrei zum Download.
Link zu weiteren Infos und zur Bestellmöglichkeiten des Romans unter https://www.epubli.com/?s=Miles-Paul
Link zum kostenfreien Download des Romans "Ich will raus: Von der Exklusion zur Inklusion" auf der Plattform des österreichischen Online-Nachrichtendienst BIZEPS <https://www.bizeps.or.at/wp-content/uploads/2026/01/Ichwillraus.pdf>
Weitere Infos zum Inhalt, zu Rezensionen, Interviews und Lesungen zum Roman gibt’s unter:
Links zum IGEL Podcast
Podcast „IGEL – Inklusion Ganz Einfach Leben“
Webseite: www.inklusator.com
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Facebook: https://www.facebook.com/igelpodcast
Feedback: office@inklusator.com
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Transkript
Mit eurem Inklusator, Sascha Lang.
Igel Inklusion, ganz einfach leben. Der Podcast für gelebte Inklusion, Episode 315.
Herzlich willkommen am Welttag des Buches am 23. April 2026.
Und deshalb ist die Veröffentlichung dieser Ausgabe nicht per Zufall gewählt, sondern ganz bewusst.
Was haben wir heute mit euch vor? Ich nenne mal den Titel, ich will raus von
der Exklusion zur Inklusion.
Ja, das ist nicht eine politische Debatte im Bundestag, wäre vielleicht auch eine.
Nein, das ist der zweite Roman vom Autor Ottmar Miles-Paul.
Ihr kennt Ottmar Miles-Paul, ihr seid treue Zuhörer des Eagle-Podcasts.
Ihr kennt ihn noch nicht?
Dann hört ihr ganz viele Folgen hier beim Eagle-Podcast, wo Ottmar Miles-Paul
immer wieder zu Gast ist.
Er ist nämlich Redakteur und Nachrichtenschreiber und Aktivist bei den Kobinett-Nachrichten.
Und er ist mittlerweile auch schon Autor mit seinem zweiten Roman.
Der erste Roman hieß Zündel an den Strukturen.
Dort fackelten sie eine Werkstatt ab, um sie neu aufzubauen,
um sie sozusagen zu reformieren.
Im Roman funktionieren die Reformen einfacher und schneller als in der Politik.
Das haben wir festgestellt.
Und jetzt gibt es die zweite Edition, also die zweite Auflage des Romans,
besser gesagt die Fortsetzung des Romans.
Ich will raus von der Exklusion zur Inklusion.
Was haben wir heute mit euch vor? Ja, ganz einfach. Wir hören in eine Online-Lesung
rein, die Ottmar Malz-Paul mit Sabine Lohner im Februar gehalten hat.
Und anschließend, und das finde ich auch sehr cool, gibt es ein Autorengespräch
zwischen der Autorin Jennifer Sonntag und Ottmar Malz-Paul.
Also zwei gute Gründe, um diesen Podcast zu hören am internationalen Tag des
Buches. Ich wünsche gute Unterhaltung.
Mich hört ihr jetzt nochmal wieder zum Schluss. Dazwischen nicht.
Viel Spaß. Und das wünscht euer Inklusator Sascha Lang.
Ich freue mich sehr, Ottmar Malzhaul heute begrüßen zu dürfen und Sabine Lohner.
Beide schon zum zweiten Mal bei uns zu Gast machen eine Lesung heute mit Ottmars
zweiten Buch, Ich will raus.
Genau, Ottmar, wir freuen uns sehr, dass du heute mit Unterstützung da bist.
Und genau, wer ist dabei? Das bin einmal ich, Anne Derstoff.
Ich bin die Moderation heute, das heißt, ich erzähle euch kurz nochmal,
wer wir so sind und werde nachher durch den Fragen teilleiten.
Ich bin die Projektleitung von einem Projekt, das nennt sich Job Inklusive und
wir setzen uns dafür ein, dass der Arbeitsmarkt inklusiv wird.
Genau, ich würde noch kurz was dazu sagen, wer wir eigentlich sind.
Denn Job inklusive ist ein Projekt der Sozialhelden.
Die Sozialhelden kennen vielleicht einige von euch schon.
Wir haben ganz unterschiedliche Projekte zum Thema Inklusion und Arbeit.
Der Gründer ist Raoul Krauthausen, Aktivist für Inklusion.
Und unser Ziel ist es, dass es einen Arbeitsmarkt für alle gibt.
Und das machen wir, indem wir mit Kursen wie zum Beispiel oder Veranstaltungen
wie der Heute Wissen und Selbstbewusstsein stärken,
indem wir Treffen anbieten, wo Menschen mit Behinderungen zusammenkommen,
wo man Ideen zusammenbringen kann.
Und wir machen ganz viele Informationen, die zum Beispiel Orientierung geben,
die Barrieren abbauen sollen und stellen das auf unsere Homepage oder auf Social
Media, da kennt ihr uns vielleicht auch schon her.
Genau, und wir werden vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert, dem Ausgleichsfonds.
Genau, habe ich hier nochmal Ottmas Buch mitgebracht.
Ottmar, hast du Lust zu übernehmen und auch ein bisschen das Cover einmal zu erklären?
Vielleicht, und dann mache ich das Bild aus, damit wir dich komplett sehen können.
Vielen Dank, liebe Anne, für die Einführung.
Vielen Dank, liebe Sophia, für die technische Unterstützung.
Schön, dass ihr heute Abend hier an der Lesung teilnehmt, hoffentlich auch an der Diskussion.
Und bevor ich auf die Sabine Lohner zu sprechen komme, die mich heute Abend
mittels ihres Vorlesens unterstützt, noch ganz kurz was zum Buchcover, wer das nicht sieht.
Also das Buch ist geschrieben von Ottmar Malz-Paul und Helen Weber.
Zu der Helen Weber sage ich nachher noch was.
Der Titel ist Ich will raus von der Exklusion zur Inklusion.
Und es ist ein Reportageroman und das Bild zeigt so eine Art Spirale,
wo es sozusagen nach hinten aus heller ist, so mit Gelb und verschiedenen Farben, soll symbolisieren,
ja, dieses nochmal unterstützen, ich will raus.
Vielleicht soweit zum Cover, dann können wir das sozusagen ausblenden.
Ja, also vielen Dank, dass wir wieder mal zu Gast sein dürfen beim Projekt Job
inklusive der Sozialhelden.
Ich habe mal nachgeguckt, im November 2024 hatten wir schon mal eine Lesung zum ersten Buch.
Da sage ich gleich nochmal was dazu.
Aber bevor ich das tue, also ich freue mich, dass ihr alle hier seid und bin
schon mal sehr gespannt.
Denn jede Lesung ist anders, jede Diskussion ist anders. Aber eine Sache ist
oft so und wir haben schon viele Lesungen zusammen gemacht. Ich frage mal nach Frankfurt.
Sabine, bist du da?
Hallo, hallo an alle, die zuhören. Ich freue mich, dass ihr und sie alle heute Abend mit dabei seid.
Leider bei mir ohne Video, aber ich hoffe, es ist trotzdem okay,
dass sie und ihr mir gut zuhören könnt.
Ja, vielleicht noch zwei, drei Sätze. Warum hilft mir die Sabine beim Lesen?
Als ich den ersten Roman veröffentlicht hatte, kamen Fragen für Lesungen.
Dann dachte ich, oh weia, ein Sehbehinderter, der ganz nah ran muss ans Buch
und dann auch noch schlecht vorlesen kann, das wird nichts.
Dann habe ich mich mal umgeschaut, dann habe ich in der Sabine Lohner jemanden
gefunden, die noch weniger sieht wie ich, aber die die Breitschrift richtig gut kann.
Sabine, wie liest du den Text ab? Ich habe ein Brei-Notizgerät.
Die Breizeile hat 32 Zeichen. Das ist so ein kleiner Computer und mit dem lese ich heute vor.
Ja, super. Und dadurch, dass deine Kamera heute Abend, dass das nicht funktioniert,
das ist auch gar nicht so schlimm, denn wir hatten vor gut zwei Wochen,
hatten wir nämlich das erste Mal zusammen eine Lesung im Dunkeln.
Du hast das ja schon öfters gemacht und von daher, wenn man dich jetzt sozusagen
nicht im Bild sieht, ist das vielleicht auch so ein bisschen was von diesem Touch.
Da liest jemand im Dunkeln, man konzentriert sich vielleicht nochmal mehr.
Ja, schauen wir einfach mal. Also Sabine, du bist bereit, ich auch,
vielleicht noch zwei, drei Takte, bevor wir in den Text zum Buch einsteigen,
wie es zum Buch kam, warum ich es geschrieben habe, worum es ganz grob geht.
Ich hatte 2023 den ersten Roman veröffentlicht.
Roman deshalb, weil ich dachte, vielleicht erreicht man Menschen mal anders
als immer nur diese Fakten, Forderungen, Positionspapiere. Das ist immer so trocken.
Und ich habe einfach darüber geschrieben, wie geht es manchen Menschen,
die in Waldstätten für behinderte Menschen sind, dort kaum miserablen Lohn kriegen,
kaum Chancen haben, auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu kommen.
Ja, und dann habe ich das Buch geschrieben. Wir hatten, glaube ich,
fast 25 Lesungen und viele Diskussionen.
Und da kam immer wieder mal die Frage, ja, wie geht es denn weiter?
Und das habe ich immer wieder gehört und habe irgendwann mal gedacht,
naja, man sollte schon nochmal schreiben, wie es weitergeht.
Und dann habe ich mir überlegt, wenn ich schon schreibe darüber,
wie es weitergeht, dann kann ich auch einen größeren Zeitsprung machen.
Also in dem Roman Ich will raus, von der Exklusion zur Inklusion,
habe ich jetzt einen Zeitsprung ins Jahr 2034 gemacht.
Und das Buch hat entsprechende Aufhänger, das werden wir gleich hören,
da passiert dann auch was.
Aber hat natürlich auch das Ziel, nochmal zu erzählen, welche Wege sind behinderte Menschen gegangen?
Wie hat sich die Gesellschaft entwickelt bis 2034? Und vielleicht so viel,
ich habe 2034 den Start des Buches für den 26.
Januar 2034 auch deshalb gewählt. Weil das ist dann der Tag,
wo die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland 25 Jahre langweilig.
Gilt, gesetzt ist, in Kraft ist, wie das heißt.
Und aus der Perspektive würde ich sagen, Sabine, hören wir einfach mal rein.
Da ist nämlich die Helen Weber.
Die ist eine ganz zentrale Akteurin im Buch und die ist nämlich auf dem Weg
ins Studio der 2034 sehr bekannten Sendung Menschenrechte konkret.
Helen Weber war furchtbar aufgeregt. Ihre Hände waren vor Nervosität so feucht,
dass sie immer wieder von den Schwungrädern ihres Rollstuhls abrutschten und sie kaum vorankamen.
Ihr Herz schlug mit jedem Meter, den sie auf dem Weg vom Hotel ins nahegelegene
Fernsehstudio vorankam, immer lauter, heftiger als bei ihrem ersten Date.
Ihren pochenden Puls konnte sie mittlerweile im Hals spüren.
Und das komische Gefühl, das sie schon seit einigen Tagen begleitete, war präsenter denn je.
Heute war für die 43-jährige Aktivistin der Enthinderungsgruppe ein ganz besonderer,
aber auch ein richtig herausfordernder Tag.
Sie war ins Studio zur Aufzeichnung von der Sendung Menschenrechte konkret nach Berlin eingeladen.
Im Interview der Live-Ausstrahlung sollte sie über ihr Engagement für Inklusion berichten.
Vor allem sollte sie etwas über die jahrelangen Bemühungen der Enthinderungsgruppe
und der vielen weiteren Inklusionsaktivistinnen für ein Leben und Arbeiten außerhalb
von Wohneinrichtungen und Werkstätten für behinderte Menschen erzählen.
Also von einem weitgehend selbstbestimmten Leben behinderter Menschen mitten in der Gesellschaft.
Warum gerade sie? Helen hatte es nicht nur geschafft, aus einem Wohnheim für
behinderte Menschen, wie es früher hieß, in eine eigene Wohnung auszuziehen.
Sie hatte vor über zehn Jahren auch die Werkstatt für behinderte Menschen zugunsten
eines Arbeitsplatzes auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt hinter sich gelassen.
Und Helen Weber war noch heute so froh über diese Veränderungen in ihrem Leben.
Außerdem hatte die Enthinderungsgruppe, in der sie sich seit nunmehr fast 18
Jahren engagierte, viel in Sachen Barrierefreiheit und echte Inklusion angestoßen und erreicht.
Ihre Stadt galt vielen mittlerweile als Vorbild, sodass immer wieder Gruppen
behinderter Menschen zu Besuch
kamen und wissen wollten, wie sie diese Veränderungen geschafft hatten.
Und um echte und gelebte Inklusion war es Helen Weber und ihren MitstreiterInnen immer gegangen.
Ja, die Helen Weber ist also auf dem Weg im Studio. Die ist ziemlich nervös.
Aber nervös ist auch jemand anderes.
Der sitzt ganz in der Nähe und das ist jemand, der hat nichts Gutes im Sinn.
Und dann springen wir mal zu Christoph Zickler und das Kapitel unter Beobachtung.
Nervös war an diesem Tag nicht nur Helen Weber, sondern noch jemand anderes.
Jemand, der sich ganz in ihrer Nähe befand.
Jemand, der ihre Ankunft im Studio sehr aufmerksam und mit zunehmendem Kribbeln im Bauch verfolgte.
Die Person führte nichts Gutes im Schilde und hatte ihre Vorbereitungen für
ihre Pläne schon so gut wie abgeschlossen.
Es waren zerstörerische Pläne.
Wie er so dasaß und Helen Webers Ankunft förmlich herbeisehnte,
stieg der Ärger, der ihn bereits seit vielen Jahren immer wieder heimsuchte,
wieder mit voller Wucht in ihm hoch.
Ein Ärger, der ihn mit der Zeit zu Gedanken und nun auch zu Aktionen antrieb,
die er sich früher nicht einmal im Traum ausgemalt hätte.
Anfangs hatte er über diese Inklusions-Heinis nur geschimpft,
gefolgt von der Bestätigung und Bekräftigung seiner Gedanken durch die sozialen
Medien und sein damaliges Umfeld.
Für Helen nicht wahrnehmbar saß Christoph Zickler, diesen Gedanken nachgehend,
in einem dem Studio nahegelegenen Café.
Bei seinen Recherchen hatte er einen Platz im Café ausgewählt,
der ihm eine gute Sicht auf die Straße und den Eingang des Studios ermöglichte.
Es war ein Platz, der für Helen Weber nicht sichtbar war, wobei diese ohnehin
so sehr mit sich beschäftigt war, dass sie wahrscheinlich nicht einmal wahrgenommen
hätte, wenn ein rosa Elefant im Café säße.
Für Christoph Zickler galt es trotzdem, keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Das war ihm bisher gut gelungen.
Denn er wollte ein Zeichen setzen, ein klares Zeichen mit einem Wumms.
Sein Zeichen sollte nicht übersehen werden.
Klar, dadurch könnten Menschen zu Schaden kommen, aber nach seiner Ansicht brauchte
es ein solches Zeichen dringender denn je,
wenn nicht alles den Bach runtergehen sollte, alles,
was er und so viele andere über Jahrzehnte hinweg aufgebaut hatten,
So viel Zuwendung und Herzblut waren in den Aufbau einer beschützenden Behindertenhilfe hineingeflossen.
Und was hatten diese sogenannten Inklusionsaktivisten getan?
Sie hatten ihre Bemühungen geschmäht und beschmutzt.
Und genau so geschmäht und beschmutzt fühlte er sich selbst seit vielen Jahren.
Ja, ihr merkt es, dieser Christoph Zickler, der hat andere Ideen wie die Helen Weber.
Der hat, und sein Vater hat auch, ganz viel investiert, um Behinderteneinrichtungen
aufzubauen. Und jetzt kommen diese Inklusions-Heinis daher und machen das alles runter.
Ihr kennt das vielleicht auch manchmal so in Diskussionen.
Ja, wenn man dann irgendwie beschuldigt wird, man macht alles nur schlecht.
Ja, und dieser Christoph Zickler, der hat nichts Gutes im Sinn.
Setzen wir unseren Ausflug mal durch den Roman weiter und machen einen kleinen Sprung.
Denn die Helen Weber ist jetzt im Studio angekommen, die ist durch die Maske durch.
Ach, die ist immer noch jetzt natürlich noch viel mehr aufgeregt.
Und jetzt ist sie im Interview der Sendung Menschenrechte konkret.
Und da hören wir mal rein.
Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, das klingt für viele
wahrscheinlich erst einmal sehr theoretisch oder abgehoben.
Warum ist diese Menschenrechtskonvention für sie und andere behinderte Menschen so wichtig?
Helen erinnerte sich daran, dass sie sich vorgenommen hatte,
möglichst praktisch und verständlich zu reden und sich nicht zu juristischen
Ausführungen verführen zu lassen.
Diese waren nicht ihre Stärke.
Claudia Liese, die langjährige Juristin der Enthinderungsgruppe,
hatte sie in einem Rollenspiel vor der Sendung darin bestärkt.
Rede über deine Erfahrungen und nicht über Paragrafen, die können die Leute selbst nachlesen.
Die UN-Behindertenrechtskonvention ist sehr wichtig, begann Helen ihre Antwort.
Es ist eine Menschenrechtskonvention. Es geht also um Regeln,
die das Recht behinderter Menschen auf ein gleichberechtigtes Leben mit entsprechender
Barrierefreiheit und Unterstützung sicherstellen.
Konkret bedeutet das für mich zum Beispiel, dass alles für mich barrierefrei nutzbar sein muss.
Die Bahn, Busse und Straßenbahnen, Hotels, Gaststätten und auch dieses Studio.
Es bedeutet, dass ich wie alle anderen auch in einer eigenen und barrierefreien Wohnung leben kann.
Und ich bekomme dort die Unterstützung, die ich brauche.
Ich muss nicht mehr in einem Heim am Stadtrand leben.
Es bedeutet, dass behinderte Menschen nicht in abgesonderten Werkstätten weit
unter dem Mindestlohn arbeiten müssen.
Ich, wir alle, sollen Chancen und eine gute Unterstützung für eine ganz normale Arbeit bekommen.
Und wenn ich ins Kino, ins Theater, zu einem Vereinstreffen oder einer Sportveranstaltung
gehe, dass ich und Menschen mit ganz verschiedenen Behinderungen gleichberechtigt
daran teilnehmen können.
Helen merkte, dass sie ihre Sätze zu schnell heruntergerattert hatte.
Sie musste kurz Luft holen.
Trotzdem schaffte sie es, am Zug zu bleiben und fuhr fort.
Das bedeutet auch, dass das Internet, die Apps und unsere sozialen Medien auch
für sehbeeinträchtigte Menschen komplett zugänglich sind.
Genauso wie wir Höranlagen, GebärdensprachdolmetscherInnen und Informationen
in leichter Sprache brauchen.
Das war früher alles überhaupt nicht selbstverständlich und ist heute leider
immer noch nicht überall selbstverständlich.
Deshalb ist die Behindertenrechtskonvention heute so wichtig und richtig wie eh und je.
Plötzlich wurden die Ausführungen des Moderators jäh unterbrochen.
Im Studio brach die Hölle los.
Die ZuschauerInnen zu Hause oder von wo aus sie auch immer die Sendung verfolgten,
hörten nur einen lauten Knall.
Einen Knall, der die meisten mächtig aufschreckte.
An der aufbrechenden Rückwand des Studios war kurz eine Explosion zu sehen.
Genau dort saß Helen Weber.
Der Rest war Staub. Und dann Finsternis auf den Bildschirmen und mobilen Endgeräten,
über die viele die Sendung verfolgten.
Helen erinnerte sich später nur an den ohrenbetäubenden Knall,
Schmerz, panisches Ringen um Luft und im stauberfüllten Studio.
Ein lautes Durcheinander war eine weitere Erinnerung, die sich später wieder bei ihr einstellte.
Im Unterbewusstsein nahm sie noch wahr, dass sie jemanden, ich will raus, schreien hörte.
Ja, an der Stelle sage ich immer gern, liebe Leute, das ist ein Roman.
Das ist wie wenn bei den Rosenheim-Cops jemand umgebracht wird.
Also das ist nicht echt. Auch wenn im Roman manche Geschichten vielleicht bekannt
vorkommen, aber da kommen wir noch dazu.
Also das ist sozusagen fiktiv, wie das schwere Wort ist.
Also das ist nicht wirklich passiert und wir sind ja im Jahr 2034.
Aber vielleicht zum Hier und Jetzt.
Erstmal, Sabine, ein Zwischenlob. Wir machen ja erst die zweite Lesung zu diesem
Buch und du bist schon so gut im Text drin.
Also von meiner Seite aus eine große La-Ola-Welle.
Ja, jetzt ist es also passiert. Das war der Anschlag.
Den der Bösewicht, der Christoph Zickler, verübt hat.
Und diesen Anschlag haben ganz viele zu Hause an den Bildschirmen,
an den Handys oder wo auch immer sie die Sendung verfolgt haben, mitbekommen.
Und das hat ein riesiges Medienecho natürlich ausgelöst.
Und Helen Weber, niemand ist also gestorben.
Es gab leicht Verletzte im Studio, ganz relativ leicht. Aber die Helen Weber ist ins Koma gefallen.
Und jetzt bangen ihre Freunde natürlich darum, was wird aus ihr? Wacht sie nochmal auf?
Stirbt sie vielleicht sogar?
Die sitzen ganz viel an ihrem Bett im Krankenhaus, die liegt in der Berliner
Charité und das ist so ein bangen Moment für ihre Freunde und das hält über drei Wochen an.
Und in diesen drei Wochen ganz viel Medienberichterstattung,
weil das war ein richtig großer Aufreger,
dass da ein Anschlag auf so eine Menschenrechtssendung verübt wurde.
Und es wurde auch viel über Helen Weber berichtet und was die Enthinderungsgruppe
wollte, auf die wir gleich noch kommen.
Aber vielleicht, bevor wir da hingehen, gehen wir mal in den Moment,
der heißt nämlich zurück in dieser Welt, wenn die Helen Weber aus dem Koma erwacht am 21.
April 2034.
Was sich nach dem Attentat genau ereignet hatte,
wie ihre Freundinnen und Verbündeten um sie bangten, wie die Öffentlichkeit
mit ihr mitfühlte und mitfieberte, all das hatte Helen Weber verpasst.
Sie versuchte später, sich die verlorene Zeit, während der sie im Koma lag,
durch wiederholtes Nachfragen und dem fast besessen anmutenden Nachlesen zahlreicher
Medienberichte und anderer Informationsquellen anzueignen.
Aber ganz gelang ihr dies nie. Wie ein großes Loch fühlte sich diese Zeit im
Gehirn von Helen an. Als sie ihre Augen nach fast vier Wochen im Koma am Nachmittag des 21.
April 2034 wieder öffnete, war es neben dem blendenden Sonnenlicht in ihrem
Zimmer eine unendliche Leere, die sie zuerst fühlte.
Der Filmriss, den sie erlitten hatte, überwältigte sie förmlich und machte einer
unglaublichen Müdigkeit Platz.
Ein Satz halte jedoch in ihr nach. Ich will raus.
Ja, da ist dieser Satz wieder. Ich will raus. Diesen Schrei hatte sie schon im Studio gehört.
Und dieser Slogan, ich will raus, der hat auch die Enthinderungsgruppe zurückblickend
aus dem Jahr 2034 immer wieder beschäftigt.
Denn, das erleben wir heute auch, es gibt viele Menschen, wir reden ja immer
vom Wunsch- und Wahlrecht, die sagen, ich will raus aus der Werkstatt,
ich will ausziehen aus dem Heim, ich will selbstbestimmt erleben.
Aber diese Rufe werden oft nicht gehört.
Es wird oft nicht unterstützt. Es gibt keine unabhängigen Leute,
die einem vielleicht auch mal aus dem Heim oder aus der Werkstatt raushelfen.
Das hat die Enthinderungsgruppe beschäftigt und das beschäftigt natürlich auch die Helen Weber.
Sie wacht also auf, sie kommt langsam wieder zu Kräften, sie gibt dann im Krankenhaus
auch noch eine Pressekonferenz, weil die Medien wollen natürlich wissen,
wie geht sie und irgendwann kommen sie nicht mal drum rum.
Die Helen Weber kommt wieder zurück aus dem Krankenhaus, ist zwar noch ein bisschen
angeschlagen, aber die nutzt eh einen Rollstuhl.
Also sie war das schon gewohnt, aber sie braucht jetzt doch ein bisschen mehr Assistenz.
Und die Helen Weber ist natürlich wieder zurück bei der Enthinderungsgruppe.
Die Enthinderungsgruppe, das kann man sich vorstellen wie so eine Gruppe von
aktiven, behinderten Menschen. Also die sagen, ja, wir werden behindert,
also brauchen wir eine Enthinderungsgruppe.
Und die haben immer ihre Treffen und die Helen Weber ist also wie zurück.
Und hören wir mal rein in eins der Treffen der Enthinderungsgruppe,
weil da blickt die nochmal zurück. Vielleicht noch zwei Sätze.
Helen Weber konnte ja im Studio nicht ihre ganzen Geschichten erzählen, das Interview geben.
Und jetzt ist natürlich so die Frage, ja, was ist jetzt da damit? Hören wir mal rein.
Die Enthinderungsgruppe blickt zurück.
Wollen wir weitermachen? Bernd Friedrich legte großen Wert auf Ordnung,
auch bei ihren Sitzungen.
Ordnung war ihm als Hausmeistergehilfe der örtlichen Grundschule inzwischen
in Fleisch und Blut übergegangen.
Auch er war früher in der Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigt gewesen.
Nun liebte er seinen Job an der Grundschule, an der es immer viel zu räumen
und vorbereiten gab, über alles.
Er war zwar nicht selbst der Hausmeister, sondern nur der Hausmeistergehilfe,
doch alle nannten ihn Hausmeister und er ließ sich das auch gerne gefallen.
Danke Bernd. Katja war für seinen Ordnungsruf dankbar und führte in das nächste
Thema ein. Wir haben in den letzten Jahren so viel gemacht und so viel erreicht.
Jetzt leben viel mehr behinderte Menschen selbstbestimmt und inklusiver.
Wir sind schon sowas wie eine Befreiungsbewegung. Das stimmt. Ihr habt mir geholfen.
Ich habe mein Leben umgekrempelt, unterbrach eine junge Frau Katjas Worte.
Und zwar zum Guten, legte sie nach.
Maja Tass war seit zwei Jahren in der Enthinderungsgruppe aktiv.
In dieser Zeit hatte sie es geschafft, aus einem Wohnheim für behinderte Menschen
in eine eigene Wohnung mit entsprechender Assistenz zu ziehen.
Beflügelt von Majas mutmachendem Beispiel fuhr Katja Ford.
Aber genau diese Geschichte unserer Gruppe und die vielen Geschichten einzelner
Menschen sind kaum bekannt oder aufgeschrieben.
Wir müssen unsere Geschichten und alle damit verbundenen Geschichten unbedingt dokumentieren.
Die gehören einfach in die Öffentlichkeit.
Helen hatte schon zu Beginn der Diskussion ihre Hand gehoben.
Endlich erteilte Katja ihr das Wort.
Ich habe im Krankenhaus viel nachgedacht. Bei Menschenrechte konkret sollte
ich ja über unsere Arbeit berichten, über unsere Erfolge und Herausforderungen.
Ich habe das nur gemacht, weil unsere Geschichten so stark sind und stark machen.
Halt Empowerment. Wir haben so viel gemacht.
Wir haben schon so viele behinderte Menschen unterstützt. Ich wusste erst gar
nicht, wo ich anfangen sollte.
Ich hätte mich in den vielen Geschichten bestimmt verloren.
Aber dann, peng, der Knall, der Bombenanschlag. Ich konnte sie gar nicht mehr erzählen.
Helen musste kurz pausieren. Ihre Erinnerungen an den Anschlag kamen wieder hoch.
Als sie sich gefangen hatte, war sie bereit, weiter zu sprechen.
Schaut mal die vielen Presseberichte in den letzten Wochen.
Klar, da ging es um mich, zum Glück aber auch um unsere Sache.
Unsere Arbeit ist so wichtig und halt auch unsere Geschichte.
Wir sind nun mal eine Befreiungsbewegung. So viele behinderte Menschen sind
noch in den Strukturen und Einrichtungen gefangen.
Jeder, dem wir Mut machen können, ist ein riesiger Gewinn für uns alle.
Jeder kann was bewegen, was verändern.
Helen kam zum Abschluss ihrer Gedanken. Dabei betonte sie einige Worte besonders,
um deren Wichtigkeit hervorzuheben.
Ich finde auch, wir müssen unsere Geschichten aufschreiben. Es sind unsere Geschichten.
Wie? Keine Ahnung.
Ja, das ist so ein Thema, da beschäftigen sich gerade in der Behindertenbewegung
einige damit. Was ist mit unserer Geschichte?
Wie können wir unsere Geschichten auch veröffentlichen?
Die Geschichte des Engagements, aber auch die Geschichte von Menschen,
die den Weg zur Selbstbestimmung geschafft haben.
Das macht im Roman sozusagen jetzt neben der Frage, ob der Attentäter erwischt
wird, wie es der Helen Weber geht, das macht so eine neue Ebene auf und sie
finden dann auch jemand,
der ihnen hilft, ein Buch zu schreiben.
Am Ende kommt der Roman dabei raus.
Das bin dann ich. Ich werde in die Geschichte also hineingezogen, hineingewoben.
Ich bin dann schon 2034 schon fast 70.
Also das ist so ein Schlenker im Buch.
Diese Diskussion der Enthinderungsgruppe war so der Aufschlag,
wo dann auch nochmal geguckt wurde, was ist denn in den 20er Jahren passiert?
Welche positiven Entwicklungen gab es? Und wir kommen auch nachher noch darauf,
welche schlechten Entwicklungen es gab.
Aber an der Stelle machen wir vielleicht doch nochmal einen Schlenker zu diesem
Christoph Zickler. Das ist also der Attentäter.
Anfangs, der hatte dann erstmal an der Ostsee Urlaub gemacht, dass er weg ist.
Sozusagen, dass er nicht mit dem Anschlag in Verbindung gebracht wurde.
Der war anfangs natürlich total begeistert.
Ganz viel in den sozialen Medien, in denen er sich bewegt hat, in seiner Bubble.
Das geschieht denen mal recht und gut, dass mal jemand was getan hat.
Aber das flachte ziemlich schnell ab und kam dann zurück in seine Stadt.
Er arbeitet dort in einer Wohneinrichtung und stellt so mit der Zeit fest,
naja, er hat eigentlich zum Teil auch das Gegenteil erreicht.
Denn eben die Enthinderungsgruppe, Helen Weber, ihre Mitstreiterinnen,
die haben viel Aufmerksamkeit in den Medien bekommen.
Und das andere, das ist so langsam abgeflacht. Und jetzt ist natürlich immer
noch die Frage, wird er erwischt oder nicht? Und jetzt hören wir mal rein.
Jetzt kommt es nämlich zu einer zufälligen Begegnung zwischen der Helen Weber
und dem Christoph Zickler. Es gibt keine Zufälle.
Diese Weisheit hatte Christoph Zickler zwar viele Male gehört und schon selbst
in verschiedenen Situationen zitiert,
dass er selbst einmal in einen solch seltsamen Zufall geraten würde,
auf den zudem der Spruch, man begegnet sich immer zweimal im Leben,
passte, hätte er nie gedacht.
Die flüchtige Begegnung in seiner Wohneinrichtung mit der Polizistin,
die er vor kurzem mit Helen Weber beim Verlassen des Cafés Charlie gesehen hatte,
war für ihn schon ein gewisser Zufall gewesen.
Jetzt auch noch das. Ausgerechnet er musste bei einem Konzert in der Stadthalle
neben Helen Weber sitzen.
Das forderte ihn gewaltig heraus.
Als er die Karten für das Benefizkonzert gekauft hatte, waren nur noch wenige
Plätze verfügbar und so hatte er sich zusammen mit einem Kollegen für die Plätze
ganz rechts in der zweiten Reihe entschieden.
Der Kollege überließ ihm den Außenplatz, er nahm ihn gerne. So konnte er seine
langen Beine besser ausstrecken.
Da war ihm noch nicht bewusst, dass sich neben den Außenplätzen der ersten und
zweiten Reihe die Rollstuhlplätze befanden.
Und ausgerechnet auf einem dieser Plätze saß nun, man glaubt es kaum,
Helen Weber in ihrem Rollstuhl.
Direkt neben ihm.
Sie war erst kurz vor Beginn des Konzerts mit einer Freundin in den Saal gerollt.
Ihre Freundin, auch Rollstuhlfahrerin, saß auf dem Rollstuhlplatz in der ersten Reihe direkt vor Helen.
An Flucht war für Christoph Zickler nicht mehr zu denken.
Das hätte eine schwer erklärbare Aufmerksamkeit erregt, zumindest bei seinem Kollegen.
Guten Abend, begrüßte Helen Weber ihren Sitznachbarn in ihrer unbefangenen Art.
Für sie war er ein Unbekannter, den sie noch nie gesehen hatte.
Für ihn war Helen Weber jemand, die mittlerweile seine Träume beherrschte,
und das in einem sehr anstrengenden Sinne.
Ihm blieb nichts anderes übrig, als Helen Weber möglichst freundlich zurückzugrüßen.
Er schaffte es, sich danach sehr schnell seinem Kollegen zuzuwenden,
um jeder weiteren Kommunikation mit Helen Weber aus dem Wege zu gehen.
Seine Flucht nach links nützte ihm aus seiner Sicht unglücklicherweise nur kurze
Zeit etwas. Helen Weber sprach ihn erneut an und fragte nach,
ob er ihr kurz den Programmzettel ausleihen könne.
Die Zettel hatten auf den Sitzen aller ZuschauerInnen gelegen,
aber kein Sitz, kein Zettel.
Und so standen den RollstuhlnutzerInnen keine Programme zur Verfügung.
Die vergessen uns Rollis immer, kommentierte Helen ihre Bitte.
Gerne. Christoph Zickler bemühte sich erneut um Freundlichkeit und händigte
ihr das Programm aus, nicht ohne für sich zu bemerken, dass es sich bei Helen
Weber dem Grunde nach um eine freundliche und nette Person zu handeln schien.
Ja, die sind sich jetzt also begegnet und so viel kann man sagen im weiteren
Roman, die werden sich noch öfters begegnen.
Die Polizei ermittelt also nicht nur im Bereich Berlin und in anderen Gegenden,
sondern auch in der Stadt, wo Helen Weber und der Christoph Zickler wohnen.
Und ja, mal sehen, was da so passiert.
Aber die Enthinderungsgruppe hat also inzwischen jemand gefunden,
der mit ihnen die Geschichte aufarbeitet.
Die Geschichte und auch Geschichten.
Und das ist so eine weitere Ebene in dem Roman, wo es darum ging,
was passierte denn so ab dem Jahr 2025 bis jetzt 2034.
Und da spielen die Ich-Will-Raus-Patinnen eine ganz, ganz wichtige Rolle.
Denn man hat gemerkt, politisch geht nicht mehr viel voran.
Man hat gemerkt, wir müssen uns gegenseitig mehr unterstützen.
Das ist ja auch eine Entwicklung, die wir in den USA gerade sehen und das hat
auch die Behindertenbewegung gemerkt.
Und so ist es zu den Ich-Will-Raus-Patinnen gekommen.
Und zwar machen die das so, die arbeiten ihre Geschichte immer wieder durch Zoom-Abende,
wo sie Leute dann einladen, die bestimmte Teile der Geschichte der Enthinderungsgruppe
erzählen und an dem Abend ist Claudia Liese zu Gast und zwar erzählt die von
den ersten Ich-will-raus-Patinnen.
Hören wir da mal rein.
Schon bei meiner Frage, wie das damals mit den Patinnen losgegangen war,
startete Claudia sofort durch.
Unsere erste Anfragende rief aus einer Beratungsstelle in Bayern an.
Sie schilderte mir die Geschichte einer behinderten Frau, die unbedingt aus
der Werkstatt für behinderte Menschen raus wollte.
Sie wusste nicht, wie sie die Frau gut unterstützen konnte, damit dies möglich wurde.
Die Beraterin war vom Budget für Arbeit als Lohnkostenzuschuss angetan.
Dass man den Job aber selbst finden musste, das hat sie eindeutig überfordert.
Also haben wir zusammen überlegt, welche Möglichkeiten sie als Beraterin hatte.
Ich habe ihr ausführlich erklärt, wie wichtig örtliche Netzwerke sind.
Das war der Schlüssel. Dabei fiel ihr eine Unbekannte ein, dabei fiel ihr eine
Bekannte ein, die die Ruhe weg habe, recht gewissenhaft wäre und der Inklusion wichtig sei.
Wenn ich mich richtig erinnere, hieß die Bekannte Andrea.
Claudia war im Redefluss. Ich habe der Beraterin dann vorgeschlagen,
die bekannt zu fragen, ob sie nicht eine Art Patenschaft übernehmen kann.
Sie könnte die Frau auf deren Weg aus der Werkstatt unterstützen und mit anderen vernetzen.
Aber da habe ich nicht drüber nachgedacht, dass die Idee von Patinnen für uns
so wichtig werden würde.
Das war damals eine Initialzündung. Wir waren alle unheimlich stolz,
alle Beteiligten, aber besonders die Frau, die aus der Werkstatt raus konnte selbst.
Ich glaube, die heißt Friederike.
Wir haben darüber immer wieder berichtet, sodass bei uns und in anderen Ecken
Deutschlands auch Patenschaften entstanden sind.
Irgendwann, ich weiß gar nicht mehr genau wann, haben wir regelmäßige Online-Austauschtreffen
für Patinnen angeboten.
Das war anfangs bombig. Ein richtiges Feuerwerk an Energie.
Und dann hat sich gleichzeitig auch noch das Netzwerk behinderter Menschen,
die es auf den allgemeinen Arbeitsmarkt geschafft hatten, gegründet.
Die wollten andere mit ihren Erfahrungen unterstützen. Helen ließ es sich nach
Claudias langer Geschichtenerzählung nicht nehmen, diesen Aspekt zu ergänzen.
Ja, diese Ich-will-raus-Patinnen, das sind oft, wenn ich jetzt Rückmeldung,
der Roman ist ja erst am 1.
Januar erschienen, aber ich kriege ja so erste Rückmeldungen und da werden ganz
oft angesprochen, ja, die Patinnen, dass das eigentlich eine gute,
wichtige Idee ist, ob es das schon gibt.
Da können wir nachher in der Diskussion nochmal drüber reden.
Aber ich glaube, wir gucken da nochmal ein klein bisschen tiefer rein,
weil in dem Gespräch haben sie sich auch damit beschäftigt, was sind denn Schlüssel
zum Erfolg der Ich-Will-Raus-Partinnen.
Ich glaube, das sollten wir uns nochmal anhören, auch für die nachherige Diskussion.
Was waren denn Schlüssel für den Erfolg der Partinnen?
Meine Neugier war geweckt. Friederike hat mir später mal erzählt,
wie wichtig ihre Patin für sie war,
endlich eine Ansprechpartnerin von außerhalb der Werkstatt zu haben,
die sie unabhängig und in ihrem Sinne unterstützt hat.
In der Werkstatt war sie immer wieder auf Granit gestoßen.
Dauernd hatte man ihr erzählt, dass das alles nicht ginge. Alle,
fast alle, haben ihren Wunsch nach einem Job außerhalb der Werkstatt ignoriert.
Sie hat nur einmal ein ganz kurzes Praktikum machen können, aber ohne gute Unterstützung.
Die Werkstatt wollte Friederike nicht gehen lassen.
Sie war sowas wie ein Goldesel für sie. Sie konnte richtig gut arbeiten, berichtete Helen.
Gab es denn in den Werkstätten gar keine Unterstützung, hakte ich bei Helen nach.
Doch schon, zum Glück gab es schon immer und auch damals einige engagierte Werkstätten
oder besser gesagt engagierte Menschen in Werkstätten.
Die waren zum Teil richtig dufte PartnerInnen, um was zu verändern.
Aber manchmal waren die nur kurz dabei oder das Pendel hat dann in manchen Werkstätten
wieder in die andere Richtung geschlagen.
Wir mussten immer total kritisch draufschauen, ob und was sich für die betroffenen
Menschen wirklich verbessert hat.
Die nächste Erinnerung brachte erneut Claudia ein.
Es gab noch einen wichtigen Schlüssel. In der Zeit ging es politisch langsam den Bach runter.
Eine Reihe von aktiven Menschen erkannte, dass wir alle ein gutes Netzwerk brauchten,
damit behinderte Menschen auf ihrem Weg zu mehr Inklusion wirklich und ganz
praktisch unterstützt wurden.
Ottmar, da kam unsere Idee mit den Patinnen gerade recht.
Wir waren zu der Zeit heftig frustriert.
Die Exklusionsstrukturen waren so verdammt beharrlich.
Ständig wurden neue Förderschulen, Werkstätten und Wohnheime gefördert und gebaut.
Dabei hätte das Sondergedöns laut UN-Behindertenrechtskonvention Schritt für
Schritt verändert und abgebaut werden müssen.
Zu Gunsten inklusive Angebote. Also sind wir aktiv geworden und wir hatten richtig gute Begründungen.
Wir wollten eben bei den behinderten Menschen anfangen, die sich tatsächlich verändern wollten.
Wir haben konkrete Zeichen gesetzt. Wir haben anderen Mut gemacht.
Wir konnten gelungene Beispiele vorweisen.
Zum Teil war das echt cool.
Wir haben zum Glück auch viele behinderte Menschen gewonnen.
Sie waren bereit, über ihre eigenen Erfahrungen zu berichten.
Der entscheidende Schlüssel für den flächendeckenden Aufbau des Partnensystems war wahrscheinlich,
dass immer mehr aktive InklusionsakteurInnen erkannt haben, dass wir etwas ganz
Konkretes für behinderte Menschen tun und zusammenarbeiten mussten.
Nur so sind wir gemeinsam vorangekommen.
Claudias Stimme klang stolz.
Ja, stolz können die Leute von der Enthinderungsgruppe auch sein,
denn sie haben vielen Menschen den Weg in ein inklusiveres Leben,
raus aus Sonderstrukturen hin zur Selbstbestimmung ermöglicht.
Und im Buch sind dann auch einige Geschichten drin.
Wir sind jetzt, glaube ich, in der Zeit sogar noch ganz gut.
Vielleicht können wir da nochmal in Geschichten reinhören. Aber bevor wir das
tun, kommt noch eine Seite des Buches, die wir auch nochmal besprechen sollten.
Für mich war die Schwierigkeit aus dem Jahr 2025 heraus zu schreiben,
wie könnte es 2034 aussehen.
Und wer sich im Moment die politische Landschaft anschaut, da kann man schon
mal Bauchgrummeln kriegen.
Und deshalb hatte ich in einem dieser, im Roman war das so, in einem Interview
hatte ich die Sigrid Arnade eingeladen.
Sigrid Argnade ist eine, die behindernpolitisch sehr aktiv ist, auf ganz vielen Ebenen.
Sie ist selber Rollstuhlnutzerin und die hatten wir eingeladen zum Austausch.
Das ist jetzt also alles fiktiv, also nicht echt, sondern nur im Roman.
Und da geht es vor allem darum, wie war das denn mit den Herausforderungen,
mit dem Rechtsruck. Da hören wir mal rein.
Das war wirklich eine harte Zeit, unterbrach ich Sigrid Anade bekräftigend. Sie fuhr unbeirrt fort.
Kurzum, außer den üblichen KritikerInnen scherten sich spätestens,
als die AfD starken politischen Einfluss in den Städten und Gemeinden,
dann in den Ländern und schließlich auf Bundesebene bekam so gut wie niemand
mehr um die UN-Behindertenrechtskonvention.
Dabei hatten wir doch so beherzt und hart für diese und deren Umsetzung gekämpft.
Und selbst die Frage, wie es behinderten Menschen wirklich in ihrem Alltag erging,
interessierte in der damaligen verschärften gesellschaftlichen und wirtschaftlichen
Situation kaum jemanden.
Das ging so schnell. So viele waren nur noch sich selbst die Nächsten.
Solidarität verkam zum Fremdwort, warf Hellen ein.
Inklusion wurde oft sogar abwertend, fast wie ein Schimpfwort benutzt.
Das knüpfte direkt an die unsägliche Diskussion um das Gendersternchen an.
Leider entpuppten sich die meisten Einrichtungsbetreiber als Meister der Anpassung.
Von ihnen gab es, als es ernst wurde, nur wenig Widerstand oder Unterstützung
für echte Inklusion. Von den Menschenrechtsverletzungen in den Behinderteneinrichtungen
ist nur wenig nach außen gedrungen.
Behinderte Menschen aus Einrichtungen oder Werkstätten waren in dieser Zeit
weitgehend unsichtbare Bürgerinnen und Bürger.
Ihnen hat man vermittelt, wie dankbar sie sein mussten, dass sich überhaupt jemand um sie kümmert.
Erfreulicherweise gab es damals aber auch Leute, die sich nicht unterkriegen
ließen, leitete ich das Gespräch von Sigi auf Helen über.
Ja, das ist der düstere Teil des Buchs. Und ich kann aber ein bisschen beruhigen,
die Leserinnen und Leser werden damit nicht alleingelassen.
Im Sprung in 2034, da dreht sich dann einiges wieder und es gibt echte Chancen,
so viel kann ich schon mal sagen,
für längst überfällige gesetzliche Veränderungen, für die wir ja heute streiten
und wo es ja kaum vorangeht, sogar eher noch rückwärts geht.
Also es gibt Hoffnung in dem Buch, auch wenn diese düstere Phase da auch angesprochen werden muss.
Was in dem Buch aber an verschiedenen Stellen immer wieder rauskommt,
das sind die Geschichten.
Und diese Geschichten von Menschen, man kann es gute Beispiele nennen,
die habe ich natürlich versucht immer wieder einzuweben, Weil mir geht es ja
gerade darum, auch Mut zu machen.
Und ich glaube, diese persönlichen Geschichten, die brauchen wir.
Und ich glaube, die Zeit haben wir auch noch. Ja, dann würde ich nämlich die
Sabine nochmal bitten, in die eigenen Geschichten und zwar von Klaus Griske nochmal einzusteigen.
Klaus Kriske lebte mit einer starken Spastik, die ihn beim Gehen,
Greifen von Dingen und beim Sprechen beeinträchtigte.
Weder er noch andere konnten sich vorstellen, welche Arbeit außerhalb einer
Werkstatt gut zu ihm passen könnte.
Das Angebot, eine eigene persönliche Zukunftsplanung zu machen,
kam für ihn damals genau zum richtigen Zeitpunkt.
Klaus Kriske hatte großes Glück, auf eine ausgebildete Zukunftsplanerin des
Netzwerks persönliche Zukunftsplanung zu stoßen.
Die Stunden seines Zukunftsplanungstreffens, während denen er mit seinen Träumen,
seinen Zielen, seinen Fähigkeiten und seinen Erfahrungen im Mittelpunkt stand, genoss er sichtlich.
Denn aufgrund seiner Sprachbehinderung hörte man ihm viel zu selten richtig
zu und kaum um jemand nahm sich die Zeit, die es eben für ein gutes Gespräch brauchte.
Die von ihm ausgewählten UnterstützerInnen standen ihm während des ganzen Prozesses zur Seite.
So beeinflusste die damalige Zukunftsplanung den Kurs seines weiteren Lebens
entscheidend und positiv.
Bücher lesen und kritisches Nachdenken über Sprache und was diese sowohl positiv
bewirken, aber auch welchen Schaden diese anrichten konnte, war für seine Stärken
und seine Leidenschaft.
Was passte da besser zu Klaus Griske als ein Praktikum in einer kleinen Bibliothek?
Dank unterschiedlicher UnterstützerInnen konnten für ihn tatsächlich passende
Tätigkeiten in der Bibliothek gefunden werden.
Ihm gefiel es dort. Dennoch, die Bibliothek konnte das Geld für die Lohnkosten
trotz eines Budgets für Arbeit nicht aufbringen.
Wie gut, dass Claudia Liese Teil seines Unterstützungskreises war.
Wieder einmal war ihr juristisches Fachwissen gefragt, das nach einigem Hin
und Her zum Erfolg führte.
Die Bibliothek wurde zu einem sogenannten anderen Leistungsanbieter.
Klaus Kriske konnte erst einmal dort weiterarbeiten.
Die Bibliothek bekam Geld, um die Unterstützung für ihn zu organisieren.
Analog zu einer Werkstatt für behinderte Menschen.
Er nahm den Nachteil einer solchen Beschäftigung, ähnlich der in der Werkstatt,
auch weiterhin nur ein geringes Entgelt zu erhalten, erst einmal hin.
Hauptsache, er konnte mit Büchern und außerhalb der Werkstatt also inklusiver arbeiten.
Wie es für Klaus Griske weiterging? Nach einigen Jahren und mit so manchen Erfahrungen
im Bibliothekswesen hörte er sich wieder einmal nach einem Job auf dem regulären Arbeitsmarkt um.
Immerhin bestand auch für ihn weiterhin die Fördermöglichkeit des Budgets für Arbeit.
Als er die Chance für ein Praktikum in der Stadtbibliothek bekam, nutzte er diese sofort.
Daraus wurde seine erste richtige Stelle. Was für Klaus Griske anfangs,
als er noch in der Werkstatt für behendete Menschen gearbeitet hatte und denkbar
gewesen war, war plötzlich greifbar geworden.
Hatte er früher immer noch gesagt, so einen wie mich, der nimmt doch niemand.
War er nun Mitarbeiter der Stadtbibliothek und damit einer mehr in der Stadt,
der mithilfe des Budgets für Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten und
richtiges Geld verdienen konnte.
Meine persönliche Zukunftsplanung war stark. Die hat mich begleitet,
viele Jahre. Die war wichtig.
Klaus schwärmte selbst heute, viele Jahre später immer noch davon.
Ja, da ist die persönliche Zukunftsplanung. Die spielt in diesem Buch auch eine wichtige Rolle.
Die spielt auch heute schon eine ganz wichtige Rolle. Es sind,
glaube ich, auch einige da aus dem Netzwerk Persönlicher Zukunftsplanung.
Ich würde an der Stelle sagen, wir machen mal einen Schnitt,
weil wir haben jetzt fast die 20 Uhr erreicht.
Wir könnten da noch einiges lesen. Aber an der Stelle erstmal ganz herzlichen Dank, liebe Sabine.
Sehr gerne. Jetzt kommt meine Frage, wie oft musstest du üben für den Text vorher?
Ich bin noch nicht so im Flow, finde ich. Ich muss ein bisschen üben.
Also liebe Leute, wenn ihr es mal schafft, zu weiteren Lesungen mit Sabine Lohner
zu kommen, ich kann euch sagen, der Flow, der fließt noch viel mehr.
Sabine, das war heute schon spitze. Vielen Dank hier.
Du siehst das nicht, da sind schon einige Hände hochgegangen.
Also vielen, vielen Dank, liebe Sabine. Mal gucken, wenn die Diskussion,
wenn wir nicht so viele Beiträge haben, dann hätten wir noch eine Geschichte.
Aber das ist auch eine Geschichte von einer Person, die heute hier ist.
Vielleicht fließt sie ja selber ein.
Also wir halten, Sabine, halte dich mal noch bereit.
Vielleicht können wir noch was. Aber jetzt an der Stelle würde ich erstmal sagen,
ganz, ganz herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit, dass ihr heute hier wart
und so auch zugehört habt. Ich bin auf die Diskussion gespannt.
Für die Zuhörerinnen und Zuhörer des IGL-Podcasts ist jetzt hier der Schnitt.
Ich werde die Aufzeichnung jetzt an der Stelle unterbrechen.
Es wird im Anschluss noch für die Podcast-Hörerin ein Gespräch zwischen Jennifer
Sonntag und mir zum Roman geben.
Und wir hier in dieser Runde haben jetzt die Gelegenheit, in die Diskussion
einzusteigen. Und ich bin mal gespannt.
Des IGL-Podcast. Hier ist wieder der Ottmar Malz-Paul nach der Lesung.
Und zwar freue ich mich, dass ich nach der Veröffentlichung des Romans eine
ganze Menge an Rückmeldungen bekommen habe.
Ja, wenn man so vor dem Computer sitzt, in die Tasten haut, Tage,
Stunden, Wochen mit einem Roman verbringt, dann ist das was ganz Besonderes,
wenn die ersten Rückmeldungen kommen.
Ja, und eine der ersten Rückmeldungen habe ich bekommen von Jennifer Sonntag.
Und ja, Jennifer Sonntag ist einigen von euch bekannt.
Jeden dritten Sonntag im Monat heißt es beim Igel-Podcast Sonntag trifft Igel
mit vielen spannenden Themen.
Ich verfolge das immer ganz andächtig, weil da sind so viele Diskussionen drin,
die wir früher immer sehr intensiv geführt haben.
Ja, und ich freue mich also nicht nur, dass Jennifer mir eine ganze Menge an,
Rückmeldungen gegeben hat, dass sich da eine Diskussion entsponnen hat,
sondern dass wir heute die Gelegenheit haben, einfach auch nochmal über den
Roman, das Schreiben und was uns sonst noch einfällt,
ja nach der Lesung zum Roman Ich will raus von der Exklusion zur Inklusion zu führen.
Aber vielleicht erstmal, liebe Jenny, herzlich willkommen und vielleicht sagst
du mal so ein paar Takte zu dir.
Du schreibst ja selber viel, bist journalistisch aktiv, auch sonst immer rege,
engagiert an Themen dran. Jennifer Sonntag.
Hallo, lieber Ottmar, hallo, liebe Community. Ich freue mich sehr,
heute hier sein zu dürfen mit dir in diesem schönen Autorengespräch.
Ich durfte beide Bücher von dir lesen, bin nachhaltig beeindruckt und zu meiner
Person, ja, du hast es schon gesagt, ich bin Fachjournalistin,
bin selbst auch Buchautorin,
bin Inklusionsaktivistin und ursprünglich komme ich aus der Sozialpädagogik,
durfte viele Jahre auch Fernsehen machen, aber was mich wirklich immer,
immer begleitet hat, sind Bücher.
Und deswegen freue ich mich sehr, sehr über deine Bücher und vor allem auch
über das aktuelle Buch sprechen zu dürfen mit dir.
Und Ottmar, darf ich dir gleich eine Frage stellen, weil mich das wirklich umtreibt.
Wir schreiben ja beide überwiegend eigentlich journalistisch und du bist in
deinen Büchern ja sehr literarisch geworden. War das für dich so eine Art Befreiungsschlag,
dass du sagen konntest, hier darf ich wirklich mal an den Strukturen zündeln?
Hier gibt es auch in dem neuen Buch, das können wir ja verraten,
viele wissen es auch schon, gibt es sogar auch einen Anschlag.
Also was war der Grund, warum du literarisch geworden bist?
Das ist eine gute Frage. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, ich glaube, es hat viel damit zu tun.
Ich habe ja wie du auch Sozialwesen, also Sozialpädagogik, Sozialarbeit studiert.
Ich war in vielen Diskussionen und ich fand diese, gerade wenn man so in Gremien
sitzt, bei Ministerien, ich fand das oft so eine kalte Diskussion.
Es ging um Zahlen, es ging um irgendwelche Entwicklungen, aber es ging zu wenig um die Menschen.
Und dann saß ich so eines Abends da und dachte gerade angesichts der Diskussion,
ja, wie schaffen es behinderte Menschen aus Waldstätten rauszukommen,
aus Wohnheimen, also mitten ins Leben, ja, mitten in die Gemeinde.
Da dachte ich, ach, vielleicht hilft ja mal ein anderer Schlenker.
Und dann kam mir natürlich die Idee, ach, wie wäre es denn mal mit einem Roman?
Weil ich habe natürlich sehr viel gelesen.
Ich lese unheimlich gerne, unheimlich viele Hörbücher.
Und dann kommt immer mal wieder so ein Klick, wo man denkt, ach,
da könnte man was draus machen.
Ja, und so kam ich dazu, einen Roman zu schreiben. Und ich muss ehrlich sagen, es war total befreiend.
Und das ist auch jetzt bei den Lesungen total befreiend, weil über einen Roman,
da kann man ganz anders reden. Da darf man schimpfen, da kann man sagen,
Mensch, gut, und da identifiziert man sich mit Personen.
Und das hat mir in den Diskussionen der Behindertenpolitik und Arbeit ja ganz
oft gefehlt. Aber eine Frage an dich.
Beim ersten Buch Zündeln an den Strukturen, da hast du gemeint,
Mensch Ottmar, das müsste man als Theater aufführen, als Theaterstück mit Flammen
und alles, was so dazugehört.
Was war denn die erste Reaktion, wenn du jetzt mal zurückdenkst,
als du den Roman fertig hattest?
Das ist tatsächlich auch ein Bild, was ich gerade ganz stark in mir drin habe, wo du so erzählst.
Also ich spüre ja ganz viele Gefühle auch, die wir sonst nicht rauslassen können.
Also was du gerade auch beschrieben hast, also da ist Gut, da ist Verzweiflung, manchmal Resignation.
Dann müssen wir wieder den Kopf aus dem Sand nehmen und wieder anfangen zu kämpfen.
Und ich glaube, diese Rebellion und was da manchmal so in uns drin ist,
wo wir nicht so können, wie wir wollen, aber uns immer wieder auch empowern, da ist viel Feuer.
Und dieser Roman, der erleuchtet ja quasi auch ganz viel.
Und ich dachte, das ist ein Theaterstück, was sich ja quasi von selbst beleuchtet.
Ich habe ganz viele Requisiten gesehen.
Ich habe da was Filmisches gesehen. Ich arbeite auch viel mit Drehbuchautorinnen
zusammen und dachte, dass über das Buch hinaus kann da noch ganz viel passieren.
Und wo das Potenzial so für mich steckt, ist eigentlich dieses bildhafte Erzählen
auch für Menschen, die sich mit diesem ganzen Werkstätten-Business nicht so
gut auskennen. Also wir wissen ja, worum es geht.
Wir Menschen mit Behinderung, wir wissen auch ganz genau, was wir wollen und
was wir nicht mehr wollen.
Aber den Leuten da draußen zu erklären, ja, wo müssen wir hier eigentlich schrauben?
Ja, wo müssen wir was ändern an den Strukturen?
Also das fällt ja oft schwer, weil die das nicht durchschauen.
Und hier könnte man so richtig auch in einer szenischen Lesung,
in einem Theaterstück nochmal schön praktisch erklären, wo muss man ja eigentlich
zündeln, auch ganz metaphorisch.
Du meinst es ja auch wirklich metaphorisch.
Und das hat mir gut gefallen und das hat mir auch an dem neuen Buch sehr,
sehr gut gefallen. Deswegen würde mich mal interessieren, warum gibt es denn
überhaupt das neue Buch?
Also ich kann es mir schon vorstellen, also in mir drin wäre auch so der Drang
gewesen, aber ich möchte nochmal von dir hören, warum hast du den Nachfolgeroman geschrieben?
Ja, wenn man so einen ersten Roman schreibt, dann weiß man ja überhaupt nicht, wohin die Reise geht.
Und ich hatte auch gar nicht vor, groß Lesungen zu machen, weil ich merke,
ich bin älter, ich höre schlechter, ich sehe schlechter, meine Knochen tun weh.
Und dann kamen plötzlich ganze Menge Anfragen auf Lesung.
Und ich bin schlecht im Nein-Sagen. Und dann war ich viel unterwegs.
Und das ist eigentlich das Spannende. Und das merke ich auch jetzt beim neuen
Roman. Wir hatten schon eine Lesung im Dunkeln, mit Leuten in den Dialog zu treten und
Da kam alles, ja, da kam, ich fühle mich wohl in der Werkstatt,
da kam, ja, mir ging es genauso wie im Roman, ich will raus aus der Werkstatt
oder ich habe es geschafft und es kamen aber auch die Stimmen, die gesagt haben, naja,
das war jetzt 2023, als der Roman veröffentlicht wurde. Viele Dinge blieben offen.
Wie geht es weiter? Ist ja ein Roman oft so. Ist ja auch ein gutes Stilmittel,
um zum Nachdenken anzuregen, seine eigene Geschichte weiter zu spinnen.
Ja, und dann haben sie gesagt, ja Mensch, wie ging es denn weiter? Das kam immer wieder.
Und dann habe ich irgendwie gedacht, na gut, wenn Sie es wissen wollen,
ich weiß es selber noch nicht, ich setze mich mal hin.
Ich hatte eine Idee, dass ich mich ins Jahr 2034 begebe mit einigen der Romanfiguren
und hatte dann auch so einen Aufhänger.
Das ist ja dann der Anschlag auf die Sendung Menschenrechte konkret und auf die Helen Weber.
Und ja, und dann dachte ich, okay, dann erzählen wir die Geschichte mal,
Und je tiefer ich Einstieg, und das finde ich das Spannende beim Schreiben,
bei mir zumindest, ich weiß noch nicht immer genau, wohin die Reise geht.
Ich habe vorher keine perfekten Notizen, was alles kommt, sondern das entsteht
dann oft tief in der Nacht, wenn ich in die Tasten haue und plötzlich wieder
ganz neue Schlenker kommt.
Und also ich dachte, da kommt, wenn die Leute wissen wollen,
wie es weitergeht, mach dich mal ran.
Aber es war für mich selber auch total spannend, wohin führt mich das?
Weil jetzt sind wir im Jahr 2026, acht Jahre voraus, ins Jahr 2034.
Da habe ich selber unheimlich viele Fragezeichen gestellt.
Gerade auch angesichts der derzeitigen Situation, wo man nie weiß,
was morgen ist. Also so kam das.
Ja, was hat dich denn am Roman, da sind ja ganz verschiedene Ebenen drin.
Welche hat dich am meisten berührt?
Oh, das waren viele Ebenen. Also was mich berührt hat, war natürlich erstmal
die barrierefreie Lesefassung. Also erstmal ganz großen Dank auch dafür.
Das war eine sehr schöne Struktur. Ich konnte also verschiedene Überschriften
anspringen. Also Menschen, die blind oder sehbehindert sind,
haben durchaus die Möglichkeit, das Buch jetzt auch schon zu lesen, digital.
Und ich weiß, auch geplant ist wieder eine Hörfassung. Das hast du mir schon
verraten, lieber Ottmar, im Vorfeld.
Und wann die kommt, da lassen wir uns einfach überraschen. Aber zu den Ebenen,
die du jetzt angesprochen hast, also für mich war auch ganz spannend erstmal
die Frage, wer will denn raus?
Das hast du jetzt auch schon gesagt, es kam zum Teil ja auch eine starke Diskussion zustande.
Nicht alle wollen raus, weil man Menschen mit Behinderung ja auch oft Angst
macht und sagt, die Gesellschaft da draußen, die ist bedrohlich.
Weil man hat natürlich noch nicht die Ebenen, die Wege geflastert für Menschen mit Behinderung.
Und natürlich wollen wir ja auch nicht sagen, wir schließen jetzt alle Werkstätten
und wir müssen große Angst haben, was dann mit den Menschen mit Behinderung
da draußen passiert. Das will ja auch der Roman gar nicht sagen.
Aber das war für mich eine ganz spannende Frage. Wer will wirklich raus?
Und ein großer Support soll ja auch für die Menschen geschaffen werden,
die diesen Weg gehen wollen. Und das ist natürlich ganz klar,
dass wir das breit diskutieren müssen.
Für alle Menschen ist das noch nicht der Weg. Und da habt ihr einen ganz,
ich sage schon ihr, weil ich dich schon ganz stark im Dialog mit dieser Enthinderungsgruppe
sehe, die sich ja gegründet hat in diesen Büchern.
Und da ist ein Konzept entwickelt worden. Das finde ich mega spannend.
Deswegen finde ich das ganze Buch so realitätsnah. Und man fragt sich auch die ganze Zeit.
So utopisch ist das gar nicht. Das ist eigentlich eine Anleitung für Realität.
Also ich habe dich ja auch gefragt, Mensch, Gott, mal gibt es diese Gruppe schon?
Gibt es das alles schon? Es geht ja um die Patenschaften.
Patenschaften aus dem Weg, also aus der Werkstatt heraus, also den Weg gemeinsam
zu ebnen mit Inklusionspaten. Ich kenne das so ein bisschen aus dem Kulturbereich.
Ein Mensch ohne Behinderung oder auch ein Mensch mit Behinderung erlebt etwas
mit einem anderen Menschen mit Behinderung.
Kannst du das mal erklären, wie diese Enthinderungsgruppe im Roman zu den Patenschaften kam?
Ja, das ist interessant, dass du von ihr sprichst, weil im Laufe des Buches
gibt es ja den Schlenker, dass ich im Prinzip, ich werde hinzugerufen von der
Enthinderungsgruppe, um die Geschichte zu schreiben.
Das war so ein Schlenker im Roman, also ich tauche da selber auf,
aber ich habe deutlich gemacht, ohne euch will ich das nicht schreiben.
Darum ist auch dieses Autoren Ottmar Meitz-Paul und Helen Weber.
Und es ist wirklich ein Irr, weil ich habe natürlich viele meiner Erfahrungen
jetzt neben der, ich sage mal.
Romangeschichte, wo es das Attentat gibt, wo die Frage ist, wird der Täter jetzt,
wird Verräter sich selber oder wird er gefasst?
Da habe ich ganz viel eingearbeitet, was ich so an Diskussionen,
Erfahrungen an Menschen, die ich getroffen habe oder auch an Geschichten,
die ich gehört habe oder die ich gelesen habe von behinderten Menschen.
Deshalb ist das wirklich ein Wir, ist da für mich daraus entstanden und die
Enthinderungsgruppe ist auch nochmal eine gute Frage.
Ich glaube, wir haben Gruppen, die politisch auch sehr kritisch aktiv,
auch unabhängig sind, aber da haben wir, ich glaube, im Moment zu wenige.
Wir hatten früher mehr und heute ist man oft so eingebunden in Projekte und
man verhält sich dann so ein bisschen wohl,
damit einem die Gelder nicht gestrichen werden und diese Enthinderungsgruppe
ist halt so eine richtig freie Gruppe, wie wir die in Kassel vor 40 Jahren,
da hieß die Aktionsgruppe Behinderten in Kassel hatten,
wo man dann auch protestiert hat. Aber du hast es angesprochen, die Patinnen.
Und das merke ich jetzt auch, wo ich darüber nachdenke, was nehme ich in die
Lesungen mit aus diesen über 300 Seiten Romanen.
Und das sind wirklich die Ich-Will-Raus-Patinnen.
Und das ist auch so im Laufe des Romans entstanden, weil mir wurde natürlich
immer deutlicher, selbst wenn jetzt jemand sagt, ich will raus.
Also ich will raus aus dem Elternhaus, ich will raus aus der Werkstatt,
ich will raus aus dem Wohnheim, vielleicht auch einfach nur,
ich will selbstbestimmter, inklusiver leben, dann wird das oft
Nicht wahrgenommen. Das wird oft abgetan. Da heißt es, ach, du bist doch noch
nicht so weit, du musst noch viel lernen.
Bleib doch erstmal bei uns, da ist es sicherer. Die Welt da draußen,
die ist rau, die ist böse, da hast du keine Chancen. Das sind so Botschaften.
Ich glaube, viele von uns haben die auch verinnerlicht, weil da ist ja auch was dran.
Es ist manchmal schwierig, wenn man sich hinausbegeht, begibt und man muss seine
Bedürfnisse äußern. weil man muss für seine Rechte einstehen.
Aber ich finde, die Welt da draußen hat unheimlich viel zu bieten.
Und deshalb war so einer meiner Ansätze, der mich in der ganzen Diskussion stört.
Sobald jemand sagt, ich will raus.
Finde ich, dass diese Person es verdient hat, auch die Unterstützung zu bekommen,
und zwar eine unabhängige Unterstützung.
Und Jenny, da hatten wir ja auch darüber geredet in unserem WhatsApp-Austausch.
Was macht man, wenn man jetzt in einer Wohneinrichtung zum Beispiel ist,
in einer Werkstatt, ich sage denen, ich will raus.
Wird einem geholfen? Wird man dann plötzlich nicht mehr so geachtet?
Der will ja unser Nest verlassen.
Erfährt man sogar negative Konsequenzen? Also ich habe alles gehört von dieser
ganzen Bandbreite und ich glaube, dieses zu sagen, ich möchte mich verändern,
ich will raus, wenn man in einer abhängigen Struktur ist, das ist unheimlich mutig.
Und so haben die Romanfiguren natürlich gesagt, Mensch Leute.
Wir, um die Welt zu retten, wir haben so viele Themen, so viele Dinge,
die wir tun könnten, wir konzentrieren uns jetzt darauf, dass wir die Menschen
unterstützen, die sagen, ich will mich verändern.
Ich will raus, also die wirklich auch was wollen, weil die können dann auch wieder Vorbilder sein.
Und darum ist diese Idee von Patinnen und Paten, also die ist nicht nur in mir
gewachsen, sondern die wächst eigentlich immer noch weiter, weil zum Teil haben wir solche Beispiele.
Aber ich glaube, für Menschen ist es unheimlich wichtig, jemand Unabhängiges
zu haben, die einen begleiten bei der Wohnungssuche, Jobsuche oder wenn es Probleme gibt.
Und ich glaube, wir haben da draußen schon eine ganze Menge Patinnen,
Paten, die wissen vielleicht gar nicht darüber, was sie alles tun,
aber ich glaube, das sollten wir verstärken und das ist natürlich,
der Romanschreiber ist natürlich auch immer ein Propagandist,
der hat auch immer eine Mission,
das kommt im Roman bestimmt raus, ist wahrscheinlich auch manchmal ein bisschen nervig, Jenny, oder?
Ingenehm nervig, empowernd, nervig und das hat mich wirklich nachhaltig bewegt.
Also in mir drin, das muss ich wirklich setzen.
Und man denkt so die ganze Zeit, mein Gott, warum gibt es das noch nicht?
Also es ist eine Anleitung.
Jeder, der wirklich wissen möchte, wie kann ich es umsetzen?
Und du sagst es ja auch, also diese Patenschaften könnten auch Menschen mit
Behinderung übernehmen, die es schon geschafft haben.
Also ich habe viele Berichte auch von Betroffenen gelesen, habe oft auch Manuskripte
zugeschickt bekommen von Menschen, die in Werkstätten leben.
Ich habe eine noch auch sehr nachhaltig im Kopf, so einen Buchentwurf und weiß,
was es da für Dialoge geben muss mit Psychologen, mit Pädagogen.
Man muss sich immer wieder erklären und rechtfertigen. Kann ich mit Taschengeld umgehen?
Kann ich in einer eigenen Wohnung leben? Kann ich eine eigene Partnerschaft leben?
Eine Person kenne ich, die dann endlich auch heiraten konnte.
Aber dieses sich immer wieder erklären und rechtfertigen als erwachsene Person
und in so Verstrickungen sein, auch in den Einrichtungen sein.
Ich kann mir das sehr gut vorstellen durch die Berichte. Deswegen finde ich
das auch wahnsinnig gut und prägend, dass du die Geschichten auch aufgeführt
hast dieser Menschen. Man kann sich die alle bildlich vorstellen und wer sich
damit nicht so gut auskennt, muss das Buch lesen.
Es ist ja nicht nur für uns im Inner Circle, die diese Bubbles kennen,
es ist auch wichtig, dass Menschen dieses Buch lesen oder die Bücher lesen.
Die eben diese Einblicke nicht haben. Also für die ist es ja auch geschrieben, nicht nur für uns.
Und deswegen, mich würde zum Schluss noch wahnsinnig interessieren,
lieber Ottmar, du bist ja auch der Zukunfts-Ottmar, hast du ja auch gesagt,
das Buch spielt in der Zukunft.
Du hast noch ein sehr beeindruckendes Nachwort geschrieben, was so die aktuelle
politische Lage auch aufgreift, was mich sehr durchgerüttelt hat und was uns
ja manchmal ein bisschen, ja nicht nur manchmal, sondern oft auch sehr pessimistisch stimmen könnte.
Aber im Buch ist dieser ganze Rechtsruck, diese ganze Rückwärtsrolle im Prinzip schon überwunden.
Also wir sind da schon drüber.
Und gibt es diesen Zukunftsort mal auch für dich? Also tröstest du dich auch
manchmal mit dem? Und was kann der uns mitgeben? Auch Konstruktives?
Was kann der uns an Hoffnung mitgeben?
Denn wir manchmal so ein bisschen verzweifeln auch an der aktuellen politischen Lage.
Ja, dieses Verzweifeln an der politischen Lage, das habe ich spätestens am 6.
November 2024 war das erlebt.
Da habe ich die Nacht durchgehalten und habe mir die US-Wahl angeguckt.
Ich habe sogar noch die Rede von Donald Trump gehört und abends bricht die Ampelregierung
in Deutschland zusammen.
Das war dieser, ja, 6.
November war das. Und seither tue ich mir unheimlich schwer.
Also ich habe nicht nur ein paar Kilo zugenommen aus Frust und sonst was,
sondern wir merken ja täglich, wie verrückt diese Welt geworden ist.
Also verrückt im wahrsten Sinne des Wortes, also wirklich verrückt von dem,
also weggerückt von dem, wie es sein sollte.
Und ich glaube, das beschäftigt viele von uns. Und für mich ist das seither
oder eigentlich schon vorher schon immer so eine innere Auseinandersetzung. Wie kommen wir voran?
Wie wehren wir uns gegen das Düstere? Wie lassen wir uns nicht davon einnehmen?
Und das ist manchmal wirklich eine tägliche Herausforderung,
sich wieder aufzuraffen und zu sagen, ja, komm, jetzt erst recht, wir tun was dafür.
Und ich habe ja auch Freunde, Familie in den USA und da erlebe ich das ja noch
viel stärker. Und deshalb, als ich so den Roman geschrieben habe,
dachte ich, ja, ich kann diese Entwicklung nicht ausklammern,
weil sie beschäftigt uns.
Wir sind ja zum Teil in manchen Diskussionen mittendrin, es geht nicht mehr
vorwärts, wir müssen verteidigen, warum wir behinderte Menschen Leistungen bekommen,
also wir bekommen ja Angriffe aus jeder Ecke im Moment,
wo ich denke, ja, sind wir jetzt zurück in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, ja, und
Deshalb war natürlich für mich der Punkt im Roman zu sagen, einerseits ich schildere das.
Ja, es hat sich verschlechtert. Ja, der Sog in die Einrichtungen,
in die Förderschulen, der nimmt weiter zu.
Aber ich dachte, ich kann die Leserinnen und Leser nicht ganz so düster zurücklassen.
Und da spiegelt sich natürlich auch meine Hoffnung und ich glaube auch mein
Glaube, man muss dranbleiben.
Wir haben immer wieder Zeiten erlebt, wo es rückwärts ging, wo wir es nicht
fassen konnten, was wieder für Diskussionen kamen.
Aber wir haben uns auch immer wieder aufgerichtet. Wir haben uns immer wieder zusammengerissen.
Und ich glaube, dass wir auch wieder Chancen bekommen, aber wir müssen durchhalten
und das wollte ich so im Roman auch verkörpern und ich wollte vor allem auch
nochmal aufzeigen und das geht so zum Schluss des Romans dann hin,
ja, was wäre denn eigentlich möglich?
Ja, möglich ist eine gute Frage zum Schluss für dich. Jenny,
du schreibst viel, du machst viel.
Wir haben, glaube ich, auch inzwischen eine ganze Menge Leute,
die auch Schreibtalent, die Spaß haben, aber ich sage mal, unsere Werke dringen
halt oft nicht so durch, weil wir eben nicht die Vitamin-B-Beziehungen in Verlage oder irgendwo haben.
Wie sind so deine Erfahrungen und siehst du da so ein bisschen,
wie kann man andere ermuntern, sich auch zu Wort zu melden, zu schreiben und
welche eigenen Erfahrungen hast du mit deinen Büchern gemacht.
Du hast ja auch eine ganze Menge gemacht.
Ich finde immer so ganz schön das Credo, wer schreibt, der bleibt.
Deswegen finde ich auch wahnsinnig wichtig, dass es Kobinett gibt,
dass es die neue Norm gibt, dass es Bücher gibt, dass du, lieber Ottmar,
auch Bücher schreibst, dass wir alle Bücher schreiben. Denn ich habe an einem
unheimlich tollen Projekt teilnehmen können.
Das heißt, Geschichten, die fehlen, das fand am Stadtmuseum in Halle statt.
Und da durften Menschen mit Behinderung ihre Werke zeigen.
Und da ist mir bewusst geworden, was die auch für Schwierigkeiten hatten,
zu schauen, was haben denn Menschen mit Behinderung in dieser Stadt,
es ist nun egal, welche Stadt das ist,
was haben Menschen mit Behinderung vor 50 Jahren gemacht, was haben die vor
100 Jahren gemacht, was haben die hier geprägt und bewegt.
Und die hatten Schwierigkeiten, da Dokumente zu finden.
Und ich dachte, wir müssen schon unsere Dokumente hinterlassen.
Also jeder, der schreibt, der irgendwas festhält, der hat eine ganz große Bedeutung.
Und ich bin jedem auch sehr dankbar, der in der Vergangenheit unsere Geschichten
erzählt hat. und ob die nun Bestseller werden oder nicht.
Also das ist am Ende ganz egal, weil auch die kleineren Bücher,
die kleineren Werke, die können irgendwann mal ihren Platz finden und die finden auch ihren Platz.
Das ist ganz, ganz wichtig, dass wir Communities bilden und Banden bilden,
was zum Beispiel ja gut auch Vernetzungen machen und Arbeitsgruppen machen.
Wir haben auch Blautor zum Beispiel, diese Arbeitsgruppe von blinden und sehbehinderten
Autorinnen, dass wir uns immer
gegenseitig auch bewerben, uns gegenseitig zeigen. Das ist ganz wichtig.
Aber es wäre natürlich auch großartig, wenn wir im Mainstream ankommen.
Da gebe ich dir wirklich recht.
Da brauchen wir Supporter und Allies, die uns vielleicht auch ein bisschen größer
und sichtbarer machen. Also nicht vielleicht, sondern die uns sichtbarer machen.
Und da arbeiten wir dran. Da geben wir die Hoffnung nicht auf.
Die Hoffnung geben wir nicht auf. Geschichten, die fehlen. Das ist wirklich
ein sehr guter Slogan, sehr guter Begriff.
Und ich glaube gerade Geschichten von behinderten Menschen selber,
wo wir uns zu Wort melden, wo wir diese Geschichten sammeln.
Ich weiß, dass die Interessenvertretung selbstbestimmt Leben in Deutschland,
die arbeitet gerade daran, wie kann man auch die Geschichte der Behindertenbewegung,
ja, wie kann man die sichern, wie kann man das archivieren, weil so viel geht verloren.
Wir Leute, die aktiv sind, die werden immer schwächer, die sterben und da geht
uns so viel Wissen und Erfahrungsschatz verloren.
Also ich denke, diese Geschichte zu bewahren, aber ja noch mehr Geschichten
auch von behinderten Menschen zu kriegen, ja, das mag uns ein Anrat sein und
da hoffe ich, dass wir mit unserem Schaffen,
Jenny, du und ich, dass wir einen kleinen Beitrag dazu leisten können, andere ermuntern.
Ja, und deshalb freue ich mich, dass wir heute uns austauschen können.
Es ist jetzt alles ein bisschen länger geworden, aber mir hat das total Spaß gemacht.
Und ja, ich freue mich auf viele weitere Austausche, nicht nur mit dir,
Jenny, sondern auch mit vielen, vielen anderen.
Also vielen Dank an dich, liebe Jennifer. Vielen Dank an den Sascha Lang,
dass er uns das hier ermöglicht hat, das im Rahmen des Podcasts Inklusion ganz
einfach leben, des IGL-Podcasts zu machen.
Und an der Stelle sagen wir einfach mal Tschüss für heute, Jenny, oder?
Wir sagen Tschüss, macht's gut, ihr Lieben.
Tschüss! In den Shownotes findet ihr natürlich die Links, um dieses Buch zu kaufen.
Für 18 Euro plus Versand gibt es die gedruckte Version in Schwarzschrift.
Für 7,99 Euro gibt es das E-Book.
Es gibt auch eine Gratis-Version. Aber, liebe Zuhörer, ich wünsche mir,
dass wir Ottmar Malz-Paulo ganz stark unterstützen und dieses Buch dann kaufen.
Weiterhin gibt es Links zu Rezensionen, Kritiken und mehr Informationen.
Ich fehle, dieses Buch zu lesen. Ich muss ja zugeben, ich habe es noch nicht
gelesen. Aber ich bin am 5.
Mai im Kulturforum in Kiel dabei, bei einer Lesung von Sabine Lohse-Lohner und Ottmar Malz-Paul.
Also, wer Lust hat, am 5. Mai in Kiel, 19 Uhr, Kulturforum in Kiel.
Dort gibt es eine Lesung von diesem Buch, von Ich will raus,
von der Exklusion zur Inklusion.
Ich bin jetzt raus, mein Name ist der Schlang, ich bin euer Inklusator.
Vielen Dank fürs Zuhören.
Einfach leben wird dir präsentiert von Inklusator.
Schreibt uns eine Mail an moin.eaglemedia.com.