Die Kraft der Teilhabe steckt in deiner Hand
Im Gespräch mit Konstanze Hager von EXXOMOVE und Anwender Andreas Guba über die Carbonhand, Innovation und ein selbstbestimmtes Leben
06.07.2026 42 min
Zusammenfassung & Show Notes
Moderne Hilfsmittel sind weit mehr als technische Innovationen – sie können Menschen ein Stück Selbstständigkeit, Freiheit und Lebensqualität zurückgeben. Genau darum geht es in dieser Episode des IGEL-Podcasts. Sascha Lang spricht mit Konstanze Hager, Gründerin und Geschäftsführerin von Exxomove, einem Unternehmen, das intelligente Assistenzsysteme entwickelt, die den Alltag von Menschen mit neurologischen oder körperlichen Einschränkungen nachhaltig verbessern sollen.
Im Mittelpunkt stehen die Carbon-Hand und der BATEO Roboterarm – zwei Technologien, die zeigen, wie moderne Robotik dort unterstützen kann, wo Kraft, Beweglichkeit oder Greiffunktion fehlen. Doch Exxomove verfolgt dabei weit mehr als den Bau technischer Hilfsmittel. Die Philosophie des Unternehmens ist klar: Technik soll den Menschen dienen, Selbstbestimmung fördern und echte gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.
Besonders eindrucksvoll wird diese Vision durch Andreas Guba, der die Carbon-Hand täglich nutzt. Er schildert anschaulich, wie intelligente Sensorik und individuell anpassbare Greiffunktionen ihm helfen, alltägliche Aufgaben wie Essen, Arbeiten oder das Greifen kleiner Gegenstände wieder selbstständig zu bewältigen. Aus abstrakter Technik werden greifbare Alltagserlebnisse – und aus Innovation wird gelebte Inklusion.
Die Episode zeigt eindrucksvoll, dass Hilfsmittel dann erfolgreich sind, wenn sie sich nicht in den Vordergrund drängen, sondern Menschen dabei unterstützen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Ein spannendes Gespräch über Ingenieurskunst, Nutzerorientierung, Teilhabe und die Frage, wie moderne Technologien Barrieren abbauen können. Wer wissen möchte, wie Robotik heute bereits Lebensqualität schafft und welche Möglichkeiten intelligente Assistenzsysteme künftig bieten, sollte diese Folge auf keinen Fall verpassen.
🎙️ Jetzt reinhören, abonnieren und die Episode gerne mit Menschen teilen, die sich für Innovation, Rehabilitation, Inklusion und moderne Hilfsmittel begeistern.
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Transkript
Organisator Sascha Lang,
Igel Inklusion, ganz einfach leben, herzlich willkommen. Das ist die Episode
337 und heute wird es ganz spannend.
Heute geht es nämlich in die Technik. Wir beschäftigen uns mit einem Roboterarm,
und einer Roboterhand, einer Carbonhand.
Bei mir zu Gast ist die Firma Exomove und sie wird uns über ihre beiden Produkte
erzählen und wir sprechen auch mit einem Anwender der Carbon-Hand,
nämlich mit Andreas und werden eine Live-Demonstration vornehmen.
Lasst euch überraschen, dieser Podcast ist sehr spannend und sehr hilfreich
für Menschen, die in dieser Form eine Unterstützung brauchen.
Igel Inklusion, ganz einfach leben, dein Podcast für gelebte Inklusion.
Mein Name ist Sascha Lang, schön, dass ihr mit dabei seid.
Herzlich willkommen also bei der Eagle Podcast Episode.
Hilfsmittel sind weit mehr als reine technische Geräte.
Sie können Türen öffnen, zur Selbstständigkeit beitragen, zur Arbeit,
zur Freizeit und damit auch zur echten gesellschaftlicher Teilhabe.
Heute freue ich mich auf zwei Gäste, die dieses Thema aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln erleben.
Zu einerseits Konstanze Hager, sie ist Gründerin und Geschäftsführerin der Firma ExxonMove.
Das Unternehmen entwickelt und vertreibt innovative Hilfsmittel für Menschen
mit neurologischen oder aber auch körperlichen Einschränkungen.
Und dann Andreas Guba nutzt eines dieser Hilfsmittel selbst, die Carbon-Hand.
Er kann uns aus erster Hand erzählen, was moderne Technik im Alltag tatsächlich
verändern kann. Herzlich willkommen, ihr beiden.
Danke, danke für die Einladung. So, wir wollen zu Beginn mal ein praktisches
Beispiel erleben. Andreas, ich habe es ja schon gesagt, also wir duzen uns übrigens
in diesem Podcast nur für die Zuhörer, damit ihr Bescheid wisst.
Wir duzen uns alle zusammen.
Andreas, du nutzt eine Carbon-Hand und ich habe mir jetzt einfach mal vorgestellt,
dass du unseren Hörern erklärst, wie du jetzt mit dieser Carbon-Hand etwas greifst,
also so ein bisschen eine Art von Audio-Description machst.
Wie funktioniert das jetzt mal so im Alltag, damit wir mal einen Einstieg finden?
Okay, nur kurz vorweg, ich hatte eine Spinalkanal-Ischämie, einen Schlag am
Fall im Rückenmark. Dadurch bin ich beidseitig mit den Händen quasi beeinträchtigt.
Und ich nutze die Carbonan beidseitig und im Alltag, ja, beim Greifen, Halten,
Tägliche Übung ist immer morgens Brötchen schmieren. Das Messer halten.
Das ist jetzt mal das Grobe. Ich schalte sie ein. Dann hört sie vielleicht hochfahren.
Man hat es gehört vielleicht. Das dauert ein paar Sekunden und dann ist sie schon einsatzbereit.
Die Hand selber hat in den Fingerkuppen-Mikroprozessor gesteuerte Drucksensoren.
Die Dinge erfassen und dadurch die Hand dann greift. Das ist so etwas wie ein
Handschuh. Kannst du dir das so vorstellen?
Genau. Ein Drei-Finger-Handschuh sozusagen. Drei-Finger, okay.
Daumen, ich habe gerade am Daumen, Mittelfinger und Ringfinger,
weil ich halt gerne beim Frühstück, da hatte ich gerade, fixiere.
Also mein Messer fixiere ich, da ich keine Haltefunktion habe in den Fingern,
und der Handschuh quasi meine Kraft übernimmt.
Oder besser gesagt, die Kraft die Haltekraft übernimmt und am Handschuh direkt
haben wir drei verschiedene Einstellungen für drei verschiedene Tätigkeiten,
zum Beispiel, nur dass ich in Sekundenschnelle auch mal umswitchen kann,
um das Messer loszulassen und ein Glas zu nehmen, um zu trinken.
Okay, also es ist ein anderer Griff, ein Messer zu halten, als ein Glas zu halten,
weil die Größe wahrscheinlich auch einen Unterschied macht.
Die Größe bzw. die Kraft der Finger kann man individuell einstellen. Okay, spannend.
Und beim Frühstück brauche ich halt nur die beiden Dinger, also die beiden Einstellungen.
Und das zieht sich dann durch den Tag durch.
Man hört es vielleicht. Ich greife gerade.
Im Hintergrund hört man keine Geräusche, weil das hat Zoom ausgeschaltet,
die Hintergrundgeräusche. Das ist ein bisschen schade, aber du greifst jetzt.
Was greifst du genau? Erzähl uns kurz den Hörern, was du greifst.
Ich greife gerade meine Tablettendose hier vorne vor mir, weil ich noch Tabletten nehmen muss.
Ich greife sie und nehme mit der anderen Hand den Schieber auf.
Und die andere Hand ist auch eine Carbon-Hand. Du hast ja gesagt, du hast zwei.
Genau. Ich habe beidseitig eine Doppelversorgung und ich nutze sie im Alltag,
wie gesagt, Tabletten, Schachteln aufmachen, halten, beim Besteck halten, essen, zum Mund führen.
Also alle alltäglichen Dinge mache ich mit der Carbon-Hand.
Sehr schön. Ja, erzähl. Ja, und beruflich nutze ich sie auch sehr viel noch.
Da kommen wir noch dazu. Andreas, Sag uns mal ganz kurz, wer bist du denn eigentlich?
Andreas Guba, das wissen wir. Du nutzt zwei Carbon-Hände, also nicht nur eine.
Du hast also alles gut im Griff. Erzähl uns mal, wer bist du eigentlich?
Ja, wie gesagt, Andreas Guba heiße ich, bin 44 Jahre alt, habe einen 10-jährigen
Sohn, lebe in Sachsen-Anhalt und ja...
Also ich bin positiv im Leben gestimmt, trotz meiner Behinderung.
Du hast schon kurz erzählt, durch einen Infarkt im Rückenmark hast du diese
Einschränkung. Ist das richtig? Habe ich das richtig verstanden?
Genau. Und zehn Jahre hatte ich einen Schlaganfall im Rückenmark,
also einen Spinalkanal-Ischämie.
Und innerhalb von fünf Minuten hat sich mein Leben komplett geändert, ja.
Hat sich das nur, Klammer auf, aber das nur nicht negativ verstehen,
auf deine Hände ausgewirkt?
Zur damaligen Zeit, auf meinem ganzen Körper halsabwärts, konnte ich mich dann 14 Tage nicht bewegen.
Und nach und nach kamen dann so ein paar Funktionen wieder, außer meine Fingerfunktion
oder meine Handfunktion.
Und die linke Körperhälfte ist schwächer wie die rechte.
Wie hat sich dein Alltag verändert? Du hast gesagt, dein Leben wurde auf den
Kopf gestellt, auf den wahrsten Sinne des Wortes. Was hat sich für dich verändert?
Eigentlich um 180 Grad alles. Also von jetzt auf gleich,
konnte ich nichts mehr. Vom Kopf her war ich klar, aber alles andere hat nicht funktioniert.
Ich konnte den Kopf im Wegen, aber Finger, Füße, egal was, es hat nicht funktioniert.
Und ich musste alles neu lernen, ich musste viele Sachen annehmen,
was immer schwierig ist bei manchen Sachen.
Gerade so was Körperhygiene betrifft.
Man wurde gepflegt und da musste man quasi den Charme im Vierten abgeben,
sage ich immer. Das war so das größte Hindernis für mich.
Ja, das ist immer das Grobe. Also es hat sich wirklich um 180 Grad gedreht,
was alles im Leben betrifft.
Du hast gesagt, du bist trotzdem positiv geblieben.
Man kann ja dann doch vor einer positiven Entwicklung sprechen,
wenn man sagt, das Meiste ist wieder zurückgekommen, es ist ein bisschen was übrig geblieben.
Gab es in deinem Leben auch Momente, wo du dir sowas wie Normalität wiedergewünscht
hättest? Oder ist das jetzt für dich mittlerweile nach zehn Jahren Normalität?
Nein, diese Momente gibt es heute auch noch oft. Gerade so, ich bin früher viel Motorrad gefahren.
Durch den Schlaganfall sitze ich auf dem Rollstuhl da ich nicht mehr die Kraft
habe so weit zu laufen und ich bin leidenschaftlicher Motorradfahrer gewesen und das ist so das,
juckt in den Fingern immer noch da traue ich noch so ein bisschen hinterher,
aber alles andere das Leben ist positiv schön, man muss die kleinen Dinge im
Leben genießen und so sehe ich das jetzt momentan alles.
Das können Sie schon schaffen fast ein Schlusswort sein für den Podcast aber,
und jetzt noch noch Konstanze hinzu Konstanze, herzlich willkommen bei uns.
Dankeschön. Wer ist Konstanze Hager, Geschäftsführerin von ExxonMove GmbH?
Erzähl uns mal über dich ein bisschen was.
Ja, ich bin Oberfranke, seit 30 Jahren in der Medizinbranche tätig,
also Hilfsmittel für Menschen mit einem Handicap.
Habe erst bei Medi die Beinprothetik aufgebaut, später dann bei Endolight,
eine englische Firma. Da habe ich dann auch die Firma in Deutschland mit aufgebaut.
Und 2019 habe ich mich dann selbstständig gemacht und habe meine eigene Firma gegründet.
Wie entstand denn ExxonMove?
Ja, also ich habe auf der Medica diesen Handschuh gesehen, die Carbonhand,
und war neugierig und habe sie ausprobiert und fand es sensationell.
Dann bin ich erst mal ins Internet und habe geguckt, gibt es denn überhaupt
Menschen, die sowas brauchen können.
Und dann habe ich festgestellt, wow, das sind ganz schön viele Menschen.
Und dann habe ich mit den Schweden, das ist eine schwedische Firma,
die Firma BioServo, die diese Carbon-Hand entwickelt hat und aufgebaut hat.
Dann bin ich da in Kontakt getreten, habe gesagt, ich finde das ein sehr,
sehr interessantes Produkt.
Ich habe das auch schon mit Betroffenen probiert und die finden das auch toll.
Und ich würde gerne, falls Sie da jemanden in Deutschland suchen,
würde ich das gerne für Sie aufbauen.
Ja, und BioServo hat dann gesagt, ja, super, da können wir, dann haben wir eine
Geschäftskooperation geschlossen.
Und mit dieser Carbon-Hand und wir haben noch ein zweites Produkt,
das haben wir selber entwickelt, den Roboterarm, den Bateo, habe ich praktisch so die Firma gegründet.
Und wir sagen, wir leben Bewegung, also mit smarten Produkten zur Arm- und Handmobilität,
und darauf sind wir fokussiert.
Also wir machen nichts für Beine, sondern nur für Hände und Arme und versuchen
da eben mit sinnvollen Hilfsmitteln eben Menschen zu helfen, wieder Hand zu haben.
Was bedeutet denn Teilhabe für ExxonMove?
Ja, Teilhabe ist einfach, jeder hat ja schon mal eine Einschränkung gehabt im
Größeren oder im Kleinren und man ist dann ja immer auf Hilfe angewiesen und
ich bin zum Beispiel Mensch, ich mag das gar nicht, ich mag immer alles selber machen,
und für mich ist Teilhabe, wenn man so viel wie möglich selber machen kann und
niemanden braucht, der einen hilft.
Es ist zwar schön, wenn es das gibt, aber es ist einfach die Freiheit zu tun,
was man will, ohne fragen zu müssen. Das ist für mich Teilhabe.
Warum steht für euch auch in der Philosophie der Mensch im Fokus zuerst und dann erst die Technik?
Ja, weil Technik allein, ohne dass sie den Menschen dient, ist nichts.
Oder sie ist sogar auch schädlich, wenn sie den Menschen nicht dient.
Das heißt, es muss sinnvoll, es muss Nutzen für den Menschen stiften.
Und deswegen ist die Technik eigentlich nur das Mittel zum Zweck.
Der Zweck ist die Freiheit, die Teilhabe und das Mittel dazu ist die Technik,
wie zum Beispiel Carbonhand oder viele andere tausend Hilfsmittel, die es gibt.
Du hast schon vorhin angesprochen, die Carbonhand, die habt ihr mit der schwedischen
Firma nach Deutschland geholt, aber ihr habt auch eigenes Produkt.
Carbonhand haben wir gerade mal vorgestellt, aber erzähl uns mal kurz was zum Bateo.
Also der Bateo ist ein Roboterarm und zwar für Menschen, die eben noch weniger
Arm- und Handkraft haben, die
im Elektrorollstuhl sitzen und mit dem Elektrorollstuhl die Welt erobern.
Und ja, wenn ich da aber halt, man denkt immer so, ja super,
ich kann mich überall hinbewegen, das ist schon meine ganz, ganz große Freiheit.
Aber dann, was ist? Ich möchte jetzt was vom Boden aufheben.
Ich möchte einen Schlüssel rumdrehen. Ich möchte selbstständig essen.
Und dann haben wir halt diesen Roboterarm entwickelt. Der ist am Elektrorollstuhl
und da wird er montiert und wird mit der Elektrorollstuhlsteuerung gesteuert.
Und für Menschen, also die zum Beispiel mit dem Kind steuern,
aufgrund vom hohen Querschnitt oder von der Muskeldystrophie oder mit den Augen,
Die haben halt dann quasi einen dritten Arm,
und dieser Arm, der kann halt dann eben, dann kann ich mit dem Hund Gasse gehen, ich kann eben,
meine Geschwister ärgern und solche Sachen machen. Also.
Das ist ein noch größerer Freiheitsgrad, weil bei der Carbon-Hand kann ich oft
alles mit einer Hand machen und habe, also wenn die eine nicht funktioniert.
Das ist zwar langfristig nicht gut für die eine Hand, aber ich kann es eben
noch mit einer Hand machen.
Und die Menschen mit dem Bateo, die können halt da gar nichts machen.
Und deswegen ist das noch eine größere Freiheit, obwohl der Bateo natürlich
nicht so gut ist wie die eigene Hand.
Nicht so schnell, nicht so filigran, aber er ist halt besser,
als wenn man nichts damit machen kann. Und so kann ich halt dann doch einige
Sachen, Haare kämmen, zum Beispiel Zähne putzen. Und das kann ich alles wieder selber machen.
Nach welchen Kriterien sucht ihr denn eure Produkte aus? Was steht da für euch
im Vordergrund? Weil ihr habt jetzt nicht die Masse an Produkten,
sondern ihr versucht auf gute Produkte zu setzen.
Genau das ist es. Gute Produkte und Gutes definiert als etwas,
was den Menschen wirklich nutzt.
Also es ist ja so, ich sage immer, der Mensch muss Fan von dem Hilfsmittel werden.
Und wie wird man Fan, wenn man was wirklich liebt, wenn man was mag,
wenn es einen maximalen Nutzen gibt, dann bin ich Fan von etwas Unternutziges.
Weil die Carbonhand, ich muss die ja anziehen und das ist ja schon ein Vorgang,
der nimmt Zeit in Anspruch, der ist nicht ganz so komfortabel.
Aber die Menschen sind so begeistert, dass der Nutzen, der Alltagsgebrauch,
dass ich wieder beide Hände nutzen kann, ist viel höher, als das An- und Ausziehen
müssen oder die mal waschen müssen und solche Sachen.
Also hier geht es einfach um die Freude an dem Hilfsmittel.
Das ist es letztendlich. Und da will ich gar nicht viel. Und das ist gar nicht
so einfach, Hilfsmittel zu bauen und zu konstruieren, die so einen ganz großen Nutzen geben.
Wir haben da zwei gefunden und die reichen uns. Und wenn ich mal wieder einen
sehe auf der Medica, wo ich so begeistert bin, und vor allen Dingen die Anwender.
Also ich kann ja begeistert sein, aber ich habe ja zwei Hände, die funktionieren.
Das ist nicht ganz so authentisch. Wenn ich das aber jemandem gebe,
der da Handkraftprobleme hat und der dann sagt, wow, das will ich.
Und wenn das dann so quasi von neun von zehn sagen, dann weiß ich,
das Hilfsmittel ist gut, das hat einen echten Nutzen.
Warum ist eine gute Versorgung fast wichtiger als nur ein gutes Produkt?
Ja, weil es bleibt. Ein gutes Produkt.
Muss ja auch vermittelt werden. Es muss geschult werden. Also ich kann die Carbon-Hand
zum Beispiel falsch einstellen.
Da hat der Anwender einen ganz geringen Nutzen. Der macht die Hand halt auf und zu.
Aber ich kann das so einstellen, dass jemand damit Klavier spielen kann.
Und das ist dann eine Feineinstellung. Und da brauche ich Menschen,
die das ganz, die es beherrschen, die da Spaß dran haben, auch wirklich so lange
dran zu bleiben, bis es perfekt ist und bis es den größtmöglichsten Anwendungsbereich für jemanden bietet.
Und dann weiß ich, dann gehe ich heim und habe eine gute Versorgung gemacht.
Und wenn ich nur sowas schnell, schnell abgeben würde, dann hat der eine halt
vielleicht 10 Prozent, kann er damit machen.
Aber das ist nichts, wo man sich zufrieden geben kann.
Das muss schon, also 100 Prozent erreicht man nie, aber 90 Prozent soll es machen.
Es sollt Menschen richtig begeistern und dann begeistert es auch uns,
wenn wir heimgehen, weil wir wissen am Tag, wir haben was Gutes gemacht.
Andreas, wie bist du auf die Hand aufmerksam geworden?
Eigentlich meine Krankenkasse hat mich damals.
Darauf gebracht, und zwar hatte ich ein anderes Produkt erst und die meinten
dann, ich sollte mal bitte das Produkt testen.
Ja, das habe ich dann getan und bin so begeistert gewesen, dass ich mittlerweile,
Frau Hager sehr unterstütze damit.
Was war denn dein Wow-Moment?
Das erste Mal zu greifen. Das ist gerade das Schöne, wenn man mit der Carbonan
unterwegs ist und anderen zeigt, wie sie funktioniert, der Baueffekt.
Der erste Moment, wenn sie greifen und sehen, was die Hand kann.
Das ist der schönste Moment für mich, sage ich ganz ehrlich,
weil ich den selber auch so genossen habe. Ja, aber für mich war es dann auch
sehr interessant, nach 16 Jahren.
Mal wieder zu schreiben mit einem Kugelschreiber als Beispiel.
Oder generell wieder zu greifen, einen Pink-Zetten-Griff, mal was Zartes zu
nehmen, ein Blatt Papier, Geld, alles sowas.
Vergisst man ja viel, weil es im Alltag ja alltäglich ist, aber das ist für
mich wieder ein Wow-Effekt gewesen.
Wie hat dein Sohn darauf reagiert? Der ist jetzt mittlerweile 10,
also war noch ein bisschen jünger, als du die Carbon-Hand bekommen hast.
Wie hat der darauf reagiert, dass auf einmal so eine künstliche Hand da war?
Der findet das sehr interessant alles.
Ja, nee, der findet das sehr interessant und er sieht auch, was ich damit leiste.
Mittlerweile baue ich wieder Möbel, schweiße damit. Also das ist alles so.
Ja, es gibt keine Grenzen. Nur die Grenzen sind nur bei uns im Kopf,
sage ich immer. Also es gibt viele Möglichkeiten. Man muss einfach mal testen.
Da kann ich dazu nichts sagen. Sieht einfach nur warum. Wie funktioniert die
Carbon-Hand denn eigentlich? Also wie kann ich mir das vorstellen?
Wir haben vorhin beschrieben, das ist ein Handschuh. Du nutzt sogar zwei Hände.
Du hast gesagt, nicht alle Finger sind einsetzbar. Da habe ich das richtig verstanden.
Also gib uns mal kurz so eine kleine Beschreibung, wie das funktioniert.
Wir haben es ja schon vorhin demonstriert, aber wie funktioniert das technisch?
Gut, wie gesagt, in den Fingerspitzen und im Handbein sind Mikroprozessor gesteuerte Drucksensoren.
Sobald dieser ein Signal auslöst, wird durch den Mikroprozessor ein Stellmotor
in Gang gesetzt, der quasi die eingenähten Fäden im Handschuh animiert zugreifen.
Das ist jetzt mal kurz und knapp so gesagt. Ich glaube, da könnte man noch viel,
viel tiefer gehen in der Technik.
Und du kannst beide Hände auch unterschiedlich einstellen, weil sie ja auch
immer unterschiedliche Funktionen haben. Also du könntest sagen,
die rechte Hand greift ein Glas, die linke greift was Dünneres und das geht auch.
Und wie erkennt denn das System, was du greifen willst? Außer nur durch die
Einstellung? Ist das das Einzige?
Durch die verschiedenen Einstellungen, ja, beziehungsweise man muss,
ja aktiv irgendwas greifen wollen, möchten. Und sobald ein Finger diesen Gegenstand
berührt, zum Beispiel eine Flasche, löst,
wie gesagt, der Prozessor ein Signal aus, der einen Stellmotor aktiviert,
beziehungsweise dann die Hand zugreift.
Jetzt haben wir ja gerade doch etwas höhere Temperaturen, einen ziemlich heftigen Sommer.
Handschuhe tragen im Sommer ist nicht üblich. Hilft dir aber sehr viel?
Wie verträgt sich das Ganze mit Hitze und so weiter?
Also bei mir relativ gut. Ja, ich kann schwitzen, das können ja viele von uns nicht, Tetraplegiker.
Aber der Handschuh ist angenehm zu tragen. Er ist waschbar, er kann nass werden. Also für mich ist es.
Angenehm zu tragen, auch bei den warmen Temperaturen. Brauchst du denn noch
eine gewisse Funktionsfähigkeit deiner Finger, also deiner Originalfinger,
nenne ich das mal jetzt so ein bisschen überspitzt als Laie,
um diesen Handschuh in Bewegung zu setzen?
Ja, also Spastik in den Fingern, das ist halt kontraproduktiv.
Wir brauchen auf jeden Fall ein bisschen Öffnungskraft, der Hand,
um den Handschuh nachher wieder auszulösen, dass er loslässt.
Für welche Diagnosen, Constanze, eignet sich der Handschuh eigentlich?
Ja, für alle Menschen mit einer Greifkraftschwäche,
das sind zum Beispiel neurologische Erkrankungen, also zum Beispiel Parkinson
oder Multiple Sklerose, das können Arthrosen sein oder Arthritis,
Schlafe Lähmungen, also ein Mensch mit einem inkompletten Querschnitt zum Beispiel.
Also wir haben mittlerweile, ich glaube, über 40 verschiedene Indikationen erfolgreich
wieder eine Greifkraft zugeben können oder eine Unfall, also Sehnenverletzung.
Manchmal haben die Leute sogar noch Kraft, aber wir hatten jetzt zum Beispiel
eine Verkäuferin, der ist aufgrund einer Seelenverletzung immer der Nagellack, also,
beim Drogeriemarkt, so Kleinteile runtergefallen und sie hat dann im Geschäft
geübt während ihrer Berufsausübung sozusagen und hat dann wieder Schildchen
greifen können, der Nagellack ist nicht mehr runtergefallen.
Sie konnte an der Kasse eben Dinge bewegen und kassieren.
Und bei ihr war es nicht so sehr die Handkraft, sondern einfach das sichere
Halten und Greifen von Gegenständen.
Also da ist jeder Mensch anders, jede Indikation und deswegen kann man das halt
auch individuell einstellen oder Menschen.
Was wir halt auch haben, mit einer schlaffen Lähmung, die können praktisch die
Finger gar nicht mehr so entbewegen und die gehen dann mit der Hand an einen
Gegenstand, zum Beispiel an eine Flasche und dann drücken die auf einen Knopf.
Und dann schließen die Finger sich aktiv um diese Flasche und dann kann man
wieder eben ein Gegenstand halten.
Und wenn man wieder auf den Knopf drückt, öffnet sich die Hand.
Also das ist für jemanden, der überhaupt keine Fingerbeweglichkeit in dem Sinn mehr hat.
Wo es nicht funktioniert, und das muss man auch sagen, und das hättest du wahrscheinlich gefragt,
ist die Konterindikation, wenn jemand eine Spastik hat, das heißt,
die Hände gehen beim Handschuh anziehen zum Beispiel, also gehen zu und öffnen sich nicht mehr.
Das nennt man eine Spastik. Da funktioniert die Carbonhand nicht,
weil sie nicht aktiv öffnen kann. Also das muss man selber ein bisschen bewegen können.
Und wenn jemand einen Arm hat, der nicht mehr funktioniert, den er nicht mehr
anheben kann in Richtung Gesicht, dann funktioniert es auch nicht,
weil er die Carbon-Hand nur für die Hand eben eine Funktion hat und nicht den Arm bewegt. Mhm.
Welche Entwicklungen sind da künftig noch denkbar?
Also wo denkst du, dass auch euer schwedischer Partner noch eventuell in Kombination
mit Nutzern noch hingehen könnte? Was wäre noch denkbar oder was schlummert
noch vielleicht in irgendwelchen Ateliers rum?
Ja, was wir natürlich gerne hätten ist für die Menschen, die die Hand nicht
öffnen können, die eine Spastik haben, dass man einen Handschuh hat, der die Hand öffnet.
Das wäre für die Menschen natürlich interessant, weil dann können sie die Hand
öffnen und greifen können sie ja von alleine und festhalten.
Das wäre aber eine ganz andere Richtung.
Und dann können wir noch Feintuning natürlich machen, da wo man an Grenzen kommt.
Wir verbessern eigentlich permanent was.
Und das kommt immer von den Anwendern. Also die Anwender sagen,
Mensch, eure Rucksacklösung ist gut, aber ich sitze im Rollstuhl und da stört mich das da hinten.
Dann machen die halt so eine, ich sag mal, eine quer, also wie so eine Hängetasche,
wo man es jetzt quer drüberziehen kann und hat dann die Unit,
wo die Motoren drin sind.
Das ist so ein ein Kilo schweres, 20 Zentimeter langes Teil und da sind halt
die Motoren und das Gehirn und die Batteries da drin.
Und dass man das anders anziehen kann. Oder wir haben in der Vergangenheit verbessert,
dass man den Handschuh in der Waschmaschine waschen kann. Das ging mit dem alten nicht.
Und so kann man so kleine Verbesserungen, also groß fällt mir jetzt nichts ein,
aber die haben da sehr fähige Ingenieure und die überraschen uns immer wieder.
Und vor allen Dingen setzen sie unsere Wünsche, die von unseren Anwendern kommen,
also schnell um innerhalb von einem Jahr.
Also in der F&E ist das schon schnell. Und was wird bei Bateo uns noch erwarten?
Was gibt es da noch? Ich denke mal, dass da die künstliche Intelligenz schon mal ganz aktiv drin ist.
Wie kann diese derzeit noch dem Bartheo auf die Sprünge helfen?
Also es gibt ja auch Sprachsteuerungslösungen, die funktionieren aber momentan
noch nicht, wenn man in einem Raum ist, also dass ich den praktisch sprachgesteuert bewegen kann.
Was wir jetzt erstmal gemacht haben, war eine App, dass er auf dem Handy,
also auf dem Smartphone,
wenn jemand noch minimale Fingerbeweglichkeit hat, dann kann derjenige den auf
dem Handy steuern und kann den relativ schnell dadurch bewegen.
Und man kann dann natürlich auch noch mehr machen in Richtung ganzer Ablaufroutinen.
Also man sagt dann dem Arm, hier öffne die Kühlschranktür, nimm die Flasche
und schenk ein und dann macht er das.
Okay, lass uns nochmal ganz kurz auf die Carbon Hand zurückkommen.
Andreas, du hast vorhin kurz angedeutet, du kannst auch wieder arbeiten.
Erzähl uns mal kurz, was du in der Arbeit machst und wo da auch die Hand wieder
für dich eine wichtige Rolle gespielt hat oder spielt?
Ja, also ich war früher Schweißfachmann und habe auch gerne nebenbei Möbel gebaut und sowas.
Und das tue ich mittlerweile wieder mit der Carbonhand. Also man kann Gummihandschuhe
drüberziehen, Lederhandschuhe, Arbeitshandschuhe, die funktioniert.
Und das ist halt das Schöne. Also man ist wirklich auch in meinem Arbeitsablauf,
was ich so in der Werkstatt habe, für mich.
Ich plane ja so ein bisschen anders als Rollstuhlfahrer und das passt einfach perfekt.
Was hatte das für dich für eine emotionale Auswirkung, auf einmal wieder teilhaben zu können?
Eine sehr emotionale eigentlich, weil ich doch, wie gesagt, 16 Jahre jetzt im
Rollstuhl sitze und dadurch sehr eingeschränkt war, da ich ja keine Fingerfunktion
hatte oder Greiffunktion.
Und das hat mich einfach positiv einfach nach vorne geschoben.
Also egal in welche Richtung, das jetzt Arbeit ist privat, aber überall.
Also eigentlich nur Positives, gar nichts Negatives für mich jetzt persönlich.
Konstanze, andere Anwender, Andreas ist ja einer von einigen, von vielen.
Was sind die Rückmeldungen von anderen Anwendern? Was bewegt die Menschen,
wenn sie auf einmal wieder greifen können, zupacken können?
Was sind da so eure Feedbacks?
Also es ist immer interessant, wenn es ganz spontan passiert.
Das heißt, jemand zieht den Handschuh an und kann sofort wieder was machen.
Und dann halt die Reaktion der Menschen, wie sie schauen, wie sie gelöster werden.
Oder ich habe einen Tremor und kann nichts trinken, weil meine Hand so wackelt.
Und dann kann ich das erste Mal wieder was trinken, wenn auch am Anfang mit einem Strohhalm.
Also es findet halt sofort statt, die Begeisterung.
Und jeder hat auch was anders. Also wir fragen immer, was möchten Sie denn?
Was wäre denn so ein Wunsch?
Und dann sagt jemand, ich möchte einfach im Winter mal Jacke,
einen Reißverschluss zuziehen können, was ich jetzt mit meinen arthritischen Händen nicht kann.
Und dann sind so kleine Dinge im Leben, auf die wir gar nicht kommen,
wo man sagt, man wird auch selber irgendwie dankbar, wo man sagt,
Mensch, was wir alles doch können und so als gegeben hinnehmen.
Und die Leute zerfreuen sich, wenn sie ihren Reißverschluss zuziehen können,
weil sie niemanden fragen müssen. Und.
Für mich, meine Geschichte, ich habe Kontakt mit jemandem schon seit Jahren
und wir rufen uns einmal im Jahr an und ich begleite die ältere Dame seit Jahren,
so im Einmalkontakt und da hat sie mir jetzt erzählt, sie,
hat Arthrose gehabt und hat früher eben nichts machen können und ich habe sie
jetzt halt nach zwei Jahren auch wieder angerufen und dann hat sie erzählt,
bei ihr ist alles anders.
Sie konnte mit der Carbonhand wieder den Rollator bewegen, dadurch ist sie wieder
viel laufen gegangen, dadurch hat sie 60 Kilo abgenommen, dadurch ist es Diabetes zurückgegangen,
Dann hat sie sich, sie war ein bisschen in einer toxischen Beziehung von ihrem
Mann getrennt, deswegen sage ich immer, seid nett zu euren Partnern,
hat sich von ihrem Mann getrennt, weil sie sich getraut hat,
weil sie wieder allein zu Hause leben kann und sie sagt, sie ist wie neu geboren.
Also das ist eine ganz extreme Geschichte, aber Wahnsinn.
Mich freut es total für sie. Und sie hat gesagt, wenn ihr irgendwas von mir
wollt, ich mache alles für euch. Und das ist einfach so.
Sie hat ihr ganzes Leben dadurch verändern können. Und wir sind so ein ganz
minimaler Teil, weil es meistens natürlich vom Mensch sein Mut.
Das Risiko einzugehen, sich in einem hohen Alter von einem Partner zu trennen.
Also wenn es eigentlich gut tut, ist das ja ein guter Schritt und so weiter
und so fort. Und dann hat sie mir noch erzählt, das war eine sehr schlimme Trennung
und er wollte alles kaputt machen, was sie so an Wert, was sie mag.
Und dann hat sie die Karpunen zu ihrer Therapeutin geschafft, damit sie da sicher ist.
Okay. Und das ist ein Wahnsinn, wo ich sage, das war für mich die berührendste Geschichte.
Aber wir haben auch kleine Geschichten, wo jemand dann einfach natürlich nicht
sein ganzes Leben umkrempelt. Das ist ja eher auch die Ausnahme.
Und wir wollen auch die Scheidungsrate nicht erhöhen.
Aber wir haben eine Malerin zum Beispiel, die habe ich auf der Messe getroffen
und dann hat sie gesagt, sie hat MS und sie kann halt mit rechts nicht mehr
malen und mit links, da ist die Kreativität nicht im Arm, sie kann mit links nicht malen,
und sie kann jetzt mit der Carbon-Hand halt wieder rechts malen und ich habe
gesagt, sie möchte doch bitte ein Bild für uns malen, das wäre halt toll,
das könnte man ins Büro hängen und das sind so bitte unsere,
das ist halt einfach schön, ja und das sind so diese kleinen Geschichten,
oder jemand schnitzt ein Holzherz für uns, für einen Außendienst,
der ihr die Carbonhand gebracht hat und die eine Dame schnitzt immer Herzen
im Weihnachtsmarkt aus so Holz und da hat sie uns halt ein Herz geschnitzt,
das hängt jetzt bei uns im Büro an der Wand.
Ja und das sind so die, und da kann man ganz viele Geschichten erzählen und
das ist irgendwie also ich denke, für mich ist das ein Traumberuf.
Ich habe ja früher schon Menschen geholfen mit Prothesen wieder laufen zu können.
Das war auch schön, aber es ist irgendwie trotzdem nochmal anders. Es ist toll.
Wir reden derzeit ganz viel über das Thema Inklusion. Es bewegt sich sehr viele
auf dem politischen Level, auf Gesetzesebene, Eingliederungshilfe und alles dieses Gedöns.
Würdet ihr beide oder wie würdet ihr beide folgenden Satz interpretieren?
Hilfsmittel sind an sich der richtige Schlüssel zur Inklusion. Andreas?
Ja, bin ich voll bei dem Satz. Auf jeden Fall. Hilfsmittel sind immer wichtig, die helfen.
Sie schaffen einen Mehrwert. Was ist besser als einen Mehrwert im Leben zu haben?
Für mich schafft ein Hilfsmittel immer einen Mehrwert. Und das ist das, was für mich zählt.
Konstanz, aus deinen kurzen Erzählungen hast du schon bewiesen,
dass Hilfsmittel zur Inklusion beitragen.
Wie würdest du den Satz aus deiner Perspektive nochmal sehen?
Ja, auf jeden Fall. Und ich kann nur sagen, schauen wir ins Nachbarland, nach Österreich.
Da kämpft eine Mutter, die das für ihre 16-jährige Tochter, die Carbon-Hand,
jetzt gekauft hat, weil es Österreich nicht bezahlt, die österreichische Kasse.
Und die klagt jetzt gegen den Staat, weil sie sagt, nicht jeder hat das Geld
wie wir, um sowas kaufen zu können und ich möchte aber, dass es jedem zusteht.
Und sie hat jetzt da eine Klage angestrengt und da denke ich immer,
wir leben schon in einem tollen Land, wo immer geschimpft wird und so,
aber wenn ich hier nur in Europa rumschau, wir reden gar nicht von anderen Ländern,
da ist eigentlich Deutschland und die Niederlande,
und Skandinavien, die sind noch gut Und da werden die Hilfsmittel bezahlt und
erstattet, aber schon in unseren Nachbarländern ist es eben nicht so.
Und da geht halt den Menschen viel verloren. Und Hilfsmittel sind mit Sicherheit,
ein wichtiger Schlüssel zur Inklusion.
Wenn man aber mit Rollstuhlfahrern unterwegs ist, dann weiß man,
dass es noch viele andere wichtige Schlüssel gibt.
Zum Beispiel, es gibt jetzt abgesenkte Gehsteige, aber die sind halt nicht voll
abgesenkt, sondern dann sind da drei Zentimeter immer noch Kanten,
die es jemandem schwer machen und wo man viel Kraft braucht.
Also es gibt so viele Schlüssel noch, die man für die Inklusion braucht.
Ein ganzes Schlüsselbund für die Versorgung von Hilfsmitteln.
Hast du schon gerade angesprochen, Andreas hat es gesagt, seine Krankenkasse
hat ihn darauf aufmerksam gemacht. Das war ja schon ein bisschen erstaunlich.
Aber erzähl uns mal, wie funktioniert denn so eine Versorgung?
Die Hörer, die jetzt zuhören und sagen, oh, das wäre was für mich eventuell.
Wie läuft sowas ein bisschen ab? Kannst du uns das ein bisschen erklären?
Wen an wen? Achso, an mich? Okay. Ja, an dich. Entschuldigung.
Ja, ja, Entschuldigung. An dich, Konstanze. Wie läuft so eine Versorgung ab?
Also ich habe jetzt draußen einen Hörer, der sagt, oh, das könnte mir vielleicht helfen.
Wie läuft das so ab bis zur Beratung, Krankenkasse, Genehmigung und so weiter? Wie wäre so der Ablauf?
Also wenn das jemand testen möchte, dann kann er bei uns anrufen.
Und wir haben bundesweit einen Außendienst und die kommen dann ohne Kosten,
die kommen dann zu denjenigen. Entweder nach Hause oder, wenn das jemand nicht
möchte, ein Sanitätshaus. Also man kann es neutral testen oder eben zu Hause.
Zu Hause ist oft sinnvoller, weil man dann halt so viele Ideen hat,
was man zu Hause einfach mitmachen könnte. Oder auf der Arbeit kann man es auch testen.
Das dauert eineinhalb Stunden und man kann dann nach eineinhalb Stunden,
also will man es oder man will es nicht.
Und wenn dann jemand sagt, ja, das bringt mir eben Nutzen, das würde ich gerne
haben, dann drehen wir ein Video, der eben den Unterschied zeigt mit und ohne
Hilfsmittel und schreiben einen Versorgungsbericht.
Und dann geht es über das Sanitätshaus.
Und wir haben auch sehr viele Sanitätshauspartner, die das jetzt auch selber
schon machen. Also die haben wir geschult.
Und wir schulen das sehr intensiv, weil wir wollen wirklich dann Profis haben,
die es abgeben. Und da gibt es jetzt immer mehr Sanitätshäuser,
die zu solchen Profis werden.
Und die machen dann einen Kostenvoranschlag draus und der geht dann an die Krankenkasse.
Die Krankenkasse gibt es meistens weiter zum medizinischen Dienst,
der das medizinisch beurteilt.
Und wir sagen immer, was wichtig ist, wenn jemand etwas haben möchte,
dann muss er etwas dafür tun.
Und das heißt, ich sage immer, ruft doch bitte dann bei der Krankenkasse an,
weil die sehen euch ja nicht und die kennen überhaupt nicht euer Umfeld und
die ganzen eventuellen Probleme, die es so täglich gibt mit einer eingeschränkten Handkraft.
Und ruf da bitte wöchentlich an, dann wissen einfach die Sachbearbeiter,
die können sich dann ein Bild machen und dann verstehen die das auch und dann
ist es auch viel leichter mit der Genehmigung.
Und die Leute, die da auch anrufen, die kriegen das auch fast alle,
sage ich jetzt mal, genehmigt.
Und ich muss auch sagen, den Krankenkassen, also nicht allen,
aber schon einigen, hohes Kompliment, weil die gehen teilweise jetzt zur Testversorgung
mit dazu und wir haben schon eine Krankenkasse gehabt, die hat dann vor Ort genehmigt.
Und das finde ich toll, wenn es Kassen gibt, die wirklich sich das anschauen
und kontrollieren und wenn sie dann auch überzeugt sind,
dann gibt es mit dem Anwender zusammen, gibt es halt viel schneller eine Genehmigung
und es dauert dann halt nicht Wochen, sondern es geht halt dann sofort,
aber das ist trotzdem die Ausnahme.
Sehr schön. Die Robotik, wird das zum Standard werden? Also siehst du da die
Zukunft auch für euer Unternehmen?
Ja, also ich denke, es gibt immer mehr. Alles wird immer kleiner.
Alles wird immer deswegen auch angenehmer zum Anwenden. Also sowas,
was wir jetzt heute hier haben, das wäre vor 30 Jahren nicht möglich gewesen.
Da waren die Bauteile noch viel größer.
Also es hat Hightech hat auch schon großen Nutzen.
Es wird dann auch günstiger mit der Zeit. Das ist natürlich auch ein guter Effekt.
Und ja, also ich denke, die Robotik kann durchaus Sinnvolles für den Menschen bieten.
Wie immer, Yin und Yang, gut und schlecht. Es gibt immer positive Effekte von
Entwicklungen und bei den negativen muss man aufpassen.
So, zum Schluss eine kleine, schnelle Fragerunde. Ich fange einen Satz an und
ihr beendet das. Andreas, du bist dran.
Die Carbon-Hand bedeutet für mich?
Freiheit. Selbstständigkeit heißt für mich?
Selbstbestimmt leben. Konstanze, du bist dran. Innovation bedeutet für mich?
Menschen in Bewegung bringen. ExoMove steht für? Ein bewegtes Leben.
Andreas, wenn du die Carbon-Hand zum Schluss in nur drei Worten beschreiben,
müsstest, welche wäre das?
Oh, das ist eine gute Frage.
Leicht, einfach zu bedienen,
kräftig. Konstantin, warum genau solche Rückmeldungen wichtig sind für euch
im alltäglichen Gebrauch?
Kannst du uns dazu sagen, was das für euch bedeutet, diese Motivation,
wenn man so in drei Worten an sich die Selbstbestimmung definiert bekommt durch
solch ein Produkt, was ihr vertreibt? Was macht das für euch als Unternehmen?
Das gibt uns ein sinnvolles Leben.
Innovative Hilfsmittel schenken Menschen Möglichkeiten zurück.
Sie schaffen Selbstständigkeit, eröffnen Perspektiven und machen Teilhabe möglich.
Vielen Dank an euch beide, Andreas und Konstanze, für eure Erklärungen und eure Beschreibungen.
Und wir hoffen, dass wir einige Hörer, die bis jetzt noch nicht von diesen Produkten
wussten, auf diese Produkte aufmerksam gemacht haben.
Und vielleicht zählen ja in ein paar Monaten noch mehr Menschen dazu,
die diesen Begriff Freiheit mit der Carbon-Hand oder mit dem Bateo-Arm beschreiben
können. Euch beiden herzlichen Dank.
Danke, Sascha. Und es ist schön, dass wir dich so kennenlernen durften.
Das war's für die Episode 337, herzlichen Dank fürs Zuhören,
wir hören uns bald wieder und Links gibt's natürlich in den Shownotes,
bis dann, alles Gute, euer Inklusator Sascha Lang.
IGL. Inklusion. Ganz einfach leben. Wird dir präsentiert von Inklusator.
Infos zum Inklusator und weitere Folgen findest du unter www.igelmedia.com.
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