Alarmstufe Inklusion – Wer unsere Teilhabe gefährdet hinterlässt einen gesellschaftlichen Trümmerhaufen
Monatsrückblick Juni 2026 mit Ottmar Miles-Paul von den Kobinet Nachrichten
01.07.2026 78 min Sascha Lang & Ottmar Miles-Paul
Zusammenfassung & Show Notes
Alarmstufe Inklusion – Wer unsere Teilhabe gefährdet hinterlässt einen gesellschaftlichen Trümmerhaufen
Monatsrückblick Juni 2026 mit Ottmar Miles-Paul von den Kobinet Nachrichten
Der Juni 2026 war ein Monat, der die Behindertenpolitik in Deutschland nachhaltig prägen könnte. Gemeinsam mit Kobinet-Redakteur und Aktivist Ottmar Miles-Paul ordnet Sascha Lang die wichtigsten Entwicklungen ein – kritisch, verständlich und mit klarer Haltung. Im Mittelpunkt steht die umstrittene Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG): Warum sorgt sie bundesweit für Protest? Weshalb sprechen viele Betroffene von einem historischen Rückschritt? Und welche Chancen bestehen noch, das Gesetz nachzubessern? Ausführlich geht es um die Anhörung im Bundestag, die Demonstrationen in Berlin und die Frage, weshalb selbst Barrierefreiheit im Deutschen Bundestag zum Problem wurde. Außerdem werfen die beiden einen Blick auf die geplanten Einsparungen bei der Eingliederungshilfe, die Auswirkungen auf Schulassistenz und Persönliche Assistenz sowie auf die Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, das seit 20 Jahren besteht und dennoch viele Lücken aufweist. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Rolle der UN-Behindertenrechtskonvention und warum sie immer häufiger politisch ausgebremst wird. Daneben sprechen Ottmar und Sascha über die Stimmung innerhalb der Behindertenbewegung, neue Protestformen, die Verantwortung von Politik, Wirtschaft und Medien sowie darüber, warum jetzt Zusammenhalt wichtiger ist als je zuvor. Ein Monatsrückblick mit Einordnung statt Schlagzeilen – fundiert, unbequem und voller Themen, die alle angehen. Jetzt reinhören, mitdiskutieren und die Episode weiterempfehlen – denn Inklusion braucht Aufmerksamkeit, Haltung und Menschen, die ihre Stimme erheben.
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Transkript
Mit eurem Inklusator, Sascha Lang.
Igel Inklusion, ganz einfach leben. Dein Podcast für gelebte Inklusion. Es ist der 1. Juli 2026.
Es ist der erste Tag im neuen Monat. Das bedeutet, wir blicken zurück auf den vergangenen Monat.
Und zwar den Juni 2026. Ein bewegter Monat. Unser Titel von dieser Episode sagt es bereits aus.
Es ist spannend und es bleibt spannend.
Welche News wichtig waren, wie wir heute mit den Nachrichten von der Kobinett-Welt
umgegangen sind, das erzählen wir euch gleich. Wer sind wir?
Ottmar Malz-Paul, Redakteur, Aktivist und Buchautor.
Er ist Redakteur bei den Kobinett-Nachrichten und meine Wenigkeit,
der Sascha Lang, der Inklusator.
Ich wünsche gute Unterhaltung, viel Spaß und ja, Alles nachzulesen gibt's wie
immer auf www.kobinet-nachrichten.org.
Herzlich willkommen in der Ausgabe 336. Der Monatsrückblick auf den Monat Juni.
Und der Juni hatte es wirklich in sich. Kaum ein Tag ohne Diskussionen über
Barrierefreiheit, Sozialpolitik oder die Rechte von Menschen mit Behinderung.
Im Bundestag wurde über das Bundesbehindertengleichstellungsgesetz gesprochen,
gestritten, auf den Straßen demonstriert.
Alles das kommt zusammen und alles das bringt uns zum Monatsrückblick.
Ja, wir haben heute was ganz Besonderes vor und zwar wird auch das Thema künstliche
Intelligenz sein. Und dann habe ich gedacht, okay, jetzt machen wir mal was ganz Besonderes.
Entschuldigung. Dann habe ich gedacht, jetzt machen wir mal was ganz Besonderes.
Ich übergebe diese Episode der künstlichen Intelligenz.
Und ja, und die künstliche Intelligenz hat mir ein Skript geschrieben.
Ein Skript, was ich nicht mehr überprüft habe.
Ich nehme es so, wie es hier ist und darunter leiten darf mein Gast.
Herzlich willkommen, lieber Hauptmann-Malspaul. Ja, hallo lieber Sascha,
hallo künstliche Intelligenz.
Ich habe kurz vor der Aufzeichnung gehört, dass Sascha irgendwas Tolles mit mir vorhat.
Ich bin bereit, auch wenn ich sagen muss und das bestätigen,
was du lieber Sascha in der Einführung gesagt hast, der Monat Juni war ein heftiger
Monat. Ich habe geguckt, wir haben 220 Meldungen in den Cominit-Nachrichten dazu.
Ich bin mal gespannt, ob ich die Prüfung der verschiedenen Fragen bestehe und
vor allem, was die künstliche Intelligenz
heute genau von mir wissen will beziehungsweise was sie uns zu sagen hat.
Ja, wir fangen mal ganz persönlich an und wollen, weil wir haben ja schon mal
dazwischen durch so einen kleinen Podcast aufgezeichnet, Igel aktuell,
aber wir wollen jetzt mal so von dir wissen, Hand aufs Herz. Wir zeichnen am 30.
Juni um 18 Uhr auf. Wie würdest du den Juni 2026 in einem Satz zusammenfassen?
Er war so heiß, wie das Wetter im Juni war. Er war anstrengend,
spannend und hoffentlich auch für die Politik beflügelt.
Keine leichte Sprache, aber nehmen wir mal so an, viele Untersätze.
Müssen wir noch ein bisschen daran arbeiten, lieber Ottmar.
War das eher ein Monat der Hoffnung oder des Rückschrittes?
Wir sind ja im Moment stark mit vielen Diskussionen vertraut,
wo es um Rückschritte geht, wo Kürzungen angedroht werden, wo,
ich sage mal, Festgeglaubtes infrage gestellt wird, vor allem auch bei der Behindertenpolitik.
Das ist ja die Ausgangslage des ersten halbes Jahres, sagen wir, des Jahres 2026.
Aber ich finde, der Monat Juni hatte auch hoffnungsfrohes, weil ich habe das
Gefühl, Menschen wehren sich ein bisschen mehr und das hat sich auch bei und
vor der Anhörung zum Behindertengleichstellungsgesetz gezeigt.
Und ja, vor allem viele neue, jüngere Leute kommen dazu.
Deshalb versuche ich meinen persönlichen Frust immer auch wieder zu überlagern,
zu sagen, ja, wo es schlechte Entwicklungen gibt, wo es Herausforderungen gibt,
da entstehen auch immer wieder Pflänzchen und ich habe ein paar gesehen.
Welche Geschichte hat dich persönlich am meisten beschäftigt?
Das kann negativ oder positiv sein.
Also positiv, sage ich jetzt mal, hat mich beschäftigt. Ich war ja in letzter
Zeit in diesem Jahr noch nicht so viel in Berlin, weil für mich einfach Reisen
inzwischen anstrengend ist, wegen meinem Ischers und den ganzen Schmerzen.
Aber am 22. Juni, also am 22. Juni, wollte ich dabei sein.
Und dort war ich bei der Anhörung, besser gesagt vor dem Gebäude,
wo die Anhörung zum Behindertengleichstellungsgesetz stattfand.
Und da war ich wirklich positiv überrascht, weil es war bollenheiß.
Und es waren trotzdem an die, ich würde mal sagen, ja, an die 200 Leute waren
da, ganz, ganz viele Menschen selber mit Behinderung.
Und ich war einfach überrascht, welche Dynamik da war, weil ich habe gesagt,
ich halte mich jetzt mal raus. Ich habe früher viele solche Aktionen organisiert
und da ist man immer voll drin. Da habe ich gedacht, komm, die machen das richtig
gut, René Schaar und andere Leute.
Und jetzt komme ich da hin und da denke ich erstmal mal gucken,
was so läuft. Es fängt so langsam an, aber da war richtig Schwung.
Die Leute haben Parolen gerufen.
Die Leute haben ihrem Ärger Luft gemacht. Sie hatten auch Spaß dabei, ja immer wieder.
Ja, wie ihre Sprüche zu skandieren, also zu rufen, sodass die das drinnen bei
der Anhörung im Paul-Löbe-Haus hören. Wir sind dann noch vor den Ausgang gezogen,
wo die alle rauskommen. Und da waren wir anderthalb Stunden wirklich in der Sonne.
Und die haben kein Ende gefunden. 17 Uhr sollte Schluss sein.
Ich hatte mich gefragt, um Gottes Willen, was wollen die drei Stunden Programm machen?
17.30 Uhr waren sie immer noch zugegangen. Ich bin, glaube ich,
um Viertel vor sechs los, weil ich zum Zug musste.
Da waren immer noch Leute da und da habe ich gedacht, meine Güte,
wann hat man das schon mal?
Ja, dass Leute durchhalten, dass ihnen das so wichtig ist, dass sie kommen.
Aber ich hatte auch das Gefühl, in sozialen Medien, da haben viele mitgefiebert.
Also Sascha, wenn wir vielleicht mal wieder von einem neuen Aufschwung der Behindertenbewegung
reden, ja, dann ist es vielleicht das, dass Leute merken, ja,
für seine Rechte muss man kämpfen.
So traurig das natürlich ist in Bezug auf dessen, was die Politik uns da gerade liefert.
Es geht ans Eingemachte, würde ich mal sagen. Das stand natürlich jetzt nicht
im Text von der künstlichen Intelligenz, sondern jetzt steht hier Behindertengleichstellungsgesetz.
Die Anhörung im Bundestag war am 22. und sie hat sehr viele Menschen enttäuscht.
Was ist dort eigentlich passiert?
Ja, also das Draußen habe ich schon beschrieben, da wurde protestiert.
Das Drinnen habe ich mir dann per Video am nächsten Tag angehört,
beziehungsweise es kamen ja auch noch zu den Demonstranten, kamen ja noch Leute raus.
Die Christiane Möller vom Deutschen Blinden-Seebehindeverband,
die hat berichtet, der Felix Welty, da waren Politikerinnen wie Corinna Rüffer,
Heike Heubach, Sören Pellmann.
Also man hat so einen Eindruck davon bekommen, was drinnen los war.
Aber ich sage mal, was das Beschämendste war, was drinnen los war.
Es fand also eine Anhörung des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales statt.
Und das Ausschusssekretariat, die Verantwortlichen wussten, wenn so ein Thema
auf der Tagesordnung steht und vor allem mit einer solchen Brisanz, weil über das
Behindertengleichstellungsgesetz, über Barrierefreiheit streiten wir jetzt schon
seit vier, fünf Jahren, massiv, eigentlich immer, schon immer und es war klar, ja.
Und dann kommen sozusagen Leute hin, in dem Fall waren es vier Personen,
die einen Rollstuhl nutzen.
Und denen sagt man, nee, ihr dürft nicht in den Saal, obwohl sie sich ordnungsgemäß
angemeldet haben, Einlass ins Paul-Löbe-Haus bekommen haben.
Ja, wir haben nur einen Platz für einen Rollstuhlnutzer. Und wenn dieser Rollstuhlnutzer,
der als Sachverständiger eingeladen ist, dann jetzt nicht mal bei den anderen
Sachverständigen sitzen kann, weil da Stufen sind,
sondern oben bei den Abgeordneten eigentlich da jetzt isoliert in der Nähe der
AfD-Leute sitzen muss, Dann frage ich mich um Himmels Willen, wie
wollen die Verantwortlichen, wie wollen die Mitglieder eines solchen Ausschusses
des Bundestages uns irgendwas über Barrierefreiheit erzählen.
Wenn dann sowas ist?
Und dann kommen wir natürlich zum Inhaltlichen. Also wie gesagt,
das ist für sich, ich verstehe es nicht. Also man kann wirklich auch,
ich sage mal, man kann Vorlagen für Kritik liefern.
Das hat der Ausschuss bestens geschafft. Aber inhaltlich fand ich,
Christiane Möller war richtig gut vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband.
Sie hat auch nochmal an die Wirtschaft appelliert. Da hat ein Vertreter des
Handelsverbandes vorgerechnet, was es denn alles kosten kann,
behinderte Kundinnen und was sie da alles tun müssen.
Und dann hat er mit irgendwelchen Millionen und die acht Millionen behinderten
Menschen, hat er irgendwas hochgerechnet, wie furchtbar das alles ist.
Christiane Möller ist dann irgendwann, als sie dran war, der Kragen geplatzt
und hat sie mal gesagt, jetzt noch ein Wort schnell an die Wirtschaft.
Wenn ich nur höre, dass wir Belastung sind und nicht gesehen wird,
dass wir Kundinnen und Kunden sind, die auch gerne einkaufen,
die einkaufen wollen, einkaufen müssen,
dann muss ich sagen, dann bin ich da beschämt und enttäuscht.
Also da hat sie richtig mal die Dinge auf den Punkt gebracht,
aber auch inhaltlich jetzt mal davon abgesehen, dass Wilfried Oellers dem schien
das Thema Assistenzhunde so einen großen Raum einzunehmen.
Der AfD waren die Assistenzhunde. Das sind immer so, das sind wichtige Themen,
aber in diesem Gesetzgebungsverfahren war es Gott nicht irgendwie das größte Thema.
Und wenn da immer so abgelenkt wird, und ich denke, die Sachverständigen haben
eigentlich schon klar gemacht, dass angemessene Vorkehrungen für sich schon eine Abwägung ist.
Man verlangt von keinem kleinen Geschäft, dass es jetzt hier 50.000,
100.000 Euro für eine Maßnahme zur Barrierefreiheit in die Hand nehmen muss,
sondern die können eine Rampe anlegen.
Wir haben Lego-Rampen, die können andere kleinere Maßnahmen,
mal vielleicht hier irgendwie ein Haltegriff oder sonst irgendwas oder eine
kleine Unterstützung behinderter Kunden, wie man auch andere Kunden unterstützt.
Und ich finde, die Sachverständigen, die haben schon ganz klar ihren Punkt gemacht
und das ist vielleicht auch der Grund, weshalb
diese Behandlung des Behindertengleichstellungsgesetzes jetzt nicht mehr in
der letzten Sitzungswoche, wie viele gedacht haben, des Bundestages stattfindet, auf der Tagesordnung
für die Sitzung vom 8.
Bis 10. Juli ist das Thema nicht drin. Also ich vermute mal,
dass die Anhörung und auch diese Geschlossenheit der Expertinnen und Experten,
doch noch mal kräftig Diskussions gegeben hat für Änderungsvorschläge.
Und ich hoffe da natürlich stark einerseits auf die SPD, dass sie auch wirklich dafür kämpft.
Die Heike Heubach, die selber gehörlos ist, die die Behindertenbeauftragte der
SPD-Bundestagsfraktion ist, die ackert richtig, die kam auch raus zu den Demonstranten,
die hat gefragt, die hält im Bundestag engagierte Reden.
Ich hoffe, sie schafft da was. Und ich hoffe natürlich auch.
Dass die Abgeordneten der CDU, CSU nicht einfach nur ihrer Wirtschaftsministerin
reiche folgen und einfach nur alles blockieren, sondern dass sie mit Sinn und Verstand erkennen.
Dass auch für ihre Wählerschicht, und das hat der Felix Welty,
der Professor an der Universität Kassel auch nochmal im Gespräch mit den Demonstranten
draußen gezeigt, klar gesagt, er versteht nicht.
Viele Wählerinnen und Wähler, gerade der CDU, CSU, die sind über 60,
die haben selber Einschränkungen und allein schon für diese Gruppe,
nicht, dass es für behinderte Menschen genauso wichtig ist, aber allein schon
für diese Gruppe würde man doch vermuten, dass sie ernsthafte Verbesserungen
statt lediglich irgendwelche Appelle
beschließen wollen. Also man darf gespannt sein.
Das liegt sicherlich daran, weil viele Abgeordnete oder viele Politiker oder
viele auch in der Wirtschaft noch nicht gecheckt haben, dass Barrierefreiheit
nicht nur für Menschen mit Behinderung gedacht ist.
Wir Menschen mit Behinderung sind da auch manchmal in der Pflicht, das mal aus dieser
kuscheligen Ecke der Behinderung rauszuheben, sondern in die Gesellschaft,
weil da sind so viele Menschen betroffen und da reden wir nicht mehr von 8 Millionen
oder von 15 Prozent, sondern wir reden da höchstwahrscheinlich schon fast von
30, 40, 50 Prozent, die betroffen sind.
Ja, ich finde, es ist auch eine Frage der Empathie, also übersetztes Einfühlungsvermögen.
Trotte ich nur durch meine Welt und lebe, wie es mir gefällt,
gucke nicht nach links und rechts.
Ich glaube, da kann man schon an einigem ganz gut durchkommen.
Wenn einem dann mal irgendwie was passiert, eine Verspätung bei der Bahn,
dann ist man entsetzt, dann ärgert man sich.
Aber ich sage mal, nach links und rechts zu schauen, Einfühlungsvermögen zu
haben, wie könnte es der Person gehen,
die jetzt hier vor dem Laden steht, während ich einfach nur reinlaufe,
mein Zeug kaufe und diese Person kommt nicht rein. Nein, diese Person ist ausgeschlossen.
Diese Person kann nicht in ein Restaurant gehen, weil sie sozusagen hier nicht auf die Toilette kann.
Für diese Person sind die Informationen nicht barrierefrei zugänglich.
Also schaut man ein bisschen links und rechts. Und wenn man solche Einfühlungsvermögen
hat, dann muss es uns doch in Deutschland an jedem Eck irgendwo ein Lichtchen aufgehen.
Und das frage ich mich halt auch. Wäre ich jetzt Mitglied im Ausschuss gewesen bei dieser Anhörung?
Und es wurde dann ja auch gesagt, dass es über Fernsehbildschirme übertragen
wird ins Foyer, weil der Bundestag hier noch Probleme mit Barrierefreiheit hat.
Steht dann nicht mal jemand auf und sagt, Moment, wenn diese Leute hier nicht
gleichberechtigt an der Anhörung als Gäste teilhaben können,
lasst uns jetzt nach einem Weg suchen, wie wir das hinkriegen.
Und wenn wir alle raus ins Foyer gehen, also wo kommt Einfühlungsvermögen,
Solidarität, füreinander einstehen, zum Tragen? Und das vermisse ich ganz oft bei Barrierefreiheit.
Oft gehen dann Leute vorbei, denken sich vielleicht auch, das ist ungerecht,
aber es bleibt dann oft dabei hängen, oh, die Armen, die sind ja behindert.
Ganz im Gegenteil, die Leute werden behindert und dagegen kann man auch was tun.
Glaubst du an eine Verbesserung noch? Hast du noch Hoffnung,
dass, wurde zwar schon mehrfach gesagt, das Gesetz geht nie so rein,
wie es rauskommt oder raus, wie es reingeht, bla bla bla, aber man kann ja noch,
also vielleicht schlimmer geht es nicht, aber schlimmer geht immer. Hast du noch Hoffnung?
Also ich muss mich ja täglich auch immer wieder an den wenigen Haaren,
die mir noch verbleiben, hochziehen und hochraffen.
Und ich habe Tage, wo ich denke, was wollen wir denn noch tun?
Wir haben jetzt wirklich alles getan. Wir haben aufgeklärt, wir haben Gespräche geführt.
Die Aktivisten haben sogar das Wirtschaftsministerium am Tag der offenen Tür
der Bundesregierung besetzt.
Also unser Teil, ich glaube, wir haben den gemacht, auch wenn jetzt vielleicht
nach der Sommerpause nochmal Proteste nötig sind.
Aber ich glaube, ich habe schon noch Hoffnung. Ich habe noch Hoffnung,
dass es Abgeordnete gibt, die auch für Verbesserungen kämpfen.
Das Problem daran wird sein, dass wir uns nicht blenden lassen.
Weil ich vermute, es wird Änderungsanträge geben.
Und ich sage mal, ob jetzt der Bund mit seinen Gebäuden wirklich erst 2045 voll
barrierefrei in seinen Gebäuden und Angeboten sein muss.
Und ja, da kann man sich freuen, wenn es vielleicht am Ende 2.40, 2.35 wird.
Oder wenn bei den Assistenzhunden noch ein bisschen was verbessert wird.
Ja, da kann man sich auch freuen.
Das ist gut für die Nutzerinnen von Assistenzhunden. Aber ich sage mal,
das ist eine Aufgabe der Regierung, auch über ein Kompetenzzentrum,
Gebärdensprache, leichte Sprache.
Da kann man sich auch freuen. Aber ich sage mal, ja, liebe Bundesregierung,
es ist doch eigentlich eure originäre Aufgabe, dass ihr euch kompetent macht,
wenn es in Gesetzen drinsteht.
Also die große Frage wird sein, können wir uns über wirkliche Veränderungen,
also raus mit diesem Satz, dass behinderte Menschen sozusagen diese unverhältnismäßige
Belastung für Unternehmen sind, das geht gar nicht.
Und ich sage mal so, wenn dieser Satz immer noch drinsteht, also dann bin ich
nicht nur verärgert, ich schäme mich dann für unser Land und das wird die große
Frage sein, kriegen wir substanzielle Veränderungen, Aber Sascha,
ich glaube noch dran. Ich glaube bis zum Schluss.
Drinnen wurde diskutiert, draußen wurde demonstriert. Du hast schon ein bisschen
angedeutet mit dem Begriff oder mit dem Motto, mit Behinderung ist zu rechnen,
wurde demonstriert. Die Demonstration sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit.
Ja, wie groß war die Beteiligung? Du hast es schon vorhin angedeutet.
Es gab aber nicht nur die Beteiligung vor Ort, aber wie war so dein Gefühl von der Beteiligung?
Also ich war froh um jede und jeden Einzelnen, die ich da gesehen habe in der
Hitze vor der Ausschusssitzung am 22. Juni von 14 bis fast 18 Uhr.
Da war ich stolz, weil da kamen auch viele Leute mit höherem Unterstützungsbedarf,
mit ganz verschiedenen Behinderungen.
Und das fand ich schon toll, diese Vielfalt, die wir hatten.
Aber jetzt sind wir mal ehrlich, also ich hatte meine Erwartungen runtergeschraubt,
weil bei Protesten vor dem Bundestag waren es 50 Leute.
Und wir haben aber den Gegensatz gehabt, als es am 5.
Mai um diese Demonstrationen ging zum Protesttag. Da meldete die Tagesschau 6.000 für Berlin.
Und da frage ich mich dann schon, wie solidarisch sind wir untereinander?
Sind wir solidarisch, wenn es um Leistungskürzungen geht, wenn,
ich sage mal, Beschäftigte von Einrichtungen selber vielleicht das Gefühl haben,
es geht ihnen ans Fell, weil irgendwas gestrichen wird.
Da wird dann mobilisiert, aber Barrierefreiheit ist nur 200,
also nur jetzt in Anführungszeichen, nur 200 Demonstranten wert.
Da sage ich mal so, wir erleben es immer wieder, dass wenn es um unsere ureigensten
Themen geht, die behinderte Menschen betreffen, und das ist nun mal Barrierefreiheit.
Wo so mancher Sozialarbeiter, ich bin selber einer, links und rechts vorbeiläuft
und ins Gebäude geht, während die anderen draußen stehen.
Da finde ich, da haben wir noch enormen Entwicklungsbedarf.
Und von daher, wie gesagt, ich bin froh, wie es gelaufen ist.
Ich bin aber notorisch unzufrieden mit der Solidarität und mit dem,
was eigentlich nötig wäre, um hier wirklich mal in Deutschland kraftvoll zu
zeigen, so geht es nicht.
Haben Politik und Medien für dich ausreichend reagiert auf diese Demonstrationen?
Also Politik und Medien, da muss man ja nochmal sagen, wir hatten ja Vorläufer.
Erst sollte am 16. April die Debatte im Bundestag, also die erste Lesung stattfinden.
Das haben sie ja dann verschoben auf den 7. Mai.
Und da wurde jeweils vorher schon demonstriert. Und ich finde,
da haben die Medien ganz gut diese Kritik aufgenommen.
Manche Medien haben auch einfach nur das rausposaunt, was die Bundesregierung,
ich sage mal in ihren Verlautbarungen, was das Gesetz jetzt tut,
einfach nur platt berichtet. Aber es wurde auch über die Proteste berichtet.
Es gab auch interessierte, engagierte Journalistinnen und Journalisten.
Jetzt am 22. Juni, als ein richtig guter Protest war, ja, da,
sage ich mal, war das Medienecho jetzt vor Ort nicht so groß.
Es gab durchaus Medien, die dann hinterher berichtet haben. Die Frankfurter
Rundschau war da, da waren also auch in Berlin.
Aber da wäre natürlich noch mehr gegangen. Jetzt müssen wir natürlich wissen,
in welchem Umfeld wir uns bewegen.
Wir debattieren täglich im Moment über Hitze. Wir haben die Fußball-Weltmeisterschaft
und die Regierung tischt uns,
eigentlich, du hast gesagt in Eingangs, fast jeden Tag irgendwie einen neuen
Punkt auf, wo man trefflich streitet und noch mehr streiten könnte.
Und das ist natürlich auch eine Taktik.
Donald Trump kann das wunderbar. Man erschlägt die Menschen förmlich mit
irgendwelchen Debatten, mit Szenarien, was gekürzt wird oder gekürzt werden
muss, sodass es jedem eigentlich irgendwie schwirrt.
Und jetzt kommen noch behinderte Menschen her und demonstrieren für Barrierefreiheit.
Also da wäre medikentechnisch noch viel mehr gegangen.
Ich denke, die Veranstalter haben hier richtig viel probiert,
aber auf Social Media war das richtig gut präsent, zum Teil auch gut gemacht,
aber in die Tagesschau schafft man es halt nicht jeden Tag.
Und wir hören uns jetzt einfach mal ein bisschen Demonstrationsfeeling an.
Du hast mir ein paar O-Tünne zusammengestellt oder geschickt.
Ich haue die einfach jetzt mal hier zusammen, so als kleines Medley-Portpuri.
Und dann geht es weiter in unserem Gespräch. Also einmal Protest,
so hat sich das alles in Berlin angehört.
Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Rechte glaubt.
Wir sind hier, wir sind laut.
Weil man uns die Rechte glaubt. Wir sind hier, wir sind laut,
weil man uns die Rechte klaut. Und wir wollen hier auf den Angeln heben.
Truppel, die kämpfen, sind Truppel, die heben. Lass uns das System auf den Angeln heben.
Die Reform, die bringt uns nichts. BGD, das ist ein Witz. Die Reform, die bringt uns nichts.
No peace, fight ableism, no access, no peace, fight ableism,
no access, no peace, fight ableism.
Unser nächstes Thema, lieber Ottmar, das heißt Sparen bei der Eingliederungshilfe.
Es geht ja nicht nur um unser Bundesteilhabe-Gleichstellungsgesetz, es geht ja um viel mehr.
Die Rentenreform wird jetzt durchgeboxt, da wurden irgendwelche Entscheidungen getroffen.
Das wird ja dann einfach mal so umgesetzt, ohne Wenn und Aber und ohne Nacht
mit der Wimper zu zucken.
Warum sorgt dieses Thema, die Sparungen bei der Einglückungshilfe,
momentan für so viel Unruhe?
Ja, Unruhe haben wir ja im Moment in ganz vielen Bereichen. Du hast das angedeutet,
Rente, das ist die Krankenversicherung, die Krankenhausreform.
Wir haben ja im Moment alle möglichen Aufreger und überall hat man so das Gefühl,
an den Menschen, an denjenigen, die auf solche Leistungen angewiesen sind,
Rentnerinnen, Rentner,
kranke Menschen, behinderte Menschen, die zahlen jetzt die Zeche unter dem Motto,
Ja, wir müssen ja alle in den Gürtel etwas enger schnallen.
Und da ist es richtig schwierig durchzublicken. Ich selber, der ja wirklich
viel Politik verfolgt, ich habe manchmal das Gefühl, ich habe gar keine Ahnung
mehr, wo wir gerade stehen.
Es müsste mal wirklich, vielleicht gibt es das ja, so eine Seite geben,
wo man genau sagt, okay, Rentenreform, da ist noch nichts im Parlament,
da hat eine Kommission Vorschläge vorgestellt.
Aber bei der Reform von mir aus der Kinder- und Jugendhilfe,
wo es auch um Inklusion geht, die haben schon einen Referentenentwurf, da wird es bald ernst.
Das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz ist schon im Parlament.
Da wird es dann nach der Sommerpause auch eine Anhörung geben.
Also man blickt nicht richtig durch. Aber ich sage mal, bei der Eingliederungshilfe,
ist es offensichtlich, was uns da droht, weil da wurde ein Boden bereitet.
Wir haben ja hier im Monatsrückblick schon mal, ich glaube, im Dezember 2024 über Boris Palmer,
der Parteilose jetzt inzwischen, Oberbürgermeister von Tübingen gesprochen,
der gesagt hat, naja, Inklusion, schulische Inklusion, das funktioniert doch
nicht, die Eltern sind nicht zufrieden, die Betroffenen, die Lehrer,
ja, vielleicht muss man mal nachdenken, dass das so gar nicht klappt, dass wir das mal lassen.
Und da wurde ein Boden bereitet, über Monate. Der Boden wurde im Wahlkampf bereitet
und Friedrich Merz hat das Seine dazu getan, immer wieder deutlich zu machen,
jo, wir müssen einsparen.
Und zwar kräftig einsparen, einige Milliarden. Und dann kommt Entbürokratisierung.
Da fragt man sich, naja, wie viel kann man in der Bürokratie sparen?
Dann kommt, naja, wir müssen die Leistungen effizienter gestalten.
Da wird man schon ein bisschen hellhöriger.
Was bedeutet das genau? Was bedeutet das für den Einzelnen?
Und bei der Eingliederungshilfe ist es so, das kommt so richtig scheibchenweise.
Und das Problem oder vielleicht das Gute ist, es gibt ja noch gar keine Gesetzesformulierung,
was man wie irgendwie ändern würde, außer im Kinder- und Jugendhilfegesetz,
wo es auch um die schulische Inklusion geht.
Und das reicht schon. Und das ist so ein Punkt, glaube ich, wo sich es deutlich macht.
Bei dieser Eingliederungshilfediskussion, da gibt es jetzt ja auch ein Papier,
das wurde auch bei der Ministerpräsidentenkonferenz zusammen mit dem Bundeskanzler,
wurde das auch jetzt veröffentlicht.
Und da ist sozusagen gerade im schulischen Bereich ein massiver Umschwung geplant.
Also wir haben ja jetzt den individuellen Rechtsanspruch auf Schulassistenz,
wer dieses halt braucht und bewilligt bekommt.
Das soll jetzt strukturell gelöst werden. Also irgendwie sollen die Schulen,
die Hochschulen, die Kindertagesstätten sicherstellen, dass da irgendwie Assistenz
gibt und behinderte Menschen haben das jetzt nicht mehr individuell,
sondern das soll irgendwie,
strukturell und irgendwie was weiß ich wie finanziert werden.
Ja, und da rechnet man mit massiven Einsparungen.
Das kann sicherlich an der einen oder anderen Stelle Sinn machen.
Natürlich, man kann da gute Modelle machen.
Aber wenn dann, ich sage mal, der individuelle Anspruch die Ausnahme wird und Eltern beantworten.
Ja, die Kinder, Jugendlichen oder auch die Studierenden, dann,
wenn sie merken, mein Bedarf wird gar nicht gedeckt, da heißt es dann wieder,
ach, da ist jemand krank oder da haben wir gar nichts Personal dafür.
Jetzt müssen die sich mühsam beim Kostenträger durchkämpfen.
Und das sind ganz konkrete Pläne und das erregt natürlich die Gemüter,
weil, ich sage mal, unsere hart erkämpften individuellen Ansprüche,
dass ich sagen kann, ja, das ist mein Bedarf und diese Assistenz brauche ich.
Die werden jetzt wieder zurückgewischt in ein, ich sage mal,
Konstrukt, das nicht mehr überschaubar ist.
Und wie wenn man in einer Einrichtung lebt und dann sagt man,
ah, ich würde jetzt gerne mal raus und Eis essen gehen.
Dann heißt es, ja, ja, das ist eigentlich, ja, das haben wir eigentlich am Anfang.
Aber wir haben gerade nicht genug Personal. Du verstehst doch,
wir haben einen hohen Krankenstand.
Und du bist einsortiert in diesem Gemisch mit verschiedenen Leuten.
Und du kannst nicht mehr sagen, ja, aber mein Recht ist es, dass ich diese Woche
8, 6, 15, 12 oder wie viele es auch immer sind Stunden habe,
wo ich die Assistenz bekomme zur sozialen Teilhabe.
Und das lädt dann vielleicht noch den Satz dazu, es bleibt nicht bei der Schulassistenz hängen.
In dem Papier wird jetzt dann auch über die soziale Teilhabe,
über Assistenz, wo man auch ins Poolen und das Poolen klingt ja noch harmlos,
vor allem wenn es so heiß ist, dann denkt man noch an Swimmingpool.
Aber nein, Poolen ist der alte Mist von früher.
Du bist einsortiert in irgendeine Einrichtung oder irgendein Angebot und kannst
froh sein, wenn man dir hilft. Und wenn du was anderes willst,
musst du zukünftig mit den Behörden wieder streiten.
Und wir wissen, wie das mit so Behörden ist. Du hattest ja jetzt eine erste
Folge einer neuen Podcast-Reihe hingehört und da merkt man, wie es manchmal kleine,
vermeintlich kleine Verwaltungsvorschriften sind, wo die Betroffenen mürbe werden,
sich die Hacken ablaufen, damit ein Kind mal eine Stunde früher aus einer.
Betreuungseinrichtung nach Hause kommt, weil es einfach erschöpft ist.
Das geht dann nicht, weil man ist einsortiert bzw.
Man muss lange dafür kämpfen. Und das ist das große Risiko, dass wir zurück, sage ich mal,
in die 1980er Jahre katapultiert werden, wo
pauschale Angebote für behinderte Menschen, aber Personenzentrierung,
was braucht der Mensch, darauf gucken, das auch entsprechend zu bewilligen, unter die Räder kommt.
Keine Panikmacherei, sondern richtige Gefahr und eine Klatsche gegen die UN-Binnenrechtskonvention.
Das ist ja völlig konträr. Kann das denn so durchgehen?
Ja, ich glaube, es geht durch. Ich war gerade heute, am 30. Juni,
in einer Pressekonferenz vom Deutschen Institut für Menschenrechte.
Die haben eine große Elternbefragung gemacht zur schulischen Inklusion.
Und die haben da 7500 Eltern befragt, also schon eine umfassende Studie.
Und da klang das auch nochmal so an.
UN-Behindernrechtskonvention hat uns Schwung gebracht. 2009 wurde sie in Kraft
getreten, eigentlich Gesetzesnorm.
Das hat uns schon Schwung gebracht in der Diskussion, auch in Weiterentwicklungen,
Bundesteilhabegesetz.
Aber jetzt merkt man richtig, wie es rückwärts geht und in
einem der Statements der Wissenschaftlerinnen, die da gemacht wurden,
war auch, ja, man merkt, wie sich
das Argument, wir haben die UN-Behindernrechtskonvention und die Tatsache,
dass wir hier eigentlich gesetzliche Verpflichtungen haben, ja,
wie das sich abnutzt, wie das bewusst beiseite geschoben, wie es ignoriert wird.
Und ja, wir können natürlich versuchen, wieder gegen bestimmte Regelungen zu
klagen, vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen.
Aber wenn wir noch Zeit haben, dann habe ich dir noch ein Beispiel,
wo man sieht, wie mühsam das einfach ist.
Also von daher, die UN-Behindertenrechtskonvention ist für uns ein ganz,
ganz wichtiges Werkzeug. Und wenn irgendjemand kommt und sagt,
das bringt ja nichts, das taugt ja nichts, da bin ich der Erste,
der sich mit jedem und jeder streitet.
Aber es ist natürlich auch nicht so einfach, dass wir immer rufen UN-Behindertenrechtskonvention.
Wenn der Gesetzgeber hier Mist macht, dann müssen wir wieder hinterherkriechen
und das mühsam aufräumen.
Und wenn das jetzt bei der Barrierefreiheit ist und gesagt wird,
Unternehmen müssen nichts tun, behinderte Menschen sind eine unverhältnismäßige
Belastung, was die schon wieder wollen.
Wie sollen wir hinter dieser Regelung wieder aufräumen, mühsam klagen,
weil wir sind dann wieder jahrelang im Rechtsweg.
Also deshalb ist es schon für uns eine Bedrohung, dass sich das abnutzt mit
der UN-Behindertenrechtskonvention, dass ganz viele, die darüber auch in Verwaltungen
reden, da haben doch viele überhaupt keine Ahnung.
Die können doch schon froh sein, wenn sie eine Ahnung haben,
wie ein persönliches Budget funktioniert und was da alles dazugehört.
Und jetzt müssen wir uns dann mit solchen Leuten auseinandersetzen,
die, ich sage mal, Menschenrechte eigentlich in die Tonne treten.
Und das ist schon bitter.
Aber ich sage mal so, wir haben immer für unsere Rechte gekämpft.
Wir hatten zum Teil richtig schlechte Ausgangssituationen und irgendwie sind
wir doch immer wieder mal Schritte vorangekommen und das hoffe ich,
dass das jetzt auch gelingt.
Du hast gesagt, das allgemeine Gleichstellungsgesetz ist schon in der Abgeordnetenkammer.
20 Jahre allgemeines Gleichstellungsgesetz haben wir in diesem Monat gefeiert,
kann man so sagen. Aber es ist ein Gesetz, was definitiv dringend reformiert werden muss.
Was hat dieses Gesetz wirklich gebracht bis jetzt?
Ja, das ist interessant. Das
war der zweite Termin, wo ich im Juni in Berlin war. Das war der 9. Juni.
Und da war die Feier 20 Jahre Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz.
Dieses Gesetz wurde 2006 endlich, sage ich mal, verabschiedet,
weil es gab damals, ich glaube, schon drei oder vier EU-Richtlinien,
die schon längst hätten umgesetzt werden müssen und wo Deutschland wieder verpennt hat.
Und Deutschland hat natürlich auch nur das hauptsächlich umgesetzt,
was es musste, also kein wirkliches Engagement darüber hinaus zu gehen.
Trotzdem, bei dieser 20-Jahr-Feier, wo Ferda Attermann unsere Bundesbeauftragte
für Antidiskriminierung, ich fand, die hat wieder eine richtig tolle Veranstaltung
organisiert, war richtig gut.
Also die ist schon so eine engagierte Herzensperson und ich hoffe,
dass wir mit der neuen Regierungskonstellation, wenn es wieder um die Benennung
geht, dass wir die noch länger bekommen. Also auch wieder so eine Frage.
Ja und was also sich durch diese ganze Veranstaltung zog, war,
was wäre denn, wenn wir das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz nicht hätten?
Und das muss man sich natürlich auch noch mal vor Augen führen.
Als wir es nicht hatten, da konnte man Menschen auf ganz verschiedenen Gründen
schamlos und ohne Konsequenzen diskriminieren.
Und dass das jetzt natürlich immer noch passiert, ist klar.
Ein Gesetz wischt sowas nicht weg. Und dass wir jetzt auch in einer Zeit leben,
wo die Antidiskriminierungsstelle in ihrem Bericht für 2025 wieder einen massiven
Anstieg von Eingaben hatte.
Jetzt haben sich schon über 13.000 Leute im Jahr 2025 bei der Antidiskriminierungsstelle
des Bundes gemeldet, weil sie Diskriminierungserfahrungen gemacht haben.
Und das ist trotz dieses Gesetzes noch. Jetzt könnte man sagen,
naja, das bringt nichts. Aber wir haben natürlich auch viele Veränderungen erreicht.
Unternehmen müssen sich damit auseinandersetzen, dass sie nicht diskriminieren.
Da wurden gerade im Arbeitsrecht auch eine ganze Reihe von Klagen gewonnen.
Wir haben da einiges nur. Jetzt sind wir 20 Jahre weiter von 2006.
Das Gesetz ist schon längst volljährig. Das ist jetzt also schon 20 Jahre.
Und was verändert sich in einem Wesen bzw.
In einer Gesellschaft in 20 Jahren? Und deshalb muss dieses Gesetz eigentlich
dringend nachgebessert werden.
Und da fand ich schon ernüchternd, was die jetzige Justizministerin dort erzählt
hat und die ehemalige, die damals 2006 für das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verantwortlich war.
Ja, es war, oh wie gut, dass wir das haben, oh wie schön, aber es war kein Ehrgeiz
für die Weiterentwicklung und das ist das Traurige und das hat sich auch in
der Bundestagsdebatte in der ersten
Lesung zur Reform des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes gezeigt.
Und ja, da wird die Zufriedenheit, wie gut, dass wir das haben.
Ja, das müssen wir verteidigen.
Aber da ist kein Engagement drin. Und ich sage mal so, auch da wird die Frage
sein, was passiert nach der Sommerpause? Kriegen wir hier noch Verbesserungen?
Da gibt es auch Abgeordnete, auch aus der Regierungskoalition, die dafür kämpfen.
Und da wird man auch am Ende gucken, was kommt dabei raus. Aber der Gesetzentwurf,
der ist enttäuschend. Und jetzt komme ich noch kurz zu diesem Punkt,
der dringend notwendig war.
21. Mai hat der Bundesgerichtshof ja sozusagen einer Reha-Klinik recht gegeben,
die eine blinde Frau sozusagen trotz Vorgespräch und allem, die schon angereist
war, der dann sozusagen sagt,
wir nehmen sie nicht aufgrund ihrer Blindheit und das auch noch in Schein reinschreibt.
Die Frau musste zurück ins Krankenhaus, die hat geklagt bis vor den Bundesgerichtshof
mit Unterstützung der Kanzlei.
Menschen und Rechte. Sascha, du hattest mit denen ja auch schon zu tun.
Und die Quintessenz war, im Gesetz steht ja nicht drin, dass es angemessene
Vorkehrungen beim Allgemeingleichbehandlungsgesetz geben muss.
Da steht sozusagen, das ist ja dann eine Belastung für Unternehmen und das soll
doch staatlich geregelt werden.
Wir hatten das letzte Mal darüber gesprochen und da finde ich,
wenn so ein Urteil gesprochen wird und beim Gesetzgeber die Glocken nicht läuten
und sagen, Mensch, hier müssen wir Menschen vor Diskriminierung bei einer Reha-Maßnahme.
Das ist, ich sage mal, Menschen mit Beeinträchtigung ist deren reguläres Geschäft.
Also da hätte ich mir von dem Gesetzentwurf wesentlich mehr erwartet. Also zusammenfassend.
Gut, dass wir das Gesetz haben, es hat aber noch sehr viel Nachbesserungsbedarf
und der vorliegende Gesetzentwurf ist, ja, ich finde, fast genauso schlecht
wie der zum Behindertengleichstellungsgesetz.
Die RBM, ist das in Marburg die rechte Menschen von Michael Richter und seinen Kollegen?
Eine Rechtsanwaltskanzlei, die prinzipiell hauptsächlich für Blinden und Sehbehinderte
da ist, für deren Mitglieder und sich dann im Sozialgerichtsthema bewegen wird.
Damit wir das nochmal richtig gestellt haben.
Danke dir. KI und Menschen mit Behinderung. Besonders Frauen mit Behinderungen,
drohen abgehängt zu werden. Das war ein Titel bei euch. Warum?
Und warum besonders Frauen mit Behinderung?
Ja, jetzt könnte man natürlich die KI befragen, was sie davon hält,
wenn die sowas behaupten.
Oder ob die KI von sich schon denkt, dass sie perfekt ist.
Ja, da hatte sich das Netzwerk behinderter Frauen in Nordrhein-Westfalen zu Wort gemeldet.
Die sind immer ganz rege und die hatten da auch eine Veranstaltung.
Und das ist ja schon so eine Befürchtung, nicht nur für Frauen,
für behinderte Menschen, sondern ich sage mal, das ist eine Befürchtung für
viele Gruppen. Darum ist es auch zum Beispiel für den Antidiskriminierungsschutz wichtig.
Werden wir am Ende noch durch irgendwelche KI diskriminiert?
Weil sie von mir aus erkennt, nicht deutscher Herkunft oder was weiß ich,
dieser Mensch, der sich hier bewirbt, der ist übergewichtig,
den nehmen wir nicht oder sonst irgendwas.
Oder natürlich auch beim Thema Behinderung. Also man muss aufpassen,
dass durch künstliche Intelligenz, da lasse ich mich gerne von der KI korrigieren,
sie baut ja ganz stark auf dem auf, was schon im Netz ist.
Und da haben wir natürlich über behinderte Menschen, aber auch über behinderte
Frauen, haben wir da natürlich Bilder, die verbreitet sind. Ich sage mal,
die gehören in die Klamottenkiste der Geschichte.
Die geistern ja immer noch im Internet rum, wo irgendwelche Platteneinstellungen
wiedergegeben wird. Das können die nicht oder sonst was.
Und da muss man aufpassen, was saugt so eine künstliche Intelligenz auf und
was wird dann bei passender oder unpassender Gelegenheit richtig oder nicht
so wie wir es denken, falsch oder wie auch immer wiedergegeben.
Das ist so der eine Punkt.
Ich habe viele Diskussionen erlebt, auch mit Einrichtungen.
Vor einigen Jahren, da war auch das ganze Thema Digitalisierung bei den Inklusionstagen
Thema und es war erstaunlich, welche Stimmen ich da zum Beispiel auch aus Einrichtungen
für behinderte Menschen gehört habe.
Und wir haben ja auch viele Frauen,
behinderte Frauen, die in Werkstätten arbeiten, in Wohnheimen leben.
Und da ist natürlich so der Punkt, wie kriege ich überhaupt Zugang zum Computer,
zum Internet, zur künstlichen Intelligenz?
Und ich will jetzt mal diese Argumente von damals, von wegen,
ja, das kann ja süchtig machen, ja,
das überfordert die Leute, also diese ganze paternalistische Denkweise,
was behinderte Menschen können oder was nicht gut für sie ist.
Da haben wir einige Sachen gehört, ich bin fast vom Stuhl gesprungen.
Jetzt sind wir natürlich einige Jahre weiter. Wir haben jetzt einige Möglichkeiten,
aber behinderte Menschen selber, aber auch viele behinderte Frauen,
gerade auch wenn sie weniger Geld haben.
Ist es natürlich noch mal viel schwieriger, an künstliche Intelligenz,
ich sage mal, an gute Informationen ranzukommen, zu lernen, wie man damit umgeht.
Wird man dabei unterstützt, dass ich auch meine sozialen Medien,
künstliche Intelligenz und all das nutzen kann?
Und es kommt natürlich noch mal ein Punkt dazu, kann ich es überprüfen? Kann ich es einordnen?
Und auch hier haben wir Gefahren.
Also Frauen sind ja eh diejenigen, die auch mehr über ihre Probleme reden.
Und es gibt ja inzwischen einige, die auch mit der künstlichen Intelligenz sprechen, kommunizieren.
Und da haben wir ja auch schon mitbekommen, dass das gerade für Menschen,
die jetzt psychisch labil sind oder psychische Beeinträchtigungen haben,
dass das manchmal auch ganz schön ein Hammer ist und auch, ich sage mal,
ein bisschen abhängig machen kann, weil die loben dich ja auch,
die künstliche Intelligenz und lauter solche Sachen.
Und darum finde ich es schon richtig zu gucken, wo stehen wir da?
Und vor allem auch, wie behinderte Menschen diesen Zugang. Es ist ja ein riesiger
Pool an Informationen, aber auch zu kritischen Bewertungen bekommen.
Von daher bin ich da ganz froh, dass die sich da auch zu Wort gemeldet haben
und dass man da einen besonderen Fokus auch nochmal auf behinderte Frauen nehmen
muss, Weil das ist wie bei der Beschäftigung, wenn man die Zahlen undifferenziert
betrachtet. Dann denkt man, naja, okay.
Aber sieht man dann, da sind ja viel mehr Frauen, sind in Einrichtungen,
sind in prekären Beschäftigungsverhältnissen.
Also man muss schon genau hingucken, was bedeutet das auch alles für behinderte Frauen.
Lass die KI da gerne sagen, was sie davon hält. Das machen wir dann ein andermal.
Das habe ich sie nämlich nicht gefragt. Die KI hat zwar die Fragen heute zusammengestellt.
Das habe ich dir KI überlassen.
Bis jetzt geht das ja noch. Also wir haben keinen Blödsinn erzählt.
Übrigens, wie habe ich das gemacht? Ich habe zur KI gesagt, gehe auf kobinet-nachrichten.org,
und sammle mir mal zuerst mal 20 gute, verschiedene, diverse Artikel zusammen.
Das war der erste Auftrag. Dann habe ich gesagt, ich hätte gerne einen guten,
prägnanten Titel für die Podcast-Episode. Da hat sie ein bisschen versagt,
aber ich habe dann aus zwei Titeln einen gemacht. Den seht ihr dann,
wenn die Episode veröffentlicht ist. Also das seht ihr dann jetzt schon.
Dann war mein dritter Auftrag. Ich habe gesagt, ich habe jetzt keine Lust,
daraus Fragen zu stellen oder was zusammenzubasteln.
Mach du mal eine Podcast-Folge als Skript für Opmar.
Du kennst uns ja. Du hast ja schon ganz oft Show Notes geschrieben, mitgeschrieben.
Und dann habe ich gesagt, okay, jetzt gehst du aber hin und willst das Ganze
mal gar nicht mehr kontrollieren, sondern du nimmst das so brühwarm,
wie es da ist und probieren mal, was daraus wird und es ist ganz spannend.
Zur Kindsinghals noch eine kleine Anekdote.
Meine älteste Tochter hat irgendwann mal aus Jux und Dollerei in JetGPT meinen
Namen eingegeben und sie war ganz verwundert, dass sie noch Geschwister hätte,
von denen sie gar nichts wusste.
Oh, Sascha, wenn sowas zu Tage tritt. Auf einmal hatte ich eine Schwester, die Morgan hieß.
Und Morgan hat eine Behinderung. Und dadurch bin ich zum Thema Inklusion gekommen.
Und wir haben uns künstlich darüber amüsiert, bis sie dann zur Künstlichen gesagt
hat, bist du sicher, dass das wirklich so ist?
Und dann irgendwann ist die Künstliche Intelligenz zurückgerudert und hat dann
gesagt, dass das nicht so ist. Also Morgan ist nicht meine Tochter,
die heißen Noemi und Lara. Und das ist auch gut so.
Oh Sascha, solche Erfahrungen macht man immer wieder.
Ich merke immer, wenn dann irgendwie die KI mich korrigieren will und sagt,
ja nee, Moment, der Bundesminister für Arbeit und Soziales ist Hubertus Heil
und ich dann sozusagen korrigieren muss und sage, Moment, das war einmal.
Das ist ja auch nicht so einfach, das immer zu differenzieren.
Ist die Information ja auch wirklich aktuell oder irgendwie was Altes?
Aber in gewisser Weise bin ich doch beruhigt, wenn dir noch weitere Kinder angehängt
werden, dann wirst du so schnell nicht in Eagle Podcast Rente gehen und es der
KI überlassen, sondern das hier hoffentlich und engagiert weitermachen.
Aber sicher doch, aber sicher doch.
Irgendwann habe ich ja gesagt, ich will tausend Folgen mindestens machen.
Da haben wir noch ein bisschen Zeit. Und zwar mit der Schnelligkeit,
die ich jetzt schon habe, sind wir schon bald bei 500. Also wir haben noch ein bisschen Zeit.
Wo wir aber noch darauf hinweisen wollen oder was noch ein Thema war,
auch in den Kobinett Nachrichten war das Thema Zugang zum Recht.
Warum ist Barrierefreiheit im Justizsystem immer noch so schwierig?
Das ist eine gute und eine komplexe Frage.
Also ich glaube, das Justizsystem, wir haben natürlich eine Reihe von Juristinnen
und Juristen mit Behinderung.
Das waren ja früher vor allem auch blinde Juristinnen, die den Weg,
ich sage mal, in die Justiz, in die Richterschaft, Anwaltschaft geschafft haben.
Aber ich glaube, wir sind da als behinderte Menschen immer noch weit unterrepräsentiert.
Und dass sozusagen diese Justiz, man tut ja immer so, als ob das alles nur formal
abgeleitet ist. Aber ich sage mal, Juristinnen sind auch Menschen.
Und Juristinnen und Juristen haben auch eigene Einstellungen oder Schwerpunkte, Bewertungen.
Und ich fand das besonders interessant, als ich dort bei der Entscheidungsverkündung
des Bundesgerichtshofs war zu dieser Klage der blinden Frau,
die abgewiesen wurde von der Reha-Einrichtung.
Der Richter hat eigentlich nichts groß zu der Frage, ob das jetzt ein Massengeschäft
ist oder nicht ausgeführt, sondern ihn hat irgendwie viel mehr beschäftigt.
Muss jetzt diese Reha-Einrichtung jetzt irgendwie der Frau ständig helfen?
Oder ist das doch nicht Aufgabe der Gesellschaft, des Gesetzgebers,
der Sozialgesetzgebung?
Und da habe ich auch so gedacht, lieber Richter, die Ausgangsfrage war,
ist das ein Massengeschäft?
Und ich hatte auch mit der Christiane Möller gesprochen. Übrigens,
der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband zieht jetzt zusammen mit dieser.
RBM aus Marburg, Rechte, Behinderten und Menschen, vor das Bundesverfassungsgericht,
weil sie wollen das Urteil des Bundesgerichtshofs nicht akzeptieren.
Aber ja, und da hatte ich so das Gefühl, und das merkt man sicherlich auch bei
einigen Entscheidungen, ja, da spielt natürlich die eigene Einstellung,
die eigene Erfahrungswelt eine ganz große Rolle.
Wen trifft man, wenn man, ich sage mal, Richter, Richterin ist?
In welchen Kreisen bewegt man sich?
Das ist so ein bisschen wie mit Politik. Ja, wo trifft man wirklich behinderte Menschen?
Wo treffe ich Leute, die armer sind? Höchstens, ich mache einen Termin und versuche
mich da irgendwie rauszuwinden, Aber treffe ich die bei Festen im Alltag?
Treffe ich die irgendwie beim Sommerfest des Gerichtes?
Ja, das sind oft noch, ich sage mal, nicht ganz, aber weitgehend behindertenfreie Zonen.
Und in der Umwelt, in der ich mich bewege, von der werde ich natürlich geprägt.
Und klar, wir haben gute Juristinnen und Juristen, die das differenzieren können,
die sich an der UN-Behindertenrechtskonvention orientieren, das auch verstehen,
Grundgesetz mit heranziehen, die verschiedenen Gesetze.
Aber da haben wir riesige Baustellen, sowohl was Entscheidungen angeht,
darum hat auch die Monitoringstelle zur Behindertenrechtskonvention da auch
schon Fortbildungsmaßnahmen durchgeführt, aber natürlich auch wie barrierefrei ist ein Justizgebäude.
Da gibt es ja auch viel zu tun. Ich war in Karlsruhe, wie gesagt,
bei der Bundesgerichtshofentscheidungsverkündung.
Der hat vor sich hin genuschelt. Es gab ein Mikrofon. Ich habe so gut wie nichts verstanden.
Also auch da wieder, achtet man auf Barrierefreiheit oder mache ich meinen Stiefel
wie eh und je, so wie der Deutsche Bundestag, dass halt nur ein Rollstuhlfahrer
bei der Anhörung reinkommt. Und was schert es mich sonst?
Und ich denke, da haben wir bei der Justiz und sicherlich natürlich auch in
einigen anderen Feldern noch ganz viel zu tun.
Ich meine, wir haben ja auch zum Beispiel die Polizei und eine Meldung der Cominant-Nachricht,
die hat mich gefreut, das will ich nochmal kurz sagen, fand ich auch ein gutes Beispiel.
Ein 17-jähriger Blinder-Gymnasiast hat Praktikum gemacht bei der Landeshochschule
der Polizei in Rheinland-Pfalz.
Und da war er nur zwei Wochen, aber da haben ihm der Schwerbehindertenbeauftragte die Tür geöffnet.
Und er hat dort Sensibilisierungsmaßnahmen für Polizistinnen.
Polizisten für Angehende durchgeführt.
Und da denke ich immer, ja, solche Dinge kann man auch gut verbinden,
indem man mal Praktikanten reinholt, natürlich auch Behinderte, Beschäftigte
und dass die Leute schon in der Ausbildung einfach auch mit einigen Themen sensibilisiert
werden und zwar nicht nur so theoretisch, sondern auch ganz praktisch.
Der hat sich da mit denen, glaube ich, auch im Dunkeln irgendwie zusammengesetzt,
um einfach mal eine ganz andere Erfahrungswelt zu kriegen.
Ja, also auch hier diese Mischung zwischen es muss klare Vorschriften geben,
dass sich was ändert, aber man muss natürlich auch an die Leute herandringen,
dass bei denen was hängen bleibt.
Wir hatten ein Jubiläum, nämlich 20 Jahre allgemeines Gleichstellungsgesetz.
Wir haben noch ein Jubiläum, was ich herausgefunden habe. Das fand ich sehr spannend.
Und zwar 10 Jahre, Merkzeichen, taubblind.
Ich kann mir das persönlich nicht vorstellen, taubblind zu sein. Das eine reicht schon.
Ich kann mir beides absolut nicht vorstellen. Ich muss ganz ehrlich sagen,
dass ich mir das auch gar nicht vorstellen möchte. Aber warum war dieses Merkzeichen ein Meilenstein?
Ja, ich kann da vielleicht meine persönliche Erfahrung einbringen.
Also ich bin ja sehbehindert. Wie gesagt, ich komme so irgendwo so durch die
Welt, wo ich mich auskenne. Aber vieles sehe ich auch jetzt irgendwie nicht mehr so richtig.
Und mein Hören lässt immer mehr nach. Und das merke ich in letzter Zeit so richtig.
Und da kann ich auch Hörgeräte aufziehen, was für mich immer so anstrengend ist.
Und ich höre es trotzdem nicht richtig. Ich muss Leute manchmal vier,
fünf Mal fragen. Und ich merke, ich gehe Situationen aus dem Weg.
Ich habe eine gute Kooperation mit meiner Frau, die macht viele Dinge,
ich mache Sachen für sie und ich bin einfach so froh, wenn die irgendwo bestellen
geht, wenn die auch bezahlt, weil ich muss manchmal zwei, dreimal nachfragen.
Und da merke ich, in Kombination verschärft sich das.
Und der Franz Josef Hanke aus Marburg, der blind ist und auch jetzt mit dem
Hören und anderen Behinderungen zu tun hat, der versucht auch immer wieder den
Finger in die Wunde zu legen und zu sagen, Leute,
wir müssen auch auf diese Mehrfacheinschränkungen, auf die Mehrfachbenachteiligungen
auch eingehen, weil da passiert eine ganze Menge.
Und in dieser Diskussion kam vor, also die Diskussion lief schon,
als ich Landesbehindertenbeauftragter war, 2011, war die schon im Gange.
Ja, wie können wir Nachteilsausgleich schaffen für blinde Menschen oder die
als gesetzlich blind anerkannt werden? Das kann auch in Kombination mit Sehbehinderung sein.
Und auch das Hörvermögen entscheidend nachgelassen hat.
Und das war immer so eine Diskussion, braucht man ein Marktzeichen?
Manche haben gesagt, ja, ein Marktzeichen ist schön, aber wir brauchen eigentlich.
Auch entsprechende Veränderungen.
Wir brauchen bessere Akustik, wir brauchen auch das Taubblindengeld.
Das gibt es ja in einigen Bundesländern, in anderen wieder nicht.
Die Höhen sind ganz unterschiedlich. Und das hatte also der Deutsche Blinden-
und Sehbehindernverband. Die hatten ihre Vierjahrestagung, die hatten ihre Verbandsversammlung
und haben da auch neu gewählt. Und die haben das Thema aufgegriffen.
Und ja, wir landen dann ganz schnell bei Helen Keller. Sie ist ja eher so diese
Berühmte, sie war blind, sie war so gut wie taub und war halt dann als Schriftstellerin aktiv.
Und ich glaube, Helen Keller hat an der Stelle und zu dieser Zeit viel Bewusstsein
geschaffen, ja, wie kann es anders gehen, dass auch eine Sprache,
das Lormen, wo also in die Hand
sozusagen getastet wird, wo man dann an Buchstaben auch verstehen kann.
Also ich finde es unheimlich wichtig, dass wir da einen Fokus drauf haben,
ob dieses TBL im Ausweis jetzt der Weisheit letzter Schluss ist und wie weit
das geht, ob wir jetzt für jede Einschränkung irgendwie ein eigenes Werkzeichen brauchen.
Ich glaube, wir sind jetzt an der Zeit, wo wir gucken müssen.
Und da sind wir wieder bei dieser Indie-Welle. Welche Unterstützung brauchen die Leute?
Kommen die mit dem Blindengeld oder wo es gibt Taubblindengeld klar?
Was brauchen sie sonst noch zur sozialen Teilhabe? Wie kann man das Antragstellen
erleichtern? Wie kann man beruflichen Zugang ermöglichen?
Ja, wie kann man auch gucken, dass Kommunikation verbessert wird?
Also mir persönlich hilft zum Beispiel dieser ganze Online-Austausch enorm.
Also ich sitze hier, wenn ich da bei Veranstaltungen online bin,
da sind vielleicht 20, 30, 50, 100 Leute drin und ich kann es recht gut verstehen.
Und wäre ich in dem Saal, wäre ich, glaube ich, schon oft frustriert,
wieder von dann gezogen, weil man sagt zweimal, könnt ihr lauter reden.
Und dann ist es so, ja, ich bin die Sarah, ich bin auch hier von der Organisation.
Es ist so schwer, Leuten beizubringen, redet so, dass man euch versteht,
wenn man noch einen Hörrest hat.
Wenn man kein Hörrest hat, dann braucht man auch wirklich die Hilfen und auch
manchmal die Geduld, weil dieses Lormen ist natürlich eine viel langwierigere Sache.
Aber ich denke, wir haben Möglichkeiten mit Schrift heutzutage.
Also wir haben auch technische Hilfsmittel, aber das müssen sich die Leute auch leisten können.
Also ich finde, das war eine wichtige Entwicklung mit dem TBL.
Das kam, glaube ich, mit dem Bundesteilhabegesetz 2016, zehn Jahre.
Und ein Jubiläum kann ich dir
auch noch sagen. Da werden die Kobinettnachrichten am 1. Juli berichten.
Da hat mich die Martina Puschke vom Weibernetz darauf aufmerksam gemacht.
Also die Interessenvertretung behinderter Frauen. Und das Sozialgesetzbuch 9
ist am 1. Juli 2001 in Kraft getreten.
Das heißt, das wird jetzt 25 Jahre. Und da lohnt es sich auch nochmal zu gucken,
Mensch, was hat sich damit verändert?
Was ist in der Reform stecken geblieben? Was müssen wir verteidigen?
Wo müssen wir es besser machen?
Das ist ja eigentlich immer das Spannende an irgendwelchen Regelungen oder Gesetzen,
dass man auch guckt, wie funktioniert es und wie kriegen wir es noch besser hin.
Und das machen wir dann natürlich im Juli-Rückblick, den wir dann am 1.
August ausstrahlen. Dann gucken wir auf das 25. Jubiläum des Gesetzbuch 9 zurück.
Es hätte noch in die News geschafft, Budget für Arbeit schaffen wir zeitlich jetzt nicht mehr.
Betreuung und Heimbegriff, auch ein Thema, was wir hätten. Aber ich würde gerne
noch anknüpfen bei einem Thema, wo du gerade gesprochen hast,
der DBS-Waufherr-Bannstag.
Da gab es ja prominenter Besuch. Die Frau hat sich wirklich in die Höhle des
Löwens getraut. Frau Bärbel-Bars war da.
Was hat sie erzählt? Hat sie uns Hoffnung gemacht? Sie hat...
Vielleicht, glaube ich, ein bisschen viel versprochen, wenn ich das so aus meiner
Sicht interpretiert habe. Wie hast du es empfunden?
Ja, ich selbst war nicht vor Ort. Ich habe nur die Pressemeldungen gesehen.
Ich habe auch mit Leuten geredet, wie es denn so war.
Und ich glaube, die haben den Spagat hinbekommen.
Sowohl die Leute vom Verbandstag des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes,
denen ist bewusst, dass wir in einer Zeit leben, wo wir Verbündete brauchen.
Und Bärbel Bas, ich sage mal, kann eine wichtige und gute Verbündete sein.
Also ich denke, sie haben ihr nicht all das um die Ohren gehauen,
was man um die Ohren hauen könnte.
Sie haben ihr natürlich schon klargemacht, dass dieser Gesetzentwurf
zum Behindertengleichstellungsgesetz, dass das so nicht geht.
Und Bärbel Bas hat so den Ton auch gefunden, wo sie auch nochmal betont hat,
ja, die rechte behinderten Menschen, die Solidarität, auch die Gleichstellung,
Nichtdiskriminierung.
Ich glaube, die Verbandstag und Bärbel Bas haben sich da ganz gut bereichert.
Es hätte sicherlich, man hätte es zum Eklat führen können, aber ehrlich gesagt,
gerade jetzt in dieser ganzen Reformdebatten und auch beim Behindertengleichstellungsgesetz,
ja, da brauchen wir auch eine Ministerin, die dafür kämpft und ich hoffe,
dass da hinter den Kulissen einiges passiert.
Also von daher, wie ich gehört habe, war das anscheinend ein richtig guter Verbandstag.
Man ist ja immer, wenn Vereine sich treffen, da ist man für gar nichts sicher.
Muss man leider so sagen. Das sind halt alles Menschen und Charaktere.
Aber das muss richtig gut gewesen sein. Andreas Bethke hat gesagt,
der große Vorteil, Andreas Bethke ist der Geschäftsführer des Deutschen Blinden-
und Sehbehindertenverband, war, dass der Tagungsraum klimatisiert war.
Und das ist bei einer Tagung schon mal super,
weil so schön und gut es ist, dass die Leute rausgehen, Kaffee trinken,
miteinander reden, so wichtig ist es auch, dass sie gerne wieder reinkommen
und da muss die Klimatisierung doch enorm geholfen haben, dass man da sich auch konzentriert hat.
Und ich glaube auch, dass drumherum,
auch wenn es heiß war, es bot viele Möglichkeiten zum Austausch.
Und ich glaube, das ist für unsere Organisation auch wichtig.
Das habe ich auch bei der Demonstration zur Anhörung vom Behindertengleichstellungsgesetz gemerkt.
Ja, man muss sich treffen, man muss mal wieder Tuchfühlung miteinander aufnehmen,
man muss auch mal sich ein bisschen streiten.
Und sich auch einfach vielleicht nochmal neu oder überhaupt erstmal oder besser kennen.
Und da, glaube ich, waren sie ganz zufrieden, so wie auch mit der Bärbel Bass.
Ottmar, jetzt kommen wir zu einer neuen Rubrik in diesem Monatsrückblick.
Die hat die KI mir vorgeschlagen und deshalb finde ich das mal eine coole Idee.
Drei Nachrichten, die es fast nicht in unseren Monatsrückblick geschafft hätten. Drei kurze Themen.
Drei kurze Themen. Also ein Thema ist die Anhörung vom Petitionsausschuss.
180.000 Unterschriften wurden für eine Petition an den Bundestag gesammelt.
Von Lebenshilfe unterstützt von vielen anderen Verbänden. Ulla Schmidt und eine
Kollegin aus dem Selbstvertretungsrat der Lebenshilfe konnten sich äußern.
Fast eine Stunde lang wurde besprochen.
Das wäre sicherlich eine Diskussion wert gewesen.
Es klang vorher schon an, dass die Aktion Mensch jetzt auch nochmal die Information
in leichter Sprache zum Budget für Arbeit und Ausbildung veröffentlicht hat.
Also die haben nachgedruckt, das ging damals weg, wie die heißen Semmeln.
Jetzt gibt es also wieder nachgedruckte Exemplare und das ist einfach deshalb
total wichtig, dass behinderte Menschen auch die Information bekommen,
die sie brauchen, wenn sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten.
Ja, und ein drittes Thema.
Ja, wir hätten sicherlich, und da habe ich selber nicht geschafft in den Kobinett,
das habe ich noch, über die Herausforderungen mit dem Frust von Menschen.
Also mir hatte der Martin Theben, der ist Rechtsanwalt in Berlin,
der ist immer unser Historikus bei den Kobinett-Nachrichten.
Der blickt immer zurück, was war 1981, wenn sich irgendwas jährt.
Der hat noch ganz viele Protokolle und sowas parat.
Der hat mir eine Mail geschrieben und da will ich auch noch eine Nachricht draus basteln,
wie schwierig, wie herausfordernd es einfach ist, auf der einen Seite diese Debatten,
dieser Rechtsruck, diese Kürzungsfantasien und Pläne und auf der anderen Seite
merkt er einfach als Anwalt, wie schwer es Familien haben, manchmal die einfachsten
Sachen durchzukriegen,
wo sie sich bei Behörden.
Zum Teil dann bei Gerichten durchkämpfen müssen.
Und ich glaube, das ist schon ein Thema, das klingt bei vielen an,
ja, wie gehen wir um mit dem Frust? Und ja, es ist, glaube ich,
wichtig, dass wir darüber sprechen. Ich selber habe dann leider immer nur zu
bieten, was ist die Alternative?
Aufs Sofa liegen kann schön sein, aber wir sind nun mal so, dass wir Ungerechtigkeiten
auch nur schwer aushalten können.
Und gerade im Bereich Behinderung, wo wir uns nun mal auch auskennen oder wo
wir ein Gefühl dafür haben, was es bedeutet, dann, ich sage mal,
drei Jahre auf dem Sofa zu liegen und sich zu überlegen, wie dreht sich die
Welt weiter, ist halt auch keine Alternative.
Also ich habe nie eine wirklich gute Antwort, aber ich glaube,
darüber hätten die Covid-Nachrichten auch schon im Juni berichten können.
Und ja, da wäre auch interessant, was uns die KI dazu rät, aber auch das ein andermal.
Gut und Martin Theben hat ganz erfolgreich mit der APA, der Gewerkschaft der
Assistenznehmer in Berlin, es durchgeboxt
bekommen, dass doch jetzt die Tarifverträge so angepasst werden,
dass die Leute vernünftig bezahlt werden, also nicht zurückgestuft werden.
Also das hat er mit der APA und allen Partnern, die da im Boot waren, durchgeboxt.
Alle, die als Mitglied der Gewerkschaft für Arbeitgeber mit Behinderung sind,
die dürfen jetzt Tarifvertrag bezahlen. Die, die nicht Mitglied werden wollen,
oder können oder was auch immer, die dürfen nicht nach Tarif bezahlen.
Ein Entschluss von Verdi und von der APA, also Kompliment an die Berliner.
Ich glaube, war schon im Mai, ist das durchgesickert, aber sollte man hier vielleicht noch erwähnen.
Ja, ganz wichtiger Erfolg, da sind die Leute auch vor die Behörde gezogen,
die haben demonstriert, die haben sich da festgesetzt im Senatsgebäude,
also das war kein Spaziergang und Martin Theben, viele andere,
die haben da richtig hart dafür gekämpft.
Absolut, also Gratulation nochmal an die Berliner Menschen mit Behinderung,
Arbeitgeber, die das durchgeboxt haben, dass das Arbeitgebermodell nicht so
schnell stirbt, wie vielleicht der Senat sich das gewünscht hätte.
Ottmar, wer war dein Mensch des Monats?
Ein Mensch des Monats. Ganz spontan René Schaar.
René Schaar ist aus Hamburg. Er ist beim Norddeutschen Rundfunk dort sozusagen
für Vielfalt, Diversitätsmanager ist er, glaube ich, zuständig.
Und René Schaar hat sich in den letzten Monaten, aber auch jetzt im Juni,
finde ich, unheimlich ins Zeug gelegt.
Er hat um sich Leute gesammelt, die dann zur Demonstration aufgerufen haben.
Er hat seinen Kopf hingehalten an verschiedenen Stellen und es scheint so,
als ob der nie richtig müde wird.
Und da muss ich einfach sagen, super, weil die hatten für drei Stunden eine
Kundgebung angesetzt und ich dachte schon immer, meine Güte, wie fühlt man das?
Der René hat dann ziemlich spontan entschieden, nein, ich gehe nicht rein zur
Anhörung im Paul-Löbe-Haus zum Behinderten-Gleichstellen. Mein Platz ist hier draußen.
Und der hat fast vier Stunden lang, dreieinhalb Stunden lang durchmoderiert,
hat immer wieder angefeuert.
Och, das hat mich so irgendwie an meine Jugend erinnert.
Ja, der kann mit dem Megafon umgehen. Natürlich, er lernt auch viel dazu, aber der fragt auch.
Und deshalb sage ich mal meine Person des Monats, René Schaar aus Hamburg.
Welche Organisation hat dich im Juni ganz besonders überzeugt oder begeistert?
Welche Organisation? Das ist eine sehr gute Frage. Da muss ich ganz kurz nachdenken.
Begeistert hat mich vom persönlichen Anschauen.
Ich sage mal, die Interessenvertretung selbstbestimmt leben in Deutschland.
Da würde man jetzt sagen, naja, das ist kein Zufall. Aus dem Stall kommt er.
Aber ich war, als ich in Berlin zur Anhörung war, nochmal zwei,
drei Stunden in deren neuen Stall, also in deren neuen Bürokomplex,
kann man dazu sagen. Die mussten umziehen. Da muss das ja Barrierefreiheit gefunden haben.
Ja, und da muss ich sagen, also nicht nur die Interessenvertretung Selbstbestimmt
Leben in Deutschland, sondern da sind eine ganze Reihe von Organisationen dran.
Die haben zusammen jetzt einen richtig langen Gang mit Tagungsraum, großer Küche.
Und ich sage immer, das ist jetzt unser neues Powerhouse. Das ist direkt neben
Deutschen Institut für Menschenrechte, wo die Monitoringstelle ist,
in der Zimmerstraße 26, 27.
Und da hat mich einfach begeistert.
Es ist nicht so einfach, einen Umzug zu planen. Es ist auch nicht einfach zu
planen, wie viele Räume man braucht beziehungsweise bezahlen kann,
zumal auch immer mehr gesagt wird, na ja, Mietkosten zahlen wir nicht,
wenn man einen Antrag stellt. Das müsst ihr selber schultern. Ja, wie denn?
Und die haben es gewagt, die müssen noch einiges räumen und ich freue mich schon
auf September, wenn wir dort tagen.
Also das wäre jetzt die Organisation, wo ich sage, Ja, die haben dann ein richtiges
Powerhouse hingekriegt mit viel Mut und Schweiß und Geschwitze umziehen und bauen und kosten.
Und ich glaube, die andere Organisation diesen Monat, die mich erwärmt hat,
war einfach der Deutsche Blinden- und Sehbehindernverband, der Verbandstag,
aber auch vor allem Christiane Möller.
Deren Juristin, stellvertretende Geschäftsführerin, die einfach bei der Anhörung
zum Behinderten- und Gleichstellungsdienst, also sie hat wirklich ihr Bestes gegeben.
Sie hat gekämpft, sie war noch draußen bei der Kundgebung, vorher und nachher.
Also Deutscher Blinden- und Seelbehindertenverband mit ihrer Christiane Müller,
Andreas Bethke und all die Leute, die dort was umtreiben.
Welche Nachricht hat dich besonders geärgert?
Ganz viele von den 220, ne? Ja, ja.
Aber ganz besonders, wo musstest du sozusagen fast in die Tischkante beißen?
Also es war wieder irgendwas mit Friedrich Merz.
Da habt ihr das gehört. Die Deutschen fliegen in der Weltmeisterschaft raus
und er lobt die Mannschaft für einen großartigen Zusammenhalt, eine tolle Stimmung.
Ich habe gedacht, welchen Film hast du denn geguckt, mein Guter?
Ja, und ich glaube, bei Friedrich Merz, Ich musste auch so lachen,
weil es wäre und es passt so leider.
Wir haben ja über Olaf Scholz auch immer so getan. Na ja, der müsste mal und alles.
Aber ich finde, Olaf Scholz war Bedachter.
Angela Merkel war Bedachter. Gerhard Schröder hat schon auch manchmal übers Ziel rauskauen.
Aber Friedrich Merz, es ist so symbolisch mit dieser Fußball-Weltmannschaft.
Ein Bundeskanzler muss doch nicht zu den 84 Millionen Kommentatoren der Fußball-Weltmeisterschaft
in Deutschland gehören, sondern
er kann sich auch ein bisschen Zeit lassen, wenn er was sagen will.
Aber dann irgendwas Dummes rauszuhauen
und das war auch so, ich fand immer wieder auch seine Aussagen.
Also der Ulla Schmidt wird vermittelt im Petitionsausschuss von der Parlamentarischen
Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
Ja, sie können sich sicher sein, es wird kein Abbau der Rechte und Kürzungen
zulasten behinderter Menschen stattfinden und dann dauert es aber nicht lang.
Dann rotzt der Merz wieder einen raus. Ja, da müssen wir einsparen und da muss
man sozusagen das und das.
Also ich sage mal so, in der Masse, was er rausgehauen hat wieder in diesem
Monat, ist Friedrich Merz der absolute Gewinner. Und ich denke dann immer,
nee, du kannst nicht über diesen ganzen Mist schreiben, aber...
Er regt mich auf. Sehr schön.
Ich blicke auch mal ganz kurz auf den Monat Juni aus meiner Perspektive,
aus der persönlichen Perspektive. Ich habe mich gefreut, die 25-Jahr-Feier der
Blindenführhundhalter in Luxemburg zu moderieren und zu zelebrieren.
Das war ein schöner Moment.
25 Jahre, wo ein Mensch an sich vor 27 Jahren, 28 Jahren gesagt hat,
ja, das ist toll, dass ich hier einen Hund aus Frankreich, weil die Hunde werden
in Frankreich kostenlos übergeben an Menschen mit Behinderung,
weil die Schulen sich über Spenden finanzieren.
Also er hat damals einen Hund aus Frankreich gekriegt, 1999,
gesagt, das ist toll, dass das so funktioniert, aber ich kann das nicht so stehen
lassen, ich kann diesen Hund nicht so annehmen und nichts tun und dann hat er
überlegt, wie kriegen wir das denn nach Luxemburg katapultiert und parallel zu der Gründung der.
Führhundhaltervereinigung in Luxemburg hat gerade auch eine Schule in Wappi
bei Metz, das ist ungefähr so 30, 40 Kilometer hinter der Luxemburger Grenze,
eröffnet und schwupps war die Zusammenarbeit gewachsen und die Luxemburger Vereinigung
arbeitet seitdem mit der Schule in Wappi zusammen.
Mittlerweile werden die Hunde in Luxemburg auch von der Pflegeversicherung finanziert.
Trotzdem gibt es regelmäßig noch Spenden, die nach Frankreich gehen.
Und ich habe übrigens auch alle meine Hunde aus dieser französischen Schule.
Und ich bin sehr begeistert von deren Engagement. Es war eine sehr tolle Veranstaltung,
die wir da moderiert haben. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.
Und ich war auf einem Festival, das Hurricane Festival.
Und ich fand es da sehr cool. Da gibt es ein Camping, gut der Begriff oder den
Namen, da kann man darüber diskutieren.
Special Needs, aber da gibt es wirklich einen Campingplatz für Menschen mit
Behinderungen. Ich habe mit ein paar Leuten gesprochen, die fanden das sehr
cool. Da gibt es Behinderten-barrierefreie Toiletten, barrierefreie Duschen,
also alles von FKP Scorpio organisiert.
Richtig nett, richtig cool und wenn meine Tochter und ich uns das nächstes Jahr
trauen, wollen wir auf diesem Camping uns auch einnisten. Das war mein Juni.
Was passiert im Juli, lieber Ottmar Malzpaul? Komm, wir gucken mal ganz schnell
noch auf den Juli, bevor wir unsere Türen hier schließen für heute Abend.
Vielleicht noch zu deinem Juni. Also wie gesagt, es ist einfach toll zu sehen,
wenn Menschen was machen.
Das kann ich also nicht oft genug betonen. Es sind manchmal vermeintlich kleine
Dinge, aber ich finde, wie war es denn früher auf Festivals?
Da war überhaupt an nichts gedacht.
Und dass ihr das jetzt so erleben könnt und hoffentlich dann testen,
also super, also es sind Menschen. Was kommt jetzt im Juli?
Ich kann sagen, was nicht kommt, es wird nicht die Debatte und Beschlussfassung
zum Behindertengleichstellungsgesetz stattfinden.
Es wird keine Verabschiedung des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes geben.
Es wird nicht einmal debattiert über die pränatale Implantationsdiagnostik,
was ein Antrag ist, der schon lange vorliegt, der von den Bremern auch über
den Bundesrat vorbereitet und mit vorangetrieben wurde.
Also das alles nicht.
Also ich glaube, der Juli könnte vielleicht mal ein entspannterer Monat werden.
Ich blicke ein bisschen mit Sorge darauf, das Thema haben wir auch nicht behandelt,
weil es war schon unheimlich heiß und ich habe dann immer gedacht,
meine Güte, wie würde es meiner Mutter gehen, wenn sie noch leben würde in diesem
zusammengefärchten Aufenthaltsraum im Altenheim.
Und ich denke, im Juli, es ist einfach, glaube ich, ganz gut,
dass wir auf uns achten, weil es wird bestimmt wieder heißer.
Aber ansonsten hoffe ich, dass man auch einfach mal ein bisschen ausspannen kann.
Um dann wieder mit neuer Energie zu starten. Also so jetzt richtige Ereignisse.
Habe ich jetzt noch nicht im Blick.
Gut, einen Weltmeister aus Deutschland feiern wir dieses Jahr nicht.
Das ist schon mal geklärt, aus Holland übrigens auch nicht. Das ist auch geklärt,
das heißt, unsere Nachbarländer, muss man gucken, wie die Belgier und die Franzosen
jetzt noch abschneiden.
Vielleicht auch noch die Österreicher, wer weiß, die sind ja noch dabei, glaube ich.
Die sind noch kurz dabei. Die Schweizer sind auch noch dabei.
Ja, stand jetzt sind sie drin, aber Italien hat es gar nicht hingeschaut.
Ja, Italien hat es nicht hingeschaut. Die waren ja in Luxemburg mit einer U21-Mannschaft,
haben trotzdem gegen Luxemburg gewonnen, aber alles gut, das ist nicht so schlimm.
Dann schauen wir, was uns das Ganze so bringt. Ich werde im Juli übrigens nochmal,
und da freue ich mich sehr drüber, ich arbeite für Info-Handicap,
das ist unsere Luxemburger Kontaktstelle für Menschen mit Behinderung,
auch sozusagen ein, ja, wie nennt man das, das ISL in Luxemburg.
Ich übertreibe es mal ein bisschen so, ISL in Luxemburg.
Und die haben ein Projekt, was ich mit initiiert ein bisschen habe, das nennt sich Bewusst.
Und da geht es darum, um Menschen ohne Behinderung zu sensibilisieren im Umgang
mit Menschen mit Behinderung.
Und ich bin neben meiner Tätigkeit beim Ministerium und meinem Podcast noch
als Experte in eigener Sache dort engagiert und wir werden auch bezahlt.
Das ist großartig, finde ich auch cool.
Und ich freue mich darauf, bei meiner Lieblingsgesellschaft nochmal eine Weiterbildungsrunde
machen zu dürfen, nämlich am 4. Juli bei der Luxair, meiner Lieblingsfluggesellschaft.
Es wird ganz spannend nach der letzten Veranstaltung im Mai.
Ich kann mich fast jetzt nicht mehr ins Flughafen trauen, weil aus jeder Ecke
kommt ein Hallo Sascha, Bonjour Sascha, Hallo Sascha.
Also es ist schon ein bisschen beängstigend.
Ich kann mich nicht mehr daneben benehmen im Flughafen, weil fast jeder kennt
mich jetzt da, also von der Luxair.
Aber ich finde es sehr cool. Wir haben da Leute von Luxair Service, von der Sicherheit.
Wir reden darüber, wie geht man mit Menschen mit Behinderung um?
Was sollte man nicht machen? Und eines meiner wichtigsten Elemente ist immer,
im Endeffekt könnte ich nach zwei Minuten aufhören, indem ich einfach nur sage,
das Wichtigste, was Sie machen müssen, ist kommunizieren.
Wir brauchen Sie gar nicht. Einfach reden. Mit den Menschen reden.
Was geht, was geht nicht?
Und auch da war eine ganz interessante Situation, die ich noch zum Schluss noch raushauen möchte.
Da hat eine Person mit Behinderung gemeint, sie müsste nicht kontrolliert werden,
weil sie im Rollstuhl saß.
Da habe ich gedacht, du willst ja auch reisen, auch wenn du im Rollstuhl sitzt.
Also kontrollieren gehört zum Reisen dazu.
Also nur weil wir eine Behinderung haben, heißt das nicht, dass wir uns den
Gesetzgebungen der Allgemeinheit entziehen können.
Die Art und Weise, wie die Person das mitgeteilt hat, war nicht so cool,
aber ich habe den Menschen, die da mit beteiligt waren, auch ein paar Tipps
noch mit auf den Weg gegeben, wie man das noch ein bisschen anders machen kann.
Die Frage, stehen Sie auf, ist falsch, sondern die Frage soll lauten,
ist es Ihnen möglich aufzustehen? Zum Beispiel, das sind so ganz kleine Sachen,
wo Menschen teilweise schon auf die Palme gehen, wenn die Frage falsch formuliert
ist, ob schon die Menschen auf der anderen Seite, die diese Frage formulieren,
gar keine Absicht haben, jemanden zu ärgern.
Da müssen wir noch ein bisschen daran arbeiten. Auch wir Menschen mit Behinderung müssen.
Unsere Haut etwas straffer ziehen und nicht direkt immer an die Decke gehen,
wenn einer das nicht so kommuniziert. Ja, wir sind müde, aber nicht hinter jedem
Lebewesen auf zwei Beinen steckt.
Ein absichtlicher Ebelismus. Das möchte ich mit auf den Weg geben und wir machen
uns ganz viele Türen zu, wenn wir das suggerieren, dass jeder,
der uns anspricht, ein Ebelist ist, nenne ich das mal so.
Noch ein, zu kommunizieren und zum Juli. Die Aktion Mensch, wir warten ja jetzt schon länger darauf.
Die hatte sozusagen ihre Antragstellungsmöglichkeiten weitgehend Mitte September
letzten Jahres gestoppt, weil es einfach zu viel war und sie sich neu orientieren
will mit ihren Programmen.
Und am 1. Juli haben die angekündigt, dass auf ihrer Internetseite jetzt Informationen
kommen über zukünftige Förderprogramme. Anscheinend kann man dann ab 1.
September Anträge stellen.
Da kann ich also nur empfehlen, wer auch mit Projekten mal durchführen will,
guckt mal auf der Internetseite der Aktion Mensch, was da an neuen Fördermöglichkeiten
kommt. Viele haben darauf gewartet. Ich bin schon sehr gespannt.
Alles nachzulesen, was wir heute gesagt haben und auch nicht gesagt haben,
gibt es auf www.kobinet-nachrichten.org.
Abonniert euch auch am Newsletter. Jeden Montag erscheint der Newsletter mit
ausgewählten, wichtigsten News aus der vergangenen Woche. Das ist alles möglich.
Lieber Hauptmann-Malspaul, dir wünsche ich einen wundervollen Juli,
einen nicht zu heißen und denk dran, nimm immer den Fächer mit oder einen kleinen
Handventilator, damit du nicht aus Atem kommst.
Ja, ich bedanke mich, dass ich mal wieder dabei sein konnte beim Eagle Podcast
und den Monatsrückblick mit dir und der KI bestreiten konnte.
Und möchte einfach nochmal sagen, bei dir ja so oder so, aber die KI,
sie hat es gut gemacht, Sascha, und ich hoffe, dass du sie immer gut fütterst.
Ich füttere sie gut und ich sage immer, ohne SI gibt es keine KI.
Die SI steht für Sascha Intelligenz, bei dir wäre es die OI.
Also ohne SI und OI gibt es keine KI.
In diesem Sinne, tschüss. Tschüss. Das war's für diese Ausgabe.
Wir werden nochmal die IGL aktuell Episode vom 23.06. verlinken und natürlich
auch die Internetadresse www.kubinitnachrichten.org.
Viel Spaß. Bis dann. Euer Inklusator Sascha Lang.
Inklusion – Ganz einfach leben wird dir präsentiert von Inklusator.
Infos zum Inklusator und weitere Folgen findest du unter www.igelmedia.com,
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